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Do, 4. August 2011, 15:00

Automatisierte Digitalisierung von Tonträgern

Viele Benutzer haben bereits ihre alten Tonträger (Schallplatten, Cassetten, Bänder) digitalisiert. Wie man diversen Berichten und Tipps im Web entnehmen kann, verwendeten sie dabei überwiegend das Programm Audacity zum Aufnehmen, Erzeugen, Taggen und Speichern der einzelnen Stücke. Das erfordert zeitaufwendige Handarbeit für jeden einzelnen Tonträger. In diesem Artikel liegt der Schwerpunkt auf der Automatisierung des größten Teils dieser Arbeit.

Ein vollständiger Song befindet sich zwischen den schmalen Lücken. Das Knacksen der Nadel beim Aufsetzen ist ganz links deutlich zu sehen.

Hans-Joachim Baader

Ein vollständiger Song befindet sich zwischen den schmalen Lücken. Das Knacksen der Nadel beim Aufsetzen ist ganz links deutlich zu sehen.

Das analoge Erbe

Vor dem Aufkommen von CDs oder gar Musik-Downloads regierten analoge Tonträger (Schallplatten, Cassetten oder gar Tonbänder) die Musikwelt. Viele Benutzer älteren Jahrgangs haben im Laufe der Zeit wahre Schätze zusammengetragen. Diese haben nicht nur einen erheblichen materiellen, sondern ebenso ideellen Wert. So ist es logisch, dass auch der Wunsch entsteht, diese Sammlungen am Computer abspielen zu können, zumal die Abspielgeräte irgendwann ausfallen können und immer schwerer ersetzbar werden.

Für die Digitalisierung am PC stehen teilweise spezielle Geräte zur Verfügung (z.B. Plattenspieler mit USB-Anschluss), und mutmaßlich gibt es auch Software dazu, aber ob diese auch unter Linux läuft, ist fraglich. Für Linux gibt es durchaus Software, die den kompletten Arbeitsablauf abdeckt, beispielsweise den Audio-Editor Audacity. Er ermöglicht das Aufnehmen von Tonträgern, Korrigieren und Verbessern der Aufnahme, Zerlegen in einzelne Tracks, Abspeichern in ein Audioformat nach Wahl (von WAV über Ogg bis FLAC) und Taggen der Dateien mit den Informationen zu Künstler, Albumtitel und Songtitel. Das Verfahren ist bekannt und bewährt und wurde bereits in dem einen oder anderen Artikel im Web erläutert. Es hat nur einen Nachteil: Alle Schritte werden manuell ausgeführt, und das ist entsprechend langwierig. Wenn man hunderte von Tonträgern besitzt, lohnt es sich, über mögliche Zeiteinsparungen nachzudenken.

Audacity ist natürlich nicht der einzige Sound-Editor, der zur Verfügung steht. Es wären wohl auch andere denkbar. Aber Audacity ist bewährt und relativ einfach zu bedienen, so dass hier ausschließlich dieses Programm betrachtet wird.

Ein Plan

Zwar kann man mit Audacity alle nötigen Schritte durchführen, aber mir ist kein Plugin und auch kein anderes Linux-Programm bekannt, das wenigstens einen Teil der Schritte automatisieren kann. So überlegte ich mir schon 2007, mir mit einigen (Perl-) Skripten zu behelfen. Diese sollten möglichst simpel sein und idealerweise den gesamten Arbeitsablauf automatisieren, mit einigen Möglichkeiten dazwischen, die unvermeidlichen Fehler zu korrigieren, die insbesondere bei der Zuordnung der Songtitel auftreten können. Der erste Plan war grob folgendermaßen:

  1. Anlegen einer Liste der Tonträger in einer Textdatei. Für jeden Tonträger sollte sie eine laufende Nummer, Künstler und Titel enthalten.
  2. Aufnahme des Tonträgers und Abspeichern als WAV-Datei. Da ich kein ausreichend langes Kabel von der Stereoanlage bis zur Workstation habe, sollte die Aufnahme auf einem Laptop erfolgen.
  3. Übertragung der WAV-Datei auf die Workstation.
  4. Ermitteln der Songtitel anhand von Abfragen auf FreeDB oder MusicBrainz, um das Eintippen der Songtitel per Hand zu sparen.
  5. Automatische Zerlegung der Aufnahme in Songs mittels Gramofile.
  6. Zuordnung der Songs zu den Songtiteln (mit Korrekturmöglichkeit).
  7. Umbenennen, Konvertieren und Taggen der Dateien.

Punkt 1 kam dadurch ins Spiel, dass ich ohnehin eine Liste meiner Schallplatten in einer Datenbank hatte. Ich musste nur eine Abfrage ausführen, um die gewünschte Textdatei zu erhalten. Die Datei hat zweierlei Nutzen: Zum einen muss man bei der Aufnahme statt dem kompletten Titel nur die zugehörige Nummer angeben. Zum anderen dient sie zum automatischen Ermitteln möglichst vieler Songtitel aus Online-Datenbanken.

Diesen Ansatz habe ich im Prinzip so realisiert, wobei ich letztlich einige Abstriche machen musste. Es zeigten sich bei den anfänglichen Versuchen schon einige Probleme, und da ich zudem wenig Zeit hatte, verzögerte sich das Vorhaben immer wieder. Nach diversen Änderungen konnte ich es erst jetzt endgültig umsetzen. Einige der Probleme waren:

  • Gramofile ist zwar noch lauffähig, wird aber bereits seit 1998 nicht mehr gewartet.
  • Die automatische Songtrennung in Gramofile hängt von einem Parameter ab, der kaum allgemeingültig zu setzen ist. Falsche Erkennungen sind die häufige Folge, auch wenn einzelne Schallplatten durchaus korrekt zerlegt wurden.
  • Die einzige Möglichkeit, Gramofile zu automatisieren, bestand in einem Perl-Modul, das wohl auch nicht mehr gepflegt wird. Ich bin nicht sicher, ob es mit einem aktuellen Perl noch funktioniert.
  • Die Web-Schnittstelle von FreeDB erwies sich als unzureichend für automatische Abfragen, so dass ich mich MusicBrainz zuwandte. Dessen Schnittstelle änderte sich jedoch irgendwann. Statt Textdateien erhält man jetzt XML-Dateien zurück, ich musste also einen XML-Parser integrieren. Die zurückgelieferten Daten waren zudem schwer zu parsen, so dass ich es erst jüngst nach einiger Arbeit richtig hinbekam. Aktuell gibt es zwei Versionen der Webschnittstelle von MusicBrainz. Meine Software verwendet Version 1 und nicht Version 2.
  • Audacity ist nicht wirklich komfortabel beim Eingeben der Metadaten (Songtitel usw.). Beim Export der einzelnen Songs ist die Benennung äußerst unflexibel. Daher habe ich mich entschlossen, die Songs unter Standardnamen zu exportieren und einem Skript den Rest, nämlich das korrekte Taggen, Umbenennen und Verschieben der Dateien zu überlassen.

Während es sowohl in Gramofile als auch in Audacity möglich ist, die Aufnahmen zu verbessern, verzichte ich auf diese Möglichkeit. Zum einen ist sie zeitaufwendig, zum anderen sind viele Audiophile der Meinung, dass sie lieber die Kratzer der Originalaufnahme hören wollen, da durch einen Filter der ursprüngliche Sound verändert wird (meist nicht zum Besseren). Nachdem ich einige meiner Aufnahmen probegehört habe, bin ich der Meinung, dass sie selbst ohne Nachbearbeitung erheblich besser klingen als die meisten CDs. Eine Ausnahme kann man bei hörbarem Knacken oder anderen Fehlern machen, das sollte man aber im Einzelfall entscheiden.

Kommen wir nun zum konkreten Ablauf der teilautomatisierten Digitalisierung. Wenn ich im Folgenden von Schallplatten spreche, sind damit alle Tonträger gemeint, aber Schallplatten sind das, was ich hauptsächlich besitze. Einigen Cassetten widme ich mich vielleicht später noch.

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