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So, 1. April 2007, 00:00

Luxus-Anrufbeantworter unter Linux - Teil 1

Das wenig bekannte Programm vbox3 ermöglicht, zusammen mit einigen Skripten und anderen Programmen, einen Anrufbeantworter einzurichten, der käuflich zu erwerbenden Geräten weit überlegen ist. Die Einrichtung dieses Anrufbeantworters, der eine ISDN-Karte voraussetzt, wird in diesem Artikel sowie in den nachfolgenden Teilen beschrieben.

Einleitung

Aufseesianum/Photocase

In Zeiten von DSL-Verbindungen und Breitbandzugängen verliert der Internetzugang über ISDN immer mehr an Bedeutung. In vielen Servern stecken allerdings immer noch nicht mehr gebrauchte ISDN-Karten. Manch ein Administrator oder Nutzer benutzt sie noch als Backup zu bestehenden Verbindungen. Andere wiederum ließen die Karten aus sentimentalen Gründen drin. Was lege also näher als sie wieder zu reaktivieren und unter Linux einen Anrufbeantworter zu betreiben. Nicht aber einen simplen Anrufbeantworter, sondern ein Gerät der Extraklasse, der uns (fast) alle Wünsche erfüllen wird.

Dieser Workshop soll zeigen, wie die vergessenen Schätze wieder gehoben werden können und wie ein Server nun auch als Anrufbeantworter, telefonische Schaltzentrale und Informationsdienst genutzt werden kann. Die Funktionalität soll sich dabei deutlich von der der Standardgeräte abheben.

Zielsetzung

Viele private Haushalte, nicht nur die der Geeks, betreiben bereits diverse Server im Dauerbetrieb. Sei es nur, um Dateien zentral zu speichern, Drucker anzusteuern und einen simplen Zugang der ganzen Familie ins Internet zu ermöglichen. Durch die zunehmende Virtualisierung der Hardware reicht oftmals auch ein Gerät aus, um viele Aufgaben des täglichen Bedarfs zu erledigen. Was liegt also näher, als den bereits betriebenen Server um eine neue Aufgabe zu erweitern und den Rechenknecht auch für die Beantwortung der Anrufe einzuspannen?

Die Zielsetzung des Projektes soll allerdings nicht nur die Beantwortung der eingehenden Anrufe sein. Warum sich nur mit dem Minimum zufrieden geben, wenn die Möglichkeiten weit größer sind? Warum sollte das Gerät nicht die Anrufer erkennen und sie mit einer persönlichen Ansage begrüßen und den Wünschen entsprechend auch reagieren? Natürlich sollte auch die Fernabfrage der angekommenen Anrufe nicht fehlen. Doch warum eigentlich nur die Abfrage der Anrufe? Warum nicht auch des kompletten Systems oder der Emails? Im Zeitalter der Telefon-Flatrates wäre es doch eine praktische Funktion, auch die Server über das Telefon abfragen zu können. Apropos Abfrage: Warum sollten neue Nachrichten nicht direkt an eine oder mehrere Email-Adressen geschickt werden können? Und warum sollte das Gerät nicht autark anrufen, wenn eine wichtige Person sich gemeldet hat?

Einen simplen Anrufbeantworter können wir uns für wenige Euro im Elektromarkt um die Ecke kaufen. Was wir aber wollen, ist ein Komfortgerät der Extraklasse. Ein mal eingerichtet, soll das Gerät die komplette eingehende Kommunikation verwalten, dabei aber eine bestehende Telefonanlage nicht ersetzen. Ferner soll das System auch auf älterer Hardware und unter älteren Kernelversionen lauffähig sein. Unser Anrufbeantworter soll ja schließlich keinen separaten Anschluss zum AKW benötigen.

Aller Anfang ist (nicht) leicht

Ein erster Blick in die unter Linux verfügbare Softwarewelt zeigt die Richtung. Prinzipiell würde sich für unsere Aufgabe die Telefonanlagensoftware Asterisk eignen. Asterisk läuft auf Linux und kann eine ganze Telefonzentrale ersetzen. Mit seinen vielen Funktionen lässt sich sehr schnell eine Telefonzentrale für Privatpersonen oder Firmen realisieren, wobei dann noch Zusatzdienste wie Voicemail, Support-Leitungen (Voice-Menü-Systeme), Musik on Hold und vieles mehr möglich ist. Für unsere Belange erweist sich Asterisk allerdings als zu groß und in vielen Bereichen als zu limitiert.

Eine weitere Suche bringt vbox zu Tage. Das Paket ist ein Teil des isdn4linux-Projektes und würde sich prinzipiell für unsere Belange eignen. Das Problem stellt allerdings wieder eine Limitierung dar, die viele unsere Funktionen zunichte macht. Das System soll maximal erweiterbar sein, was die Struktur von vbox uns aber verwehrt. Wir greifen deshalb zu dem inoffiziellen Nachfolger vbox3.

Eines sei allerdings schon am Anfang gesagt - sowohl vbox als auch vbox3 haben nie wirklich stabile Versionen erreicht und beide Pakete werden bereits seit einigen Jahren nicht mehr gepflegt. Diverse Distributoren widmen sich allerdings der Wartung der Pakete. Darüber hinaus haben beide Systeme noch diverse Macken, die aber mit ein wenig Kenntnis des Systems umschifft werden können. Bei unserem Praxistest erwies sich vbox3 allerdings als durchaus stabil für einen produktiven Einsatz und wir konnten keinen Fehler beobachten.

Das vbox-System ist aufgeteilt in einen Server, der die Nachrichten entgegennimmt (vboxgetty) und einen Client, mit dem Nachrichten abgehört werden können. Neben einer Applikation, die ankommende Anrufe entgegennimmt, kommt vbox3 auch mit einem separaten Programm, mit dem Anrufe getätigt werden können (vboxputty).

Vorbereitung

Manche der gängigen Distributionen installieren vbox bereits bei der Installation von ISDN for Linux. Um möglichen Kollisionen mit installierten Paketen oder Fehlkonfiguration durch die Bearbeitung der »falschen« Konfigurationsdateien-Dateien vorzubeugen, empfiehlt es sich, das alte vbox gänzlich aus dem System zu entfernen. Sollte also vboxgetty bereits auf Ihrem System installiert sein, sollten Sie das Paket entfernen. Ferner ist es notwendig, dass das ISDN for Linux-Paket korrekt installiert wurde und funktioniert. Erkennen können Sie das nicht nur dadurch, dass ein »isdn«-Daemon beim Systemstart aktiviert wurde, sondern auch daran, dass beim Anruf in Ihrer Log-Datei ein Eintrag gemacht wird. Sollten Sie also Ihre ISDN-Karte mit Ihrer Anlage verbunden haben und sich selbst anrufen, so müssen Sie in Ihrer Logdatei (üblicherweise /var/log/messages) folgende Zeile erblicken:

Mar 2 22:56:08 devil kernel: isdn_net: call from 12345 -> 0 2233 ignored
Mar 2 22:56:08 devil kernel: isdn_tty: call from 12345 -> 2233 ignored

Sehen Sie diese Meldung nicht, so können Sie gleich aufhören, weiterzulesen. Ohne korrekte Konfiguration der ISDN-Karte wird der Anrufbeantworter nicht funktionieren.

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