Ubuntu 10.10
Kurze Vorstellung von Ubuntu 10.10 »Maverick Meerkat«
Am 10. Oktober 2010 wurde Ubuntu 10.10 freigegeben. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Neuerungen mit besonderem Augenmerk auf den Desktop.
Laufender Betrieb
Einige bedeutende Änderungen, die für alle Desktops gleichermaßen gelten, sind der aktualisierte Linux-Kernel auf Basis von Version 2.6.35.4 und die neue Schriftart »Ubuntu«. Ohne die neue Schrift wären überhaupt keine bedeutenden Änderungen an den Desktops GNOME und KDE auszumachen. Aber natürlich gab es kleinere Erweiterungen der Funktionalität.
Wie gewohnt hat Root keinen direkten Zugang zum System. Zugang zum Root-Account ist aber über das Kommando sudo vorhanden. Damit kann man jeden beliebigen Befehl ausführen, nachdem man sein eigenes Passwort eingegeben hat. Wenn man, nachdem man als Root eingeloggt ist, ein Passwort vergibt, ist auch das direkte Root-Login möglich.
Der GNOME-Desktop benötigt mit einem Terminalfenster ohne weitere offene Programme etwa 220 MB, nachdem ich in der Vorversion noch 320 MB gemessen hatte. Davon wird ein Teil mit der Zeit in den Swap ausgelagert. Dies entspricht wieder ungefähr früheren Versionen. KDE benötigt etwa 390 MB und scheint mit wachsender Laufzeit mehr zu belegen. So ist KDE in 512 MB RAM subjektiv auch deutlich träger als GNOME. Anwendungen benötigen generell länger zum Starten, unabhängig von ihrer Größe. Beispielsweise benötigte der maximal 30 MB große OpenOffice.org Writer beim ersten Start unter KDE 20 Sekunden, unter GNOME nur 10. Nach Beenden und erneutem Start waren es unter KDE noch 4 Sekunden, unter GNOME 2. Ab etwa 768 MB RAM sind beide wieder gleichauf. KDE sollte man also besser nicht nutzen, wenn man nur 512 MB RAM oder weniger zur Verfügung hat. Auch das Abschalten vieler Effekte in KDE ist ratsam. Sie nerven einfach nur, weil sie durch ihre eingebauten Verzögerungen schlichtweg die Arbeit aufhalten.
Den Speicherverbrauch der Desktops zu messen ist nicht einfach. Schwankungen von 20 MB und mehr nach oben und unten sind möglich, je nach dem Zeitpunkt der Messung. Dies erklärt sich teilweise daraus, dass manche Programme bei ihrem Start einen oder mehrere Dienste starten. Diese Dienste werden bei Nichtbenutzung teilweise nach einiger Zeit auch wieder beendet. Ich habe mich bei obigen Angaben bemüht, den ungefähren Mittelwert zu finden.
Die neue Version 2.32.0 von GNOME bringt den Benutzern weitgehend das gewohnte Erscheinungsbild ohne böse Überraschungen. Der E-Mail-Client Evolution wurde auf die Version von GNOME 2.30.3 aktualisiert, die viel schneller als die Version in Ubuntu 10.04 LTS sein soll. Die Foto-Verwaltung obliegt nun Shotwell, das F-Spot in der Standardinstallation ablöst. Der Twitter-Client Gwibber wurde an die letzten Änderungen des Twitter-Authentifizierung angepasst. Der Sound-Indikator enthält nun Steuerelemente für das Abspielen von Musik. Obwohl der Standard-Browser von GNOME Epiphany ist, bleibt es unter Ubuntu bei Firefox, jetzt in Version 3.6.10 (inzwischen aktualisiert auf 3.6.11). Als Office-Suite ist OpenOffice.org 3.2.1 installiert.
Der Online-Dienst Ubuntu One wurde besser in den Desktop integriert. Registrierung und Anmeldung wurden erneuert. Im Dateimanager Nautilus wurde die Verwaltung der Einstellungen zur Synchronisation von Ordnern verbessert und die Geschwindigkeit der Synchronisation wurde gesteigert. Im Ubuntu One Music Store kann man Links auf Musik für andere Benutzer zugänglich machen.
Version 4.5.1 von KDE soll zum einen gegenüber KDE 4.4 mehr Stabilität und Feinschliff, zum anderen einige neue Funktionen bringen. Neu dabei sind der neue Caching-Mechanismus KsharedDataCache, einheitliches Aussehen des Benachrichtigungsbereichs auch zwischen verschiedenen Programmen und Toolkits, Benutzung der Webkit-Engine in Konqueror, ein neuer Platzierungsmodus (KWin-Tiling) im Window-Manager, optionale Nutzung von PulseAudio in Phonon und Verbesserungen in zahlreichen Anwendungen. Auch unter KDE wird OpenOffice.org genutzt. Als Webbrowser kommt die Neuentwicklung rekonq 0.6.1 zum Einsatz, die die Webkit-Engine nutzt und laut den Entwicklern den verfügbaren Bildschirmplatz optimieren soll. Das Programm erinnert mit seinem auf einen einzelnen Button reduzierten Menü entschieden an Chrome.
Rekonq verfügt über Funktionen wie Zoom, privaten Modus und Entwicklerfunktionen, lässt jedoch eine detaillierte Kontrolle über JavaScript- und Cookie-Einstellungen, Plugins und Erweiterungen vermissen. Ohne Funktionen, die annähernd an die Mächtigkeit von Firefox oder Konqueror herankommen, dürfte er bald genauso vergessen sein wie Arora, von dem man auch nichts mehr hört.
Schlimm sind neben der Tatsache, dass der Dateibetrachter Okular bei jeder PDF-Datei abstürzte, auch die neuen Icons in der Systemleiste. Eine Schere als Symbol für die Zwischenablage geht einfach gar nicht. Und das Symbol für den Network Manager soll wohl eine Ethernet-Buchse zeigen, was aber kaum erkennbar ist. Gegenüber den früheren Icons ist die Wahl der jetzigen Icons grandios schlecht. Nach einer längeren Sitzung funktionierte zudem das Herunterfahren nicht mehr.




