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Do, 1. Juli 2010, 16:00

Haiku – Eine Alternative für den Desktop

Haiku ist der Name des freien Desktopbetriebssystems, das praktisch ein Open-Source-Nachbau des kommerziellen, doch leider gescheiterten, BeOS darstellt. Die 1998 als BeOS R3 von der Firma Be Inc. auf den Markt gebrachte Software konnte sich trotz zu dieser Zeit zukunftsweisender Technologien wie 64-Bit-Dateisystem mit indizierten Metadaten, umfassender Multithreading- und Multiprozessor-Unterstützung, ausgefeiltem Messaging in einem leichtgewichtigen Client-Server-Modell u.v.m. nicht durchsetzen. Haiku soll die erfolgreichere Nachfolge antreten.

Anwendungen: Henne und Ei

Mit dem neuen WebKit-Browser ist Haiku im WWW gut gerüstet

Joachim Seemer

Mit dem neuen WebKit-Browser ist Haiku im WWW gut gerüstet

Trotz der Fülle an verwendbaren BeOS-Programmen, welche oft jedoch nur wenig ausgereift sind und von ihren Autoren oft schon vor langer Zeit aufgegeben wurden, fehlen Haiku noch einige Anwendungen, die der normale Endanwender im täglichen Leben so braucht. Es gibt keine moderne Office-Suite oder mächtige Bild- und Videobearbeitungsprogramme, und der mitgelieferte Browser WebPositive ist zwar sehr fix und recht stabil, aber noch nicht ganz ausgereift, da er sich erst seit Anfang des Jahres in der Entwicklung befindet. Flash existiert nur als experimenteller gnash-Port für den etwas in die Jahre gekommenen Firefox 2.

Zwar wird auch an diesen Baustellen gearbeitet, aber das Haiku-Projekt sagt selbst, dass sich die Alphas in erster Linie an Entwickler richten. Ihre Hauptaufgabe besteht ja gerade darin, zusätzliche Programmierer anzusprechen – nicht nur um am Betriebssystem selbst zu arbeiten, sondern auch um die nötige Softwarelandschaft drumherum aufzubauen.

Tatsächlich scheint jetzt ein guter Zeitpunkt zu sein, sich die Haiku-Programmierung einmal genauer anzusehen. Seit den Alphas ist das System stabil genug, um darauf zu entwickeln, und mit gcc4 steht dafür auch ein moderner Compiler zur Verfügung.

Und während Haiku die durchdachte und vielseits gelobte C++-API von BeOS geerbt hat, hat es ihm gegenüber einen entscheidenden Vorteil: Haiku ist Open Source, d. h. jeder kann mitmachen und niemand kann das System mehr einfach einstampfen.

Wer im Übrigen Hilfe braucht, wird sicherlich im deutschen Haiku User Guide fündig oder verfolgt die Haiku Gazette des Autors, die über aktuelle Haiku-News auf Deutsch berichtet. Daneben kann man auch Fragen im englischen IRC-Channel #haiku auf irc.freenode.net stellen.

Autoreninformation

Joachim Seemer benutzt seit Ende 2008 fast ausschließlich Haiku und war davor bis ca. 2003 BeOS-Nutzer. Im Haiku-Projekt arbeitet er am Benutzerhandbuch und hilft auch bei dessen deutscher Übersetzung.

Dieser Artikel ist in freiesMagazin 06/2010 erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation. - Weitere Informationen
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