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Do, 16. August 2012, 15:00

RAW - Bessere Fotos

RAW-Bildverarbeitung unter Linux: Techniken und Anwendungen

Wer hat sich nicht schon einmal über den weißen, vollständig neutralisierten Himmel geärgert, den man bei vermeintlich bestem Wetter und dem schönsten Sonnenschein fotografierte? Der Grund liegt dabei nicht nur an einer falschen Einstellung, sondern auch oftmals an einer technischen Schwäche der meisten Geräte – dem Ausgabeformat. Digitalkameras für gehobenere Bildverarbeitungsansprüche können deshalb neben JPEG und anderen Dateiformaten oftmals die Ausgabe auch in einem herstellerspezifischen Rohdatenformat (RAW) speichern. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Formaten handelt es sich bei der Ausgabe um keinen Standard, und man benötigt spezielle Applikationen, um sie zu verarbeiten. Dieser Artikel stellt die bekanntesten Applikationen unter Linux vor, vergleicht sie und erklärt, wie anspruchsvolle Fotografen ihre Bilder noch weiter verbessern können.

RAW-Bilder bearbeiten

Betrachtet man das RAW-Dateiformat als das, was es ist – ein Kamera-spezifischer Datenstrom – so kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass das »Format« im Grunde kein allgemeines Format sein kann. In der Praxis verwendet jeder Hersteller ein eigenes Format, das sich auch noch intern ändern kann. So versieht etwa Canon RAW-Dateien mit der Extension CR, CD2 und in neuen Geräten mit CRW. Minolta kennzeichnet die eigenen Dateien mit MRW oder MDC und Nikon vergibt die Endung NEF oder NRW. Kodak dagegen hat das eigene Format bereits mehrfach geändert und kommt mit den Endungen DCR, DCS oder KDC daher, während Sony auf SRF, SR2 und ARW zurückgreift. Somit muss eine Applikation die Formate vieler Kamera-Hersteller beherrschen, wenn sie den Anspruch hat, RAW-Dateien zu unterstützen.

Beispiel eines Bildes nach einer extremen Aufhellung: Original, Raw und JPEG

Mirko Lindner

Beispiel eines Bildes nach einer extremen Aufhellung: Original, Raw und JPEG

Dementsprechend bieten viele Produzenten von Digitalkameras ihre eigenen Applikationen an, die das interne Format einlesen und weiter verarbeiten können. Zudem existieren auch diverse Erweiterungen, wie beispielsweise für Photoshop, die auch mit neuen Geräten zurecht kommen. Doch auch unter Linux gibt es eine Fülle von Anwendungen, die für die Weiterverarbeitung und die Manipulation der Bilder genutzt werden können. Manche davon sind frei, andere wiederum proprietär.

Doch wozu das Ganze? Beschränken sich die eigenen Ambitionen beim Fotografieren lediglich auf das Festhalten von Bildinformationen und eine kleinere nachträgliche Änderung, wie zum Beispiel die Entfernung von roten Augen, so ist der Einsatz von RAW-Dateien nicht wirklich zu empfehlen. Der Aufwand der Bearbeitung und die daraus resultierenden Vorteile werden in den seltensten Fällen die geringe Qualitätssteigerung rechtfertigen. Hier kann die Kamera-Elektronik bei weitem die eigenen Ansprüche erfüllen.

Anders verhält es sich, wenn der Anwender umfangreichere Nachbearbeitungen vornehmen und Werte, wie etwa die Tonwertkorrektur oder die Anpassung von Kontrast und Bilddynamik, selbst einstellen möchte. Ein weiterer Fall stellt die Korrektur des Weißabgleichs dar oder die Rettung von Bildern. Wie im nebenstehenden Beispiel erkennbar, liefert das Raw-Format auch bei vermeintlich nicht mehr zu gebrauchenden Bildern noch brauchbare Resultate, während das JPEG-Format hier meistens passen muss.

Das RAW-Format ist also in der Regel dann angebracht, wenn der Anwender entweder die volle Kontrolle über ein Bild erhalten will oder er damit rechnen muss, dass eine spätere Nachbearbeitung von Nöten sein wird. Dies kann zum einen von den herrschenden Wetter- oder Lichtverhältnissen, zum anderen von der gegebenen Situation abhängen.

RAW und HDR

In der Digitalfotografie sind die Grenzen des technisch Machbaren recht eng gesteckt. Sobald eine Szene über einen großen Dynamikumfang verfügt, ist auch ein Kamerasensor schnell überfordert. Zu sehen sind die Effekte bei vielen Anlässen, denn sobald das Spektrum zwischen hellen und dunklen Stellen für einen Sensor zu groß wird, verschwinden Details, Schatten werden zu dunklen Flecken oder Wolken zu einer weißen Masse. Tritt solch ein Fall ein, hilft auch das RAW-Bild nicht weiter, denn auch hier bilden die Rohdatenformate von Digitalkameras nicht den gewünschten Dynamikumfang ab.

Beispiel einer aus vier Einzelbildern erstellten HDR-Szene

Kevin McCoy

Beispiel einer aus vier Einzelbildern erstellten HDR-Szene

Doch es gibt durchaus Wege, den Dynamikbereich auszuweiten. So bilden beispielsweise HDR-Aufnahmen ein Motiv mit einer Belichtungsreihe in vollem Dynamikumfang der Kamera ab. Vereinfacht gesagt wird in diesem Fall ein Motiv normal, unter- und überbelichtet. Die so entstandenen Einzelfotos der Belichtungsreihe werden am PC zu einem HDRI (»High Dynamic Range Image«) Bild zusammengesetzt. Das Ergebnis kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen, doch die Bilder zeichnen sich durch einen Detailreichtum aus, der weit über den Dynamikumfang des Sensors und des RAW-Bildes hinausgehen kann.

Auch wenn ein HDR-Bild den Dynamikumfang im Ausgangsbild steigern kann, spielt auch hier das Eingangsmaterial eine Rolle. Wurde das Bild aus mehreren RAW-Bildern erzeugt, lässt das Ausgangsbild erheblich mehr Farbabstufungen zu als ein HDR-Bild auf Basis von gleich vielen JPEG-Dateien. Der Grund sollte auch hier klar sein: In den Ausgangsbildern des RAW-Formats ist der Dynamikumfang in mehr Farbabstufungen abgebildet worden, als es beispielsweise bei JPEG der Fall sein kann. Die Folge sind Bilder, die durch die verwendete Software noch präziser berechnet und dargestellt werden können.

RAW unter Linux

Auch das freie Betriebssystem Linux bietet zahlreiche Anwendungen zur Bearbeitung von RAW-Bildern an. Doch bei der Nutzung ist Vorsicht geboten, denn nicht jede Applikation eignet sich für die Einsatzzwecke. Zwar verfügen mittlerweile viele Tools dank libraw oder dcraw auch über eine Import-Funktion, doch können sie aufgrund ihrer Funktionsweise oftmals nicht korrekt mit dem gelieferten Material umgehen. Ihnen fehlt es schlicht an einer internen Unterstützung für den erweiterten Dynamikbereich. Die Folge sind unter anderem Bilder, die zwar dem RAW-Format entstammen, von der Software aber auf einen kleineren Dynamikbereich heruntergerechnet wurden.

Ein prominentes Beispiel stellt dabei der allseits beliebte Grafikkünstler Gimp dar, der mittels diverser Plugins auch um einen RAW-Import ergänzt werden kann. Da die Anwendung intern allerdings nur mit 8 Bit arbeitet, verlieren Anwender bei der Bearbeitung mit Gimp unwiderruflich Bild-Informationen. Eine Abhilfe wird wohl erst eine kommende Version mit sich bringen, die auch mit dem erweiterten Dynamikbereich klar kommen soll. Gimp selbst warnt deshalb in der aktuellen Version vor einem Import über die Gefahren. Viele Anwendungen tun es allerdings nicht.

Die folgende Auflistung unterschlägt deshalb bewusst alle Applikationen, die nicht in der Lage sind, den vollen Dynamikumfang der RAW-Quelle zu verarbeiten. Auch diverse kleinere Applikationen, die nicht über ein Mindestmaß an Korrekturfunktionen verfügen, finden sich nicht in der Liste der getesteten Programme. Ebenso das Kommandozeilentool »dcraw« selbst, das zwar die Basis vieler Tools darstellt, aber nur über marginale Korrekturmöglichkeiten verfügt.

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