Login
Login-Name Passwort


 
Newsletter
Werbung

Do, 19. Juli 2012, 15:00

Das EFI-Desaster

Aktuell wird heftig über Secure Boot, ein Feature des UEFI-BIOS, gestritten. Doch müssen die meisten Distributionen erst einmal überhaupt das Booten von UEFI unterstützen.

Die Linux-Community hat ein neues Streitthema: Wer geht besser mit UEFI Secure Boot um, Fedora oder Ubuntu? Beide Distributionen möchten in der jeweils nächsten Version UEFI Secure Boot unterstützen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise (siehe z.B. hier, hier und hier). Aber die Diskussion über den besten Ansatz für Secure Boot ist Jammern auf hohem Niveau: Unzählige Linux-Distributionen sind nämlich nach wie vor vollständig EFI-inkompatibel!

Zum Hintergrund: Bereits vor einem halben Jahr habe ich hier über das Thema EFI und Linux gebloggt. Das Ergebnis: Manche Distributionen unterstützen EFI, andere nicht.

Was sich seither geändert hat: auf Linux-Seite wenig, im PC-Markt aber sehr viel! Rechner bzw. Mainboards mit EFI werden zum Standard, und ab Oktober (also mit der Markteinführung von Windows 8) wird es schwierig werden, überhaupt noch einen neuen Rechner ohne EFI zu kaufen. Die meisten Linux-Distributionen werden sich auf solchen Rechnern nur installieren lassen, wenn das EFI zusätzlich BIOS-kompatibel ist. Momentan ist das der Normalfall, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Mainboard-Hersteller auf die Altlast BIOS ganz verzichten werden. Wenn Sie das Pech haben und ein Notebook oder einen PC zu stossen, für den EFI-only gilt, ist es mit der riesigen Auswahl an Linux-Distributionen vorbei: Dann haben Sie nur noch die Wahl zwischen solchen Distributionen, die EFI-kompatibel sind. Aus heutiger Sicht wird das eine mehr als überschaubare Sache.

Im Folgenden also ein kurzer Überblick, wie aktuelle Distributionen mit EFI umgehen.

Musterschüler Ubuntu

Die beste EFI-Unterstützung bietet momentan zweifellos Ubuntu. Sowohl die Desktop- als auch die Server-Installation im EFI-Modus gelingen problemlos. Als Bootloader wird GRUB 2 verwendet. GRUB wird zudem so eingerichtet, dass damit auch alle parallel im BIOS-Modus installierten Linux-Distributionen gebootet werden können. Damit kann Ubuntu ein guter Weg sein, um andere Distributionen zu starten, wenn bei deren GRUB-Installation etwas schief gegangen ist. (EFI-Parallelinstallationen scheinen hingegen nicht im GRUB-Menü von Ubuntu auf. Aber für die gibt es ja das EFI-Boot-Menü.)

Fedora 17

Auch Fedora macht im Prinzip alles richtig. Die Installation auf einem EFI-Rechner gelingt auf Anhieb. Der einzige Wermutstropfen: Zum Booten wird nicht GRUB 2 verwendet, sondern eine gepatchte, EFI-kompatible Version von GRUB 0.97!

Stimmt nicht, werden Sie sagen! Fedora ist doch schon mit Version 16 auf GRUB 2 umgestiegen. Tatsächlich kommt GRUB 2 aber nur auf BIOS-Rechnern zum Einsatz, auf EFI-Rechnern hingegen GRUB 0.97 (Paket grub-efi). Für Experimentierwillige steht auch das Paket grub2-efi zur Verfügung, alle meine Versuche, damit Fedora zu starten, sind aber gescheitert. Offensichtlich ist das Paket broken, was auch aus diesem Bug-Report hervorgeht.

Um andere Distributionen kümmert sich Fedora übrigens nicht, das GRUB-Menü enthält nur Fedora-Einträge.

Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung