OpenStreetMap - Eine virtuelle Welt gedeiht
Das OpenStreetMap-Projekt erstellt nach dem Wiki-Prinzip eine ganze Weltkarte. Das Projekt dürfte ähnlich tiefgreifende Auswirkungen wie die Wikipedia nach sich ziehen. Ein Update zum aktuellen Stand.
Nutzung
Hier hat sich wohl gerade durch die verbesserte Datengrundlage enorm viel getan. Dutzende Webkarten sind entstanden, die sich mit jeweils speziellen Stilen um ausgewählte Objekte und ihre Eigenschaften kümmern. So zeigt ÖPNV-Karte die Strecken des Nahverkehrs an, OpenSeaMap präsentiert Bojen und andere maritime Aspekte und mit der Hike & Bike Map findet man sich auch in unwegsamen Gelände zurecht.
Daneben gibt es zahlreiche Dienste, die die Daten nicht nur zur Darstellung nutzen, sondern auch weiter verwerten. Etwa Nominatim, das eine Suche nach Adressen ermöglicht, oder OpenRouteService, der Navigation für verschiedenste Fortbewegungsmittel bietet. Viele weitere spannende Online-Karten listet darüber hinaus das OSM-Wiki auf.
Den Lesern dieses Artikels werden die Parallelen von OSM und Wikipedia natürlich nicht entgangen sein. Seit mehr als einem Jahr herrscht daher auch eine rege Zusammenarbeit zwischen beiden Projekten. OpenStreetMap ist nun die Standardkarte von Wikipedia, die mit einem Klick auf die Geokoordinaten zu einem Artikel (rechts oben im Mediawiki) erscheint und von Wikipedia selbst auf eigenen Servern gerendert wird.
Doch natürlich lassen sich Karten gerade unterwegs erst sinnvoll einsetzen. Mit OSM gib es dort die Möglichkeit, diese kostenlos und besonders platzsparend als Vektorkarten zu nutzen, welche sich sogar dynamisch je nach Szenario darstellen lassen. Seit jeher sind dort Outdoor-GPS-Geräte sehr beliebt, die die eigene Position und die vorgeschlagene Route auf der Karte anzeigen, sowie interessante Orte (POIs) auch unterwegs finden können. Lange Zeit konnten nur die Geräte der Marke Garmin mit OSM-Karten betankt werden, doch mittlerweile geht dies auch für Magellan und einige andere Hersteller. Medion hat mit dem GoPal S3875 ein GPS für den deutschen Massenmarkt entwickelt, dass sogar ab Werk mit Karten des freien Portals ausgestattet ist. Diese kompakten und wasserdichten Geräte sind heutigen Smartphones immer noch eine Nasenlänge voraus, jedenfalls wenn es nicht um die typischen kurzen Touren durch den Großstadtdschungel geht.
Für die mittlerweile alltäglichen digitalen Helfer gibt es aber auch schon sehr viele (leider meist proprietäre) Apps, die das Kartenmaterial nutzen. OSM stellt derzeit wohl die einzige Möglichkeit dar, Geodaten offline verfügbar zu haben, ohne an die restriktiven Lizenzen der großen Datenanbieter wie Navteq oder Teleatlas gebunden zu sein. Bekannte Alternativen für die Nutzung von OSM sind Skobbler, Footmap und NavFree. Erfreulicherweise gibt es aber auch offene Navigationslösungen, die häufig sogar auf einer Vielzahl von Plattformen verfügbar sind, wie etwa NAVIT oder Gosmore. Leider ist hier jedoch die Usability noch nicht ganz so ausgereift, sodass man dabei noch nicht von Out-of-the-box-Lösungen, wohl aber von hochgradig anpassbaren Programmen sprechen kann, die mit ein wenig Einarbeitung schon erstaunlich zuverlässig ihren Dienst verrichten.
Die vergangenen Jahre zeigten auch, zu was für einer überraschenden Vielfalt von Anwendungen freie Daten führen können und wie sehr sie Innovation und Spieltrieb fördern. So gibt es mit eWorld einen einfach zu bedienenden Verkehrssimulator sowie Export-Werkzeuge wie Osm2xp, die die Szenerien von Flugsimulatoren wie X-Plane zu erweitern vermögen.
Es gibt auch Ansätze, die Datenbestände für semantisches Web und Suchmaschinen zu erschließen oder auch größere, dreidimensionale Stadtmodelle generieren zu können. Das Ganze ist natürlich bei weitem nicht nur auf die digitalen Ergebnisse beschränkt. So wird OSM auch zur Erstellung von gedruckten Stadtplänen oder zur Illustration von Reisebänden genutzt.




