RAW - Bessere Fotos
RAW-Bildverarbeitung unter Linux: Techniken und Anwendungen
Wer hat sich nicht schon einmal über den weißen, vollständig neutralisierten Himmel geärgert, den man bei vermeintlich bestem Wetter und dem schönsten Sonnenschein fotografierte? Der Grund liegt dabei nicht nur an einer falschen Einstellung, sondern auch oftmals an einer technischen Schwäche der meisten Geräte – dem Ausgabeformat. Digitalkameras für gehobenere Bildverarbeitungsansprüche können deshalb neben JPEG und anderen Dateiformaten oftmals die Ausgabe auch in einem herstellerspezifischen Rohdatenformat (RAW) speichern. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Formaten handelt es sich bei der Ausgabe um keinen Standard, und man benötigt spezielle Applikationen, um sie zu verarbeiten. Dieser Artikel stellt die bekanntesten Applikationen unter Linux vor, vergleicht sie und erklärt, wie anspruchsvolle Fotografen ihre Bilder noch weiter verbessern können.
Darktable
Der relativ neue und erst Anfang des Jahres in der Version 1.0 freigegebene Bildverwalter und -Optimierer Darktable wartet mit einer vertrauten Optik und einem durchdachten Bedienkonzept auf. Trotz des relativ jungen Alters von drei Jahren beherrscht das Programm erstaunlich viele Funktionen, die von der Konvertierung über die Bearbeitung bis hin zu einer ausgeklügelten Ausgabe samt einer durchdachten Stapelverarbeitung reichen.
Die Oberfläche von Darktable wirkt auf den ersten Blick spartanisch. Doch der Scheint trügt, denn hinter den wenigen Punkten verbergen sich Funktionen, die einen kompletten RAW-Workflow ermöglichen. Auf der linken Seite der Anwendung sind die Datei- und Datenbankfunktionen untergebracht. Auch in Darktable dominiert der mittlere Bildbereich, der fast die komplette Fläche füllt. Auf der rechten Seite sind dagegen die für den momentan aktiven Bereich verfügbaren Werkzeuge zu finden.
Streng genommen kann Darktable in drei logisch angeordnete Bereiche unterteilt werden: Leuchttisch (»lighttable«), Dunkelkammer (»darkroom«) und »Tethering«. So finden sich auf dem Leuchttisch alle Operationen, die mit der Verwaltung der Bilder zu tun haben. Hier können Verzeichnisse zu Galerien zusammengefasst, Geräte eingebunden oder Bildern eine Wertung oder die passenden Schlüsselwörter gegeben werden. Auch die Suche nach Bildern ist hier implementiert. Sie erlaubt unter anderem auch logische Operationen und die Verknüpfung von mehreren Kategorien. Auf ausgewählte Bilder können auf dem Leuchttisch zudem automatisch ablaufende Operationen angewendet werden, was die Bearbeitung einer großen Zahl an Bildern mit einem minimalen Zeitaufwand ermöglicht.
Der zweite Bereich stellt die Dunkelkammer dar. Neben einer Auflistung der Werkzeuge blendet der Bereich auch eine Filmrolle ein, die zur schnellen Umschaltung zwischen verschiedenen Bildern genutzt werden kann. Bei der Werkzeugauswahl ist zu beachten, dass die Applikation im Standardmodus nicht alle Funktionen einblendet. Viele wenig benutzte Funktionen, oder Funktionen, die die Entwickler für weniger relevant halten, finden sich hinter der Schaltfläche »Weitere Module«. Ein Klick auf den Bereich bringt ein Fenster mit Piktogrammen zum Vorschein, in dem Werkzeuge ein- und ausgeschaltet oder in die Favoritenleiste verfrachtet werden können.
Der Funktionsumfang der Dunkelkammer ist mittlerweile beachtlich und braucht sich nicht hinter anderen Anwendungen zu verstecken. Bildkorrekturen werden in Darktable verlustfrei durchgeführt. Alle Korrekturen wie beispielsweise die Anpassung des Weissabgleichs, das Schärfen oder die Farbkorrektur können in einer Voreinstellung gespeichert und wenn benötigt, später auch für andere Bilder projiziert werden. Alle durchgeführten Aktionen, samt Werten, speichert Darktable zudem in einem Verlaufsbereich, der zu jedem Zeitpunkt gespeichert und als Basis für andere Bilder oder für eine Stapelverarbeitung genutzt werden kann. Selten war die Erstellung von RAW-Prozessketten so einfach wie unter Darktable.
Die Bedienung der mitgelieferten Werkzeuge gestaltet sich durchaus intuitiv, auch wenn die Auswahl der Tools teilweise verwirren kann. Ein Kritikpunkt ist allerdings die Geschwindigkeit mancher Helfer, die in manchen Bereichen noch Wünsche offen lässt.Auch die Funktionsweise diverser Werkzeuge könnte Verbesserungen erfahren. So korrigiert beispielsweise die Objektivfunktion das Bild nicht wirklich zufriedenstellend.
In der Version 1.0 stellte Darktable erstmalig auch die Tethering-Funktion vor, die nun im dritten Bereich der Anwendung zu finden ist.Bei der Funktion handelt es sich um nichts anderes, als um eine LiveView-Anzeige, die auch in diversen Kameras zu finden ist. Hier wird das Bild der Kamera – ein unterstütztes Modell vorausgesetzt - direkt auf dem Bildschirm dargestellt. Doch nicht nur eine Anzeige des Bildes ist möglich. Auch eine Steuerung der wichtigsten Optionen erlaubt die Ansicht. So lassen sich hier beispielsweise der ISO-Wert oder der Weissabgleich korrigieren. Daneben gibt das Tool dem Anwender auch die Möglichkeit, Bilder direkt aufzunehmen, die sofort mit Tags versehen werden können.
Die dauerhafte Ausgabe der Bearbeitungsschritte erfolgt in Darktable über eine im Leuchttisch-Bereich erreichbare Exportfunktion. Neben der Speicherung der Resultate auf der Festplatte erlaubt die Funktion auch einen Export in Form einer Galerie, den Versand per Email oder die Übermittlung der Resulate an einen Webdienstleister. Eine Funktion zum Drucken der Bilder oder eine Präsentation in Form einer Diashow sind nicht vorhanden.
Fazit: Trotz des relativ jungen Alters bietet Darktable eine beachtliche Anzahl an Tools, die fast alle Anwender zufriedenstellen sollten. Bei unserem Test fiel uns kaum ein Workflow-Schritt auf, der nicht mit den zahlreichen Werkzeugen erledigt werden konnte. Die Stapelbearbeitung ist durchdacht und erleichtert die Arbeit ungemein. Auch die oftmals angesprochene Abweichung in der Bedienung kann überzeugen und stört nach einer kurzen Einarbeitung nicht. Defizite zeigt die Applikation dagegen in der Geschwindigkeit und der Qualität der Werkzeuge, die nicht immer die gewünschten Resultate liefern und teilweise auch nicht korrekt funktionieren. Auch das Fehlen einer Druckoption fällt negativ auf.





