Kollaboratives Schreiben mit LaTeX
Ob im wissenschaftlichen oder privaten Bereich: Möchte man die volle Kontrolle über das Aussehen seiner erstellten Dokumente behalten, führt oft kein Weg an LaTeX vorbei. Eine LaTeX-Umgebung ist mit TeX-Live auch recht schnell auf allen Betriebssystem eingerichtet. Dieser Standardweg zeigt jedoch ein paar Restriktionen auf. Sowohl die Online-Verfügbarkeit des Dokuments von jedem Ort aus sowie der kollaborative Ansatz, dass mehrere Personen zeitgleich an einem Dokument arbeiten können, ist mit den Standardmitteln der Desktopinstallation nicht zu erreichen. Daher sollen nachfolgend Lösungsansätze vorgestellt werden, die versuchen, die gewünschten Zusatzfunktionen bereitzustellen.
WriteLaTeX
Ein dritter Vertreter, der sogar komplett ohne Registrierung auskommt, ist writeLaTeX. Die Bedienung ist sehr einfach und intuitiv, denn nach dem Klick auf wird man automatisch zu einem LaTeX-Dokument weitergeleitet, welches direkt bearbeitet werden kann. Hierfür wird ein eindeutiger Link generiert, den man jetzt einfach seinen Freunden und Mitarbeitern am Projekt weiterleiten kann, die dann ebenfalls direkt mit dem Editieren des Dokuments beginnen können.
Die gesamte Benutzeroberfläche ist in zwei horizontale Fenster geteilt, wodurch man mit einer kurzen Verzögerung das Ergebnis direkt auf der rechten Seite sieht, welches man im Code-Editor auf der linken Seite definiert hat.
Das Projekt setzt auf dem durchaus populären Etherpad auf, welches bereits die komfortablen Möglichkeiten der gemeinsamen Online-Bearbeitung von Dateien in mehren Projekten bewiesen hat (siehe u.a. auch das Piratenpad der Piratenpartei).
Generell ist writeLaTeX eine der einfachsten und schnellsten Möglichkeiten, gemeinsam an LaTeX-Dokumenten zu arbeiten. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, weitere Dokumente hochzuladen sowie das PDF-Dokument bzw. alle Dateien als Zip-Datei anschließend herunterzuladen. Hier ist man allerdings auf maximal 10 zusätzlich hinzufügbare Dateien (Bilder, .tex-Dateien, Bibliographie-Dateien usw.) limitiert, wodurch writeLaTeX eher für relativ kleine und schnell umzusetzende Projekte geeignet ist.
LaTeX Lab
Einen etwas anderen Ansatz als die bisher vorgestellten Lösungen verfolgt LaTeX Lab. Das Projekt steht unter der Apache License Version 2 und wird auf Google Code gehostet. Es setzt direkt auf einer der bekanntesten Plattformen für Zusammenarbeit an Texten auf, nämlich auf Google Docs, und integriert in dieses einen LaTeX-Editor. Demzufolge muss man sich hier auch nicht neu registrieren, sondern man muss über OAuth lediglich der Anwendung den Zugriff auf Google Docs erlauben, damit LaTeX Labs auch die Dateien im Google-Docs-Account speichern kann. Voraussetzung ist hierfür lediglich, dass man auch bereits ein Google-Konto angemeldet hat. Der Vorteil von LaTeX Lab liegt auf der Hand: Man nutzt die Google-Technologien und hat ein einheitliches Bild wie aus Google Docs bekannt, lediglich mit den speziellen Funktionen auf LaTeX angepasst.
Generell erinnern die Funktionen am ehesten an die der klassischen Desktop-Umgebungen wie Kile oder Texmaker. So stehen u.a. Möglichkeiten über das Menü zur Verfügung, um sich Aufzählungen generieren zu lassen, mathematische Zeichenbefehle ausgeben zu lassen, grundlegende Formatierungen zu nutzen und vieles mehr. Über die Iconleiste hat man zudem einfach die Möglichkeit, das Dokument zu kompilieren und als PDF-Vorschau im Browser angezeigt zu bekommen.
Der große Vorteil liegt bei LaTeX Labs an der tiefen Integration in Google Docs. So kann man 1 GB an Daten speichern und hat die LaTeX-Dateien bei seinen normalen Dokumenten jederzeit verfügbar, sofern man keine Aversionen allgemeiner Art gegenüber Google hegt. Zudem steht auch bei Google Docs standardmäßig eine Versionierungsoption zur Verfügung, mit der man auf vorherige Versionen zurückspringen kann, falls man einmal diese früheren Änderungen braucht.
Eigene Hosting-Lösung über ein Versionskontrollsystem
Wer seine Daten nicht aus der Hand geben will, weil er entweder den vorgestellten Anbietern der verschiedenen Dienste nicht vertraut oder weil es einfach vertrauliche Dateien sind, die keinem Cloud-Anbieter anvertraut werden sollten, kann sich dennoch behelfen, um eine möglichst umfangreiche Zusammenarbeit und Verfügbarkeit seiner Dokumente zu erreichen.
Hierfür benötigt man lediglich einen eigens aufgesetzten Server. Grundsätzlich ist es egal, ob man diesen mit einem zentralen Versionskontrollsystem wie Subversion oder mit einem dezentralen System wie Git installiert.
In Anbetracht der Möglichkeiten der Versionierung und Nachvollziehbarkeit, wer welche Änderungen am Dokument vorgenommen hat, sind diese durchaus den Online-Lösungen überlegen, die häufig nur eine gewisse Anzahl an Änderungen in der Versionshistorie abspeichern, während man bei SVN & Co. alle Änderungen von Beginn des Dokuments einsehen kann. Der Nachteil liegt eher bei der Zusammenarbeit in Echtzeit. Man kann hier die Änderungen am Dokument nicht so direkt und komfortabel verfolgen, wenn man nicht ständig Updates der Quelldateien machen möchte. Hier sind die Online-Tools deutlich im Vorteil.
Im Gegenzug ist man bei der Projektgröße oder der Anzahl an Mitarbeitern am Projekt auf keinerlei Limitierungen von fremden Anbietern angewiesen, sondern einzig auf die Limitierungen, die der selbst aufgesetzte Server besitzt.
Autoreninformation
Patrick Meyhöfer (Webseite) erkundet gerne neue und relativ unbekannte Software und veröffentlicht entsprechende Erfahrungsberichte regelmäßig in seinem Blog.
Dieser Artikel ist in freiesMagazin 05/2012 (ISSN 1867-7991) erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.



