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Do, 23. Juni 2011, 15:00

LPI 301

Überraschenderweise ist auch vier Jahre nach dem Start der LPIC-3-Zertifizierung das Buchangebot dazu sehr übersichtlich. Mit »LPI 301« stößt der IT-Trainer Thorsten Robers in diese Marktlücke vor.

Vorwort

Cover von »LPI 301«

Open Source Press

Cover von »LPI 301«

Das Linux Professional Institute (LPI) bietet umfassende Linux-Zertifizierungsprogramme in bisher drei Stufen an. Die Besonderheit der Zertifizierungen des LPI ist, dass sie in Gemeinschaftsarbeit interessierter Freiwilliger entwickelt werden und hersteller- und distributionsunabhängig sind.

Nach den Stufen LPIC-1 (»Junior Level Linux Professional«) und LPIC-2 (»Advanced Level Linux Professional«), die jeweils zwei Prüfungen umfassen, bietet LPI seit 2007 auch als dritte Stufe LPIC-3 (»Senior Level Linux Professional«) als bisher anspruchsvollste Zertifizierung an. LPIC-3 wird anders als die ersten beiden Stufen mit nur einer einzigen Prüfung erworben, die wahlweise durch zusätzliche Prüfungen ergänzt werden kann. Die verpflichtende Prüfung 301 nennt sich »Core«. Inzwischen stehen als Spezialisierungs-Prüfungen »Mixed Environments« (302), »Security« (303), »Virtualization and High Availability« (304, momentan Betaversion) zur Verfügung.

Da die Stufen aufeinander aufbauen, kann man die Zertifizierung als LPIC-3 erst erhalten, wenn man diejenigen für LPIC-2 und LPIC-1 absolviert hat. Die Prüfungen umfassen Multiple-Choice- und frei auszufüllende Fragen. LPIC-3 macht hier keine Ausnahme. Ablegen kann man die Prüfungen in einem Prüfungszentrum, das in der Regel von einem Unternehmen betrieben wird. Weltweit stehen einige tausend Zentren zur Verfügung.

Trotz der über vier Jahre, die die Prüfung 301 bereits existiert, sind Prüfungsunterlagen kaum zu finden. »LPI 301« ist meines Wissens das erste deutschsprachige Buch zu der Prüfung und auch weltweit eines der ersten, wenn nicht gar das einzige.

Die Prüfung 301 umfasst laut Beschreibung die Themen Authentifikation, Problemlösung, Netzwerk-Integration und Kapazitätsplanung. In der Praxis bedeutet dies fast ausschließlich LDAP und hier insbesondere der freie Server OpenLDAP.

Das Buch

Das vorliegende Buch widmet sich ausschließlich der Vorbereitung auf die Prüfung 301. Wie bereits erwähnt geht es in dieser Prüfung vorwiegend um LDAP. Es sei aber betont, dass »LPI 301« deswegen trotzdem kein LDAP-Lehrbuch ist. Wenn es so wäre, hätte es wohl den Begriff »LDAP« im Titel. Zur Vorbereitung auf die Prüfung 301 ist nicht unbedingt ein Buch über LDAP notwendig, umfassende Kenntnisse von OpenLDAP sind aber unerlässlich. Zur Not genügt hierfür aber auch die Online-Dokumentation von OpenLDAP einschließlich der FAQs sowie praktisches Arbeiten an einem selbst aufgesetzten Server.

Das Buch des erfahrenen Systemadministrators und IT-Trainers Thorsten Robers orientiert sich in seiner Kapitelstruktur an den detaillierten Lernzielen der Prüfung 301. Nach einem kurzen Vorwort von nur drei Seiten beginnt sofort die Vorstellung und Behandlung der Prüfungsinhalte in sechs Kapiteln. Dabei werden keinerlei konkrete Prüfungsfragen vorgestellt. Es ist also leider nicht möglich, eine Testprüfung mit einigermaßen realistischen Fragen zu absolvieren. Entsprechende Fragen, die zwar nicht identisch, aber ähnlich zu den tatsächlich in der Prüfung vorkommenden Fragen sind, findet man eventuell bei anderen Anbietern oder im Web, allerdings ist mir derzeit keine konkrete Quelle bekannt. Stattdessen profitieren die Leser von der Erfahrung des Autors, der die Prüfung bereits kennt und daher Angaben machen kann, worauf man sich besonders vorbereiten muss.

Die Kapitel sind nicht ab 1 fortlaufend nummeriert, sondern von 301 bis 306, was den so nummerierten Themengebieten der Prüfung entspricht. Alle sechs Kapitel sind in Unterkapitel gegliedert, die alle den gleichen Aufbau besitzen. Am Anfang steht jeweils eine kurze Übersicht mit der Gewichtung (1-5), Beschreibung und einem Satz, wichtigen Wissensgebieten und wichtigen Dateien, Begriffen und Hilfsprogrammen. Diese Information ist mehr oder weniger direkt den Prüfungszielen entnommen. Danach bietet jedes Kapitel eine umfassende Erläuterung zu den Themen und Aufgaben. Es gibt Beispiele zur Konfiguration und Verwendung der Programme, Hinweise auf besonders beachtenswerte Sachverhalte und Hinweise, was für die Prüfung relevant ist. An manchen Stellen finden sich darüber hinausgehende Hinweise. Jedes Kapitel wird mit einem kurzen Abschnitt abgeschlossen, der nochmals darauf hinweist, was zur Vorbereitung auf die Prüfung zu beherrschen ist.

Kapitel 301 »Konzepte, Architektur und Design« beschäftigt sich mit LDAP-Konzepten und -Architektur, dem Entwerfen eines LDAP-Verzeichnisbaums und Schemata. Kapitel 302 »Installation und Entwicklung« besitzt nur zwei Unterkapitel, das Kompilieren und Installieren von OpenLDAP und die Softwareentwicklung für LDAP unter Perl oder C++. Letzteres kann man notfalls auch vernachlässigen.

Kapitel 303 »Konfiguration« weist Unterkapitel zu ACLs in LDAP, LDAP-Replikation, Absicherung des LDAP-Verzeichnisses, Performance-Tuning des LDAP-Servers und Konfiguration des OpenLDAP-Daemons auf. Das nächste Kapitel 304 »Bedienung« beschreibt das Durchsuchen des Verzeichnisses, LDAP-Kommandozeilenwerkzeuge und Whitepages. Während man in der Praxis meist mit grafischen Oberflächen arbeitet, wenn es nicht gerade um Massenoperationen geht, ist dieser Teil für die Prüfung ziemlich wichtig, da sie sich auf die Kommandozeilenwerkzeuge beschränkt.

Kapitel 305 »Integration und Migration« ist das letzte Kapitel zum Thema LDAP. Themen sind die LDAP-Integration mit PAM und NSS, Migration von NIS nach LDAP, Integration von LDAP und Unix-Dienste, Integration von LDAP mit Samba, Integration von LDAP mit Active Directory und Integration von LDAP mit E-Mail-Diensten. Es folgt ein abschließendes Kapitel 306 »Kapazitätsplanung«, das einzige Thema, das nichts mit LDAP zu tun hat. Die Themen Messen des Ressourcenverbrauchs, Fehlerbehebung bei Ressourcenproblemen, Analyse der Leistungsanforderungen und Vorhersagen zukünftigen Ressourcenverbrauchs dürften keinem erfahrenen Linux-Administrator Probleme bereiten.

Ein Anhang und ein nützliches Inhaltsverzeichnis runden das Buch ab. Einige Schreib- und Satzfehler erwecken den Eindruck, dass das Buch schnell fertiggestellt werden musste. Fachliche Fehler sind allerdings nicht zu entdecken.

Fazit

»LPI 301« eignet sich hervorragend zum Sebststudium und ist allen zu empfehlen, die sich auf die Prüfung LPI 301 vorbereiten wollen. Ob man es unbedingt benötigt, hängt sicher von der individuellen Arbeitsweise ab. Die Investition ist aber wesentlich günstiger als eine Wiederholung der Prüfung, falls man es beim ersten Mal nicht schaffen sollte, da LPI 301 mit 250 US-Dollar zu Buche schlägt. Andere professionelle Schulungsunterlagen, soweit überhaupt auf Deutsch verfügbar, sind deutlich teurer und eine mehrtägige Schulung ist noch einmal eine ganz andere Kategorie.

Ganz besonders ist das Buch auch Firmen zu empfehlen, die ihre Mitarbeiter zur LPIC-3-Zertifizierung schicken.

Fakten

Titel:LPI 301
Jahr:2011
Autor:Thorsten Robers
Preis:34,90 EUR
Umfang:343 Seiten
Verlag:Open Source Press
ISBN: 978-3-941841-36-9

  • Das Werk darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes müssen unter den gleichen Bedingungen weitergegeben werden. Der Name des Autors/Rechteinhabers muss in der von ihm festgelegten Weise genannt werden.

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