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Mi, 12. März 2008, 00:00

Das Linux-Befehle-Buch

Vorwort

Cover von »Das Linux-Befehle-Buch«

Hans-Joachim Baader (hjb)

Cover von »Das Linux-Befehle-Buch«

Ein Buch über die wichtigsten Linux-Befehle, gestaltet als handliche Referenz. Das will das Linux-Befehle-Buch aus dem Millin-Verlag sein. Die Idee ist zwar nicht neu, da es schon früher ähnliche Bücher gab, die ich allerdings nicht zum Vergleich heranziehen kann. Auf jeden Fall ist das im Herbst 2007 erschienene Buch das jüngste dieser Art. Allerdings kann man dem gleich wieder entgegenhalten, dass Aktualität im Bereich der Linux-Kommandos, die sich nur sehr langsam ändern, keine große Rolle spielt.

Das Buch

Das Linux-Befehle-Buch kommt in einem handlichen Format im Softcover. Auf dem Innencover sind alle behandelten Befehle, nach Kategorien sortiert, in einer Kurzreferenz aufgelistet und mit Seitenangaben versehen. Diese Liste setzt sich am Ende des Buches fort.

Nach der kurzen Einleitung, die Kapitel 1 einnimmt, wird in Kapitel 2 die Shell vorgestellt. Da es um Linux geht, ist die Shell hier mit der Bash gleichgesetzt. Dieses Kapitel ist gut für Einsteiger, die ein paar Kniffe über die Bedienung und ein wenig Programmierung der Bash lernen wollen. Für intensivere Beschäftigung mit der Shell ist andere Literatur anzuraten.

Ein ganzes Unterkapitel ist dem »Rechnen mit der Bash« gewidmet. Dank diesem Text ist mir nun auch die Bedeutung der verschiedenen Klammern klar geworden, was sich mir zuvor selbst nach jahrelanger Shell-Programmierung noch nicht eingeprägt hatte. Andere Unterkapitel sind den verschiedenen Substitutionen, Kontrollstrukturen und Shell-Skripten gewidmet. Die aufgelisteten Kommandos und Features stellen eine ganz annehmbare Referenz dar. Unverständlich ist mir allerdings, warum die (äußerst leistungsfähige) Parameter-Substitution nicht erwähnt wird. Hier hätte sich eine Auflistung der Möglichkeiten stark angeboten, zumal man die Dokumentation in der überlangen Manpage der Bash erst mühevoll suchen muss.

Etwas merkwürdig ist, dass das Backtick-Konstrukt `...` zur Auswertung der Ausgabe eines externen Programmes vorgestellt wird, nicht jedoch die meines Wissens empfohlene Variante $(...).

Die Kapitel 3 bis 5 geben eine Übersicht über die Grundlagen der Prozesse und Prozessverwaltung, das Dateisystem und die Systemverwaltung. Diese Kapitel dienen wohl im Wesentlichen dazu, die in der Referenz besprochenen Kommandos im Zusammenhang zu zeigen. Jedes Unterkapitel führt die zugehörigen Kommandos auf und verweist auf die genaueren Erläuterungen der Kommandos in Kapitel 6.

Bedauerlich ist, dass der Autor in Kapitel 3 Daemonen als »Disk and Execution Monitor« erklärt, was laut Jargon File falsch ist. Dass das Akronym nicht das geringste mit den tatsächlichen Funktionen eines Daemons zu tun hat, ist ohnehin nicht zu übersehen.

Den Kern und Hauptteil des Buches stellt die alphabetische Befehlsübersicht in Kapitel 6 dar. Mehr als 200 Befehle werden hier besprochen. Dies ist der Teil des Buches, auf den man gerne einmal zurückgreift, wenn auf dem Bildschirm gerade mal wieder kein Platz für eine Manpage-Anzeige ist. Zwar ist meiner Einschätzung nach die Erläuterung der meisten Kommandos nicht so ausführlich wie die Manpage, dafür konzentriert sich die Darstellung auf das Wichtigste und erläutert, was vielleicht der wesentliche Punkt ist, viele Details anhand von Beispielen.

Selbst bei 200 Kommandos kann das Buch natürlich nicht den Anspruch der Vollständigkeit erheben. So fehlt das für mich immens wichtige Programm rsync komplett, aber auch ssh und sicher noch etliche andere. Vermutlich musste der Autor an dieser Stelle eine Grenze ziehen, um den Umfang nicht zu sehr anschwellen zu lassen. Ob auf der anderen Seite die Erwähnung der reiserfs-Tools nötig gewesen wäre, ist eine weitere Frage. Der Autor bezeichnet Reiserfs als Standard-Dateisystem von Linux, was dann aus seiner Sicht die Auswahl verständlich macht. Ich dagegen habe Reiserfs nie als Standard-Dateisystem von Linux gesehen. In einigen Distributionen war es für einige Zeit die Standardeinstellung, das war meiner Ansicht nach alles. Apropos Umfang: Die Zahl von 354 Seiten täuscht ein wenig, da das umfangreiche Kapitel 6 durchgehend in einer recht kleinen Schrift gesetzt ist - in normal großer Schrift wäre es erheblich länger.

Den Abschluss des Buches bilden eine awk- und eine vi-Kurzreferenz, wobei letztere auf ziemlich viel verzichten muss, und eine Übersicht über das Format einiger wichtigen Dateien. Schließlich folgt noch ein kurzes, aber hoffentlich ausreichendes Stichwortverzeichnis.

Der Redaktion sind leider zahlreiche Tippfehler und fehlende Kommas durch die Lappen gegangen. Das trübt für mich das Lesevergnügen erheblich, doch zum Glück liest man das Buch ja überwiegend als Nachschlagewerk. Kapitel 6 scheint von diesen Fehlern weitgehend verschont geblieben zu sein. In den anderen Kapiteln kann man nur hoffen, dass sich keine sinnentstellenden Fehler eingeschlichen haben.

Fazit

Das Linux-Befehle-Buch werde ich mir gern in der Nähe des Rechners aufstellen, um es immer schnell zur Hand zu haben. Selbst als Experte benötigt man Kommandos, die einem nicht so geläufig sind. Da kommt doch eine Beschreibung mit Praxisbeispielen gerade recht. Die Tippfehler und andere Mängel tun der Nützlichkeit des Buches, in dem eine Menge Arbeit steckt, keinen Abbruch.

Wozu aber überhaupt ein Buch, wenn doch alles, was darin zu finden ist, in den Manpages leicht zugänglich ist? Es ist schon richtig, zwingend notwendig ist das Linux-Befehle-Buch nicht. Aber es kann auch seine Vorteile haben, in einem Buch zu blättern, statt die Manpages zu betrachten. Die Übersichtlichkeit ist besser, da wenig gebräuchliche Detail weggelassen wurden. Vielleicht will man auch gerade kein zusätzliches Programm zum Ansehen der Manpage starten oder einfach mal abseits vom Computer ein Detail nachlesen. Nicht zu vergessen der vielleicht größte Pluspunkt des Werkes, die praxisnahen Beispiele, die in den Manpages nicht unbedingt zu finden sind.

Fakten

Jahr: 2007
Autor: Hans-Werner Heinl
Preis: 24,90 EUR / SFr 41,90
Umfang: 354 Seiten, Softcover
Verlag: Millin
ISBN: 3-938626-01-1

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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