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Do, 5. September 2013, 15:00

Steam – Fluch oder Segen?

Gerade weil Valve mit Steam für Linux nicht nur positives Feedback erhalten hat, sollen die Vor- und zu einem Teil auch die Nachteile zum anstehenden zehnten Geburtstag als Diskussionsgrundlage dargestellt werden. Vor allem an der Frage, ob Steam der Linux-Community eher hilft oder schadet, scheiden sich die Geister.

Kurz nach der Jahrtausendwende war Linux als Standardbetriebssystem auf Desktops die Ausnahme. Nur von einigen wenigen Kennern und in Teilbereichen von Universitäten wurde Linux als Standard gelebt. Sehr häufig war jedoch auch weiterhin eine Windows-Partition mit auf der gleichen Festplatte, da es zu viel Software gab (und leider immer noch gibt), die nur mit Windows lauffähig war (z.B. Microsoft Outlook, Autocad, SteuerSparErklärung). Ein weiterer Teilbereich, der fast ausschließlich auf Windows setzte, war die Spielebranche. Electronic Arts hat beispielsweise als einer der großen Publisher bis heute nur rudimentäre Gehversuche unter Linux vorzuweisen, mit zwei Browserspielen, die im Ubuntu Software Center veröffentlicht wurden, und auch bei den meisten anderen Publishern suchte man vergebens nach Linux-Portierungen ihrer Spiele. Dies hatte zur Folge, dass selbst bei überzeugten Linux-Nutzern eine Windows-Partition zum Spielen vorhanden war.

Mein Desktop im Jahr 2000

Florian E.J. Fruth

Mein Desktop im Jahr 2000

Der Anfang

Ich hatte schon sehr früh versucht, auch unter Linux nicht auf Spiele verzichten zu müssen. Das Spiel Quake III Arena war jedoch eine der wenigen Ausnahmen, die ohne Probleme unter Linux lauffähig waren. Die Versuche, Windows-Spiele unter Linux mittels Wine zu starten, hatten selten Erfolg. Im besten Fall führte dies nur zu leichten Grafikfehlern oder Performance-Problemen.

Meist hatten die Spiele jedoch ihren Dienst komplett verweigert. Als positives Beispiel sei hier Counter-Strike erwähnt, welches relativ gut unter Wine funktionierte. Dieser Umstand war wahrscheinlich der breiten CS-Spielergemeinde geschuldet.

Anfang des Jahrtausends konnten die meisten Bewohner Deutschlands, erstens nur zeitweise und zweitens nur mit einem 56k-Modem im Internet surfen. Somit »musste« man sich für das Spielen eines Multiplayer-Spiels zwangsweise mit Freunden treffen. Es wurde also lange geplant, wann und wo man sich in der Freizeit mit ein paar hundert Leuten in Schulen, Fabrikhallen oder ähnlichen trifft, um gemeinsam bzw. gegeneinander spielen zu können. Eines der am weitesten verbreiteten Spiele war der oben schon erwähnte Taktik-Shooter Counter-Strike.

Die Grundlage

Am 12. September 2003 hat Valve mit Steam die Grundlage für ihr heutiges Geschäftsmodell gelegt.

Gedacht war Steam zuerst als Kopierschutz, Anti-Cheat-Technologie und für die zentrale Verwaltung der Multiplayer-Spiele aus dem eigenen Hause. Da das Spielen von aktuellen Counter-Strike-Versionen (v1.6 Beta) auf LAN-Partys damit jedoch auch zwingend Steam voraussetzte, mussten sich viele Spieler zwangsweise bei Steam registrieren. Somit hatte sich Valve eine breite Benutzerbasis gesichert und diese bis heute kontinuierlich ausgebaut. Über mittlerweile fast 10 Jahre wurden auch Spiele von Drittherstellern über Steam veröffentlicht und die Funktionalitäten ausgebaut. Zum Beispiel können heutzutage Spieler ihre Spielstände in der Steam-Cloud sichern, erhalten sogenannte »Achievements« und können plattformübergreifend spielen. Nicht alle Hersteller verwenden dabei das Kopierschutzmodul, welches von der Steam-Plattform zur Verfügung gestellt wird. Somit können einige über Steam gekaufte Spiele nach der Installation kopiert und als Standalone-Variante gespielt werden. Dies sind jedoch nur Ausnahmen. Die meisten Spiele lassen sich nicht von Steam entkoppeln.

Die Vision

Michael Larabel, der Gründer von Phoronix, hatte schon im Frühjahr 2010 erste Anzeichen dafür gefunden, dass es neben der Mac-OS-X-Version auch eine Linux-Version von Steam geben könnte. Sicherlich waren es nicht nur Skeptiker, die diesen Andeutungen nicht den geringsten Glauben geschenkt hatten.

Dies liegt sicher auch daran, dass Linux-Spieler doch in vielen Jahren immer wieder von Firmen und ihren leeren Versprechen enttäuscht werden. Ein Beispiel hierfür ist die Linux-Portierung des Ego-Shooters Unreal Tournament 3, welche kurz nach der Windows-Veröffentlichung im Jahr 2008 erscheinen sollte und Ende 2010 aber endgültig für tot erklärt wurde. Eine weitere Enttäuschung war ID Software, die Linux anfänglich sehr gut unterstützt hatten und einige Spiele auf Linux portiert haben, bei ihren beiden neusten Veröffentlichungen Doom 3 BFG und Rage jedoch das Interesse an einer Portierung für Linux verloren hatten [16]. Dies hatte zur Folge, dass Robert Beckebans als unabhängiger Linux-Entwickler nach der Veröffentlichung des Doom3-BFG-Quellcodes das Spiel für Linux portieren musste.

Als der Steam-Client Ende 2012 nun doch für Linux (insbesondere Ubuntu) verfügbar war, bot sich die Gelegenheit für die etwas vergrößerte Anzahl an Linux-Desktop-Benutzern, Steam unter ihrem Standardbetriebssystem zu installieren. Die ersten Gehversuche auf nicht unterstützten Linux-Derivaten waren noch etwas hakelig. Mittlerweile gibt es jedoch immer mehr Anleitungen (z.B. für Debian) und weniger Probleme, wenn Steam auch unter Nicht-Ubuntu-Distributionen installiert werden soll.

Doch zurück zur eigentlichen Frage: Ist das Engagement von Valve für Linux eher ein Fluch oder ein Segen für die Linux-Gemeinde?

Pro-Linux
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