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So, 19. Juni 2005, 00:00

Die eigene VoIP/ISDN-Anlage

Die LinuxBox Fon

Herzlich willkommen zum ersten Teil des LinuxBox Fon-Workshops. In diesem Teil werden wir zunächst die Hardware zusammenbauen und konfigurieren.

Vorbemerkungen

Voice over IP (VoIP) ist in aller Munde. Die Möglichkeit, günstig oder zum Nulltarif über das Internet zu telefonieren, ist verlockend. Spätestens seit Skype für Linux erhältlich ist, ist VoIP auch für Linux-User interessant.

Aber VoIP hat auch einige Nachteile.

  • Bei Benutzung von Software-Clients hat man oft eine schlechte Sprachqualität
  • Ein SIP-Hardware-Telefon ist relativ teuer
  • Die Fritzbox Fon, mit der sich ein normales Telefon auch als VoIP-Telefon benutzen lässt, ist auch nicht billig
  • Allen Lösungen gemeinsam ist, dass man sich an einen VoIP-Provider bindet
  • SIP, das de facto Standard-VoIP-Protokoll, ist von der Netzwerk-Sicherheit gesehen nicht optimal. Es muss nicht nur der Port 5060 UDP für SIP freigegeben sein, sondern auch noch UDP-Ports für RTP (Real Time Protocol, der eigentliche Voice-Datenstrom)

Die hier vorgestellte Lösung bietet dagegen folgende Vorteile.

  • Das (ISDN)-Telefon kann für Festnetz und VoIP-Telefonie benutzt werden.
  • keine Hardware-Telefonanlage oder FritzBox Fon erforderlich, lediglich ein wenig (günstig zu beschaffende) Hardware.
  • Es muss nur ein einziger UDP-Port geöffnet werden
  • Unabhängigkeit von Hardware-Anbietern und SIP-Providern

Am Ende des Workshops verfügen wir über eine ISDN-VoIP Telefonanlage auf Linux-Basis, die zahlreiche Features bietet, wie sie ansonsten nur teure Telefonanlagen haben. An das Produkt von AVM angelehnt nenne ich das Ganze "LinuxBox Fon" - obwohl unsere Anlage diesem Produkt natürlich haushoch überlegen ist. Im ersten Teil werden wir die Hardware zusammenbauen und konfigurieren. Im zweiten Teil befassen wir uns dann näher mit der Konfiguration und Möglichkeiten von Asterisk.

Eine Telefonie-Software für Linux ist Asterisk. Asterisk ist die vollständig softwareseitige Realisierung einer kompletten Telefonanlage, die ISDN, VoIP und noch mehr kann. Das Programm wurde und wird von Mark Spencer entwickelt. Es steht frei als Open-Source-Software zur Verfügung.

Es gibt ein ähnliches Projekt zu dem, was wir hier vorhaben: PBX4Linux. Der Unterschied zu Asterisk ist, dass PBX4Linux (noch) kein VoIP kann und eine (fast) reine ISDN-Telefon-Anlage auf Linux-Basis ist. Nichtsdestotrotz sind die Tips und Anleitungen von PBX4Linux, vor allem was den Hardware-Teil angeht, sehr nützlich.

Technische Voraussetzungen

Um unsere »LinuxBox Fon« zu bauen, sollten folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  • ISDN-Anschluss (es gibt zwar auch Karten für Analog-Geräte, z.B. die TDM400P von Digium, diese Lösung ist aber relativ teuer)
  • DSL-Anschluss

Folgende Hardware wird benötigt:

  • Rechner mit Linux (ist doch klar;-))
  • Ein zusätzlicher ISDN-NTBA. Diese sollten günstig zu beschaffen sein. Viele Firmen werfen die Dinger haufenweise weg. Ansonsten bei eBay ab 3 Euro Sofortkauf.
  • Patchkabel oder - besser - ISDN-Kabel (nur vier Drähte in der Mitte)
  • Zwei ISDN-Karten mit HFC-S-Chipsatz, z.B. die Acer ISDN 128 Surf PCI ab 30,- EUR. Siehe hier für ISDN-Karten mit HFC-Chipsatz. Falls ausschließlich VoIP-Telefonie betrieben werden soll, reicht auch eine Karte.
  • Crimp-Zange, Seitenschneider, RJ45-Stecker

Hardware-Setup

Zuerst müssen wir uns ein ISDN-Crossover Kabel bauen. Ein Ethernet-Crossover-Kabel kann hier nicht benutzt werden. Ich habe im Netz auch keinen Anbieter von ISDN-Crossover-Kabeln gefunden. Also: selbst Hand anlegen.

[ISDN-Crossover-Kabel]

Henry Jensen

[ISDN-Crossover-Kabel]

Um das Kabel zu bauen, muss ein vorhandenes ISDN-Kabel an einem Ende aufgeschnitten werden. Bei einem ISDN-Kabel sind die Pins 3, 4, 5 und 6 belegt. Die beiden inneren Drähte und die beiden äußeren Drähte bilden jeweils ein Paar. Die Leitungen 4-5 und 3-6 gehören zusammen. Jeweils ein Paar für Senden (TX) und Empfangen (RX). Was wir tun müssen, ist, an einem Ende die Paare zu vertauschen. Das innere Paar muss nach außen, und das äußere nach innen. Oder anders ausgedrückt, das Paar 4-5 muss nach 3-6 und 3-6 nach 4-5. Dann noch RJ45-Stecker draufcrimpen - fertig.

Alternativ zum Bau eines ISDN-Crossover-Kabels besteht noch die Möglichkeit, den NTBA umzubauen. Dies halte ich jedoch für komplizierter. Wer es dennoch versuchen möchte, für den findet sich dazu auf isdn.jolly.de eine Anleitung mit Fotos.

Die beiden ISDN-Karten müssen in den Linux-Rechner eingebaut werden. Bei PBX4Linux wird erwähnt, dass darauf zu achten ist, dass jede Karte ihren eigenen IRQ zugewiesen bekommt und ihn nicht etwa mit anderen Geräten teilt.

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