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Do, 27. Januar 2011, 15:00

Plasma erobert die Welt

Plasma für Applet-zentrierte Anwendungen

Das für Plasma entwickelte Applet-Framework ist jedoch nicht nur für den Einsatz in Applet-zentrierten Workspaces interessant. Auch viele Anwendungen nutzen auf verschiedene Art und Weise Komponenten, welche einem Applet-zentrierten Ansatz entsprechen. Für solche Anwendungen kann Plasma auch eine interessante Erweiterung sein. Eine der ersten Anwendungen, die auf Plasmas Appletkonzept setzte, war die Neuimplementierung von Amarok 2. Die Context Area verwendet Applets, um zusätzliche Informationen wie Songtexte oder ähnliche Interpreten anzuzeigen. Hierbei profitiert Amarok von der Entwicklung, welche bereits in Plasma investiert wurde, und muss nicht das Rad neu erfinden.

Amarok nutzt Plasma für den Kontextbereich

Martin Gräßlin

Amarok nutzt Plasma für den Kontextbereich

Im Rahmen des diesjährigen Google Summer of Code gab es mehrere Projekte, um Plasma besser in anderen Anwendungen verfügbar zu machen. Als Beispiel sei hier die KDE-PIM-Suite Kontact genannt, welche eine Übersicht über neue E-Mails, anstehende Termine etc. enthält. Ein Bereich also, der sich sehr gut für den Einsatz von Applets eignet. Durch die aktuell erfolgende Portierung von Kontact auf das Akonadi-Framework ist eine Überarbeitung dieser Übersicht sowieso notwendig. Durch die Verwendung von Plasma können nicht nur die Technologie für Applets, sondern auch die Applets selbst wiederverwendet werden. So befindet sich mit Lion Mail ein E-Mail-Benachrichtigungsapplet in Entwicklung, welches sich hervorragend sowohl für den Einsatz im Desktop, dem Systemabschnitt als auch in der Kontact-Übersicht eignet. Dieses sehr vielseitige Applet ist im Übrigen nicht an die Verwendung von KMail gekoppelt, sondern kann auch dank dem Einsatz von Akonadi in Kombination mit Mozilla Thunderbird oder komplett Web-basierten Lösungen wie Google Mail eingesetzt werden.

Plasma für bestehende Anwendungen

libplasma bietet den Anwendungsentwicklern nicht nur mit dem Appletsystem eine einfache Erweiterungsmöglichkeiten an, sondern hat noch bedeutend mehr im Angebot. So erlaubt Plasmas Themeingsystem, Komponenten flexibel mit SVG zu gestalten. Dies kann auch von anderen Anwendungen verwendet werden. Als Beispiel sei hier die Fensterdekorationen-Themeengine Aurorae genannt, welche komplett auf dem SVG System von libplasma aufbaut. Ein Designer kann also mit nur einer Technologie alle Aspekte des Workspace gestalten. Das Plasma-Theme selbst wird auch in den Desktopeffekten von KWin verwendet und hat dort spezifischen Rendering-Code ersetzt. Dadurch konnte sowohl das Aussehen vereinheitlicht werden als auch die Codebasis verschlankt werden. Zusätzlich kann dadurch ein Plasma-Theme auch das Aussehen der Effekte beeinflussen, was zuvor nicht möglich war.

Ausblick in die Zukunft

Auch wenn die Entwicklung des Plasma Desktop Workspaces eigentlich abgeschlossen ist, lässt die Entwicklungsgeschwindigkeit nicht nach und der Einsatz neuer Technologien steht bereits in den Startlöchern. In der Ende Januar erscheinenden Version 4.6 wird die deklarative Sprache Qt Quick (auch als QML bekannt) in Plasma Einzug halten. Mittels QML kann die Entwicklung der Oberfläche komplett von der Logik entkoppelt werden. Somit können Designer leichter in den Entwicklungsprozess eingebunden werden. Auch ist es einfacher, pro Formfaktor eine angepasste Oberfläche, bereitzustellen wie z.B. eine fingerfreundliche Oberfläche für mobile Geräte. Auch darüber hinaus haben die Entwickler sich schon Gedanken über die Entwicklung der nächsten Jahre gemacht.

Fazit

Plasma ist viel mehr als »nur ein Desktop«, nämlich ein Framework, um Desktops zu erstellen und somit eine gute Option für Anpassungen an Tablets und andere aufkommende Formfaktoren. Dieses Konzept überwindet das bisher übliche Programmiermodell, pro Geräteklasse eine eigene Benutzeroberfläche zu schreiben und ist so bisher einmalig. Darüber hinaus bietet Plasma auch Anwendungen eine Vielzahl von Möglichkeiten, die vom KDE-Team entwickelte Technologie weiterzuverwenden, vom Einsatz der Applets eingebettet in die Anwendung wie in Amarok bis hin zur Verwendung der Theme-Elemente. Mittels Plasma können viele Anwendungen leicht und schnell einen modernen Touch erhalten. Plasma ist bereit, die Welt zu erobern.

Autoreninformation

Martin Gräßlin ist Maintainer des Fenstermanagers der KDE-Plasma-Workspaces und arbeitet regelmäßig auch mit libplasma, insbesondere durch die Arbeit an Aurorae und Desktop-Effekten.

Dieser Artikel ist in freiesMagazin 01/2011 erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.

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