RAW - Bessere Fotos
RAW-Bildverarbeitung unter Linux: Techniken und Anwendungen
Wer hat sich nicht schon einmal über den weißen, vollständig neutralisierten Himmel geärgert, den man bei vermeintlich bestem Wetter und dem schönsten Sonnenschein fotografierte? Der Grund liegt dabei nicht nur an einer falschen Einstellung, sondern auch oftmals an einer technischen Schwäche der meisten Geräte – dem Ausgabeformat. Digitalkameras für gehobenere Bildverarbeitungsansprüche können deshalb neben JPEG und anderen Dateiformaten oftmals die Ausgabe auch in einem herstellerspezifischen Rohdatenformat (RAW) speichern. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Formaten handelt es sich bei der Ausgabe um keinen Standard, und man benötigt spezielle Applikationen, um sie zu verarbeiten. Dieser Artikel stellt die bekanntesten Applikationen unter Linux vor, vergleicht sie und erklärt, wie anspruchsvolle Fotografen ihre Bilder noch weiter verbessern können.
Fotoxx
Wie die Mehrzahl der hier vorgestellten Applikationen, ist auch Fotoxx eine Software zur Bildverwaltung und Bildverarbeitung. Der Schwerpunkt der Anwendung liegt laut Aussage des Entwicklers auf einer einfachen und schnellen Bedienung. Vor allem Einsteiger sollen mit Fotoxx ein Tool erhalten, das sie nicht überfordert und alle für einen Bildbearbeitungsprozess benötigten Funktionen mit sich bringt.
Die Oberfläche der Anwendung ist in zwei separate Bereiche gegliedert, die sich jeweils hinter den Reitern »F« und »G« auf der linken Seite des Hauptfensters befinden. Während unter »F« alle Bearbeitungsschritte durchgeführt werden, blendet der Bereich »G« einen Galeriemodus ein, in dem durch die im Dateisystem oder durch die in der Datenbank gespeicherten Bilder navigiert werden kann. Ein Nachteil der Galeriedarstellung ist allerdings, dass sie nicht dediziert aufgerufen werden, sondern nur aus dem Bearbeitungsmodus gestartet werden kann. Auch die Navigation durch die Verzeichnisstruktur ist gewöhnungsbedürftig. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Vorschaubrowser nur Bildertypen anzeigt, die ihm bekannt sind. RAW oder DNG gehören nicht dazu. Ein Umschalten zwischen den zwei verschiedenen Darstellungsmodi ist jederzeit möglich, wobei allerdings alle Änderungen zuvor gespeichert werden müssen.
Fotoxx unterscheidet sich fundamental von den typischen Applikationen des Generes. Vieles ist in der Anwendung zunächst gewöhnungsbedürftig. So müssen fast alle Tools im Bearbeitungsmodus direkt aus dem teilweise unübersichtlichen Menü gestartet werden. Eine Funktion für Favoriten gibt es nicht. Genauso wenig gibt es eine Funktion für Stapelverarbeitung, so dass alle Bearbeitungsschritte manuell für jedes Bild einzeln durchgeführt werden müssen. Ungewohnt ist auch die Anordnung mancher Menüs. So finden sich beispielsweise die Benutzereinstellung unter dem Menüpunkt »Werkzeuge«. Vor allem beim ersten Start ist eine längere Suche nach den Tools unvermeidlich. Hat sich der Anwender allerdings mit der Anwendung eine Weile beschäftigt, findet er sich doch recht zügig zurecht.
Das Laden von RAW-Bildern erledigt Fotoxx durch den Aufruf einer auf ufraw-batch aufbauenden Importfunktion. Eine Übergabe von Parametern ist nicht vorgesehen. Hier muss der Anwender dem Automatismus der Anwendung vertrauen. Dedizierte Korrekturen eines Bildes erledigt Fotoxx im Bearbeitungsbereich, der zahlreiche Tools aufweist, die die meisten Bearbeitungsschritte eines RAW-Workflows abdecken. So lassen sich in der Anwendung nicht nur zahlreiche Tonwertkorrekturen erledigen, sondern auch die Perspektive ändern. Auch das Zusammensetzen von HDR oder Panoramabilder beherrscht das Programm. Viele Werkzeuge können zudem parallel aufgerufen und benutzt werden, was vor allem auf Dual-Monitoren sehr angenehm ist. Unter anderem lassen sich so fast die kompletten Farbanpassungen durchführen. Eine Vorher/Nachher-Ansicht gibt es nicht, doch das Programm erledigt die Transformation derartig schnell, dass man fast sofort durchgeführte Änderungen sieht.
Gefundene Bilder können auch unter Fotoxx mit Tags versehen, bewertet oder nach anderen Kriterien katalogisiert werden. Die Suche erweist sich allerdings als unlogisch. So werden beispielsweise die Resultate im Galeriebereich dargestellt, die eigentliche Suche muss aber im Bearbeitungsbereich gestartet werden. Einsortierte Bilder können nach Tags, Datum oder selbst definierten Kriterien gesucht werden. Auch eine Suche nach Geo-Informationen, samt einer grafischen Anzeige des Ortes, erlaubt die Anwendung.
Bearbeitete Bilder schreibt Fotoxx entweder in dieselbe oder eine neue Versionsdatei. Unterstützt werden neben TIFF (8/16) ebenso PNG (8), ICO, BMP und JPEG. Zudem erlaubt die Anwendung eine Ausgabe der Resultate auf einem Drucker, wobei hier sowohl Vorlagen als auch weitreichende Konfigurationsmöglichkeiten fehlen.
Fazit: Die Intention der des Programmierers eine einfache und schnelle Anwendung zu erstellen, sieht man Fotoxx sofort an. Setzt man eine gewisse Einarbeitungszeit voraus, gestaltet sich die Arbeit mit der Anwendung durchaus flott, auch wenn viele Menüpunkte unlogisch und verwirrend erscheinen. Die Werkzeuge sind schnell und bieten zahlreiche Möglichkeiten für Optimierungen und ein ausreichendes Feintuning an. Bei vielen fortgeschrittenen Funktionen muss Fotoxx allerdings passen. So lassen sich in der Anwendung weder ausreichende Objektivanpassungen noch ein automatisierter Ablauf mittels einer Stapelverarbeitung durchführen. Auch die Galerie und die Dateisystemansicht überzeugen nicht. Weitere Defizite weist Fotoxx bei der Ausgabe des Bildmaterials auf.





