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Do, 16. August 2012, 15:00

RAW - Bessere Fotos

RAW-Bildverarbeitung unter Linux: Techniken und Anwendungen

Wer hat sich nicht schon einmal über den weißen, vollständig neutralisierten Himmel geärgert, den man bei vermeintlich bestem Wetter und dem schönsten Sonnenschein fotografierte? Der Grund liegt dabei nicht nur an einer falschen Einstellung, sondern auch oftmals an einer technischen Schwäche der meisten Geräte – dem Ausgabeformat. Digitalkameras für gehobenere Bildverarbeitungsansprüche können deshalb neben JPEG und anderen Dateiformaten oftmals die Ausgabe auch in einem herstellerspezifischen Rohdatenformat (RAW) speichern. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Formaten handelt es sich bei der Ausgabe um keinen Standard, und man benötigt spezielle Applikationen, um sie zu verarbeiten. Dieser Artikel stellt die bekanntesten Applikationen unter Linux vor, vergleicht sie und erklärt, wie anspruchsvolle Fotografen ihre Bilder noch weiter verbessern können.

Rawstudio

Rawstudio

Mirko Lindner

Rawstudio

Das bereits im Jahre 2006 aus der Taufe gehobene Rawstudio konzentriert sich voll und ganz auf die Entwicklung von Bildern und verzichtet weitgehend auf jegliche »branchenfremde« Funktionalität. Die Oberfläche der Anwendung gliedert sich in drei verschiedene Bereiche. Im oberen Bereich der Anwendung befindet sich die Vorschauleiste, die wiederum in sechs verschiedene Unterreiter angeordnet ist. Deren Bedeutung ist allerdings nicht sofort erkennbar. So listet der oberste Reiter alle geladenen Bilder, die im übrigen in der Standardeinstellung nur RAW-Dateien sein dürfen. Die Bereiche 1 bis 3 entsprechen einer Queue/Priorität, die man jedem Bild mitgeben kann, während unter U alle noch nicht bewerteten Bilder zu sehen sind. Der Reiter D listet schlussendlich alle Bilder auf, die als gelöscht markiert worden sind. Einzelne Bilder können schnell mittels der Tasten 1, 2 oder 3 einer bestimmen Queue zugeordnet werden, was sich vor allem in der Praxis als äußerst praktisch erweist. Vor allem größere Bildersammlungen sind so in kürzester Zeit sortiert und katalogisiert.

Das Laden der Bilder erfolgt bei Rawstudio durch eine dedizierte Auswahl direkt aus einen Dateisystembaum. Zur eigentlichen Verwaltung größerer Bildbestände eignet sich Rawstudio deshalb nur bedingt. Neben der Möglichkeit einer einfachen Verschlagwortung von Bildern und der bereits zuvor erwähnten Katalogisierung bietet die Anwendung zwar noch eine einfache Suchmöglichkeit, die beschränkt sich allerdings nur auf Schlagwörter. Weitere Funktionen, wie beispielsweise Geotagging, oder komplexe Exif-Funktionen samt einer selektiven Suche sucht man in der Anwendung vergebens.

Auch bei Rawstudio nimmt der Bildbereich den prominentesten Platz ein. Durch das drücken der Taste F10 lässt sich der Bereich zudem in einer Volldarstellung auf einem zweiten Monitor einblenden. Ein Klick mit der rechten Maustaste auf den Bildbereich blendet diverse Optionen ein - unter anderem eine Vorher/Nachher-Ansicht und eine Über/Unterbelichtung-Warnung. Ein direkter Klick auf den Bildbereich mit der linken Maustaste korrigiert dagegen den Weissabgleich.

Der Werkzeugbereich liegt auf der rechten Seite des Fensters. Hier findet der Anwender unter anderem die Möglichkeit, Kamera- oder Farbprofile in den Workflow einzubinden. Ferner beinhaltet der Bereich auch alle relevanten Regler, Transformationswerkzeuge oder ein Histogram. Ebenfalls im Werkzeugbereich enthalten sind eine Tagsuche, eine Baumansicht des Dateisystems und der Batch-Manager, in dem neben dem Ausgabeverzeichnis auch das zu verwendete Format bestimmt werden kann. Zudem listet hier Rawstudio alle Bilder auf, die durch einen Batch-Vorgang bearbeitet werden.

Bei der Korrektur und der Anpassung von Bildern beschränkt sich Rawstudio auf das absolut Notwendige. Dass die Anwendung trotzdem für die meisten Anwender von Interesse sein könnte, dürfte unter anderem in der Auswahl der Funktionen und der hohen Arbeitsgeschwindigkeit liegen. Größere Wartezeiten bei der Anwendung von Werkzeugen sind auch auf schmalbrüstigen Systemen kaum zu erwarten. Zur Auswahl stehen dabei neben Standardwerkzeugen, wie der Korrektur von Kontrast oder der Temperatur, auch ein Kanalmischer oder eine Objektivkorrektur. Elemente für Lichter- oder eine Schattenkompression lässt Rawstudio allerdings vermissen.

Einstellungen eines Bildes können unter Rawstudio mühelos zwischen verschiedenen Bildern geteilt werden. Neben der Möglichkeit, Änderungen durch eine Stapelverarbeitung auch auf andere Bilder anzuwenden, erlaubt die Anwendung auch das direkte Kopieren von Einstellungen mittels Strg+C und Strg+V. Das Programm öffnet in diesem Fall ein neues Fenster mit allen zu übertragenden Werten, die je nach Vorhaben entweder an-, oder abgewählt werden können.

Eine Vorschauansicht sorgt für Kontrolle bei der Bearbeitung des Bildes

Mirko Lindner

Eine Vorschauansicht sorgt für Kontrolle bei der Bearbeitung des Bildes

Ebenfalls in der Anwendung integriert – eine Tethering-Funktion

Mirko Lindner

Ebenfalls in der Anwendung integriert – eine Tethering-Funktion

Dank der Einbindung von Lensfun erkennt auch Rawstudio Objektive automatisch

Mirko Lindner

Dank der Einbindung von Lensfun erkennt auch Rawstudio Objektive automatisch

In Bildern durchgeführte Änderungen werden auch in Rawstudio verlustlos durchgeführt. Dabei speichert die Anwendung, wie die meisten RAW-Konverter, neben dem Resultat auch die Veränderungen in separaten Steuerungsdateien. Bei Rawstudio liegen die Korrekturen im Verzeichnis des Originals im Unterordner .rawstudio. Zudem legt die Export-Funktion in demselben Ordner eine Vorschau des Bildes ab. Fertig bearbeitete Bilder werden wahlweise einzeln oder stapelweise in ein zuvor festgelegtes Verzeichnis exportiert. Zusätzlich bietet die Anwendung auch die Möglichkeit, die Ausgaben an Gimp umzuleiten oder via Facebook, Flickr oder Picasa zu publizieren. Eine Druckoption oder eine Möglichkeit der Präsentation sind allerdings nicht vorhanden.

Fazit: Dass Rawstudio trotz funktionaler Einschränkungen mittlerweile eine große Fangemeinde um sich versammelt hat, verwundert nicht. Zwar beschränkt sich die Anwendung auf die wichtigsten Funktionen eines RAW-Workflows, erledigt aber die an das Programm gestellten Aufgaben mit Bravour. Weder die Qualität noch die Geschwindigkeit lassen irgendwelche Wünsche offen. Schwächen weist Rawstudio dagegen bei der Ausgabe der Bilder und bei fortgeschrittenen Funktionen auf. Wie kaum ein anderes Projekt krankt das Programm zudem an einem akuten Dokumentationsmangel.

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