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Di, 8. Juli 2014, 15:00

Linux-Distributionen für spezielle Fälle: Eine kleine Auswahl

Im folgenden Artikel erhalten Sie einen Überblick über wichtige Linux-Spezialsysteme. Diese sind größtenteils nicht als installierbare Systeme konzipiert, sondern als transportable Live-Systeme für die Hosentasche.

Porteus: Schnelles mobiles Surfsystem

Kleine, mobile Surfsysteme auf Linux-Basis gibt es diverse. Porteus, im März als Version 3.0 erschienen, ist aber aus mehreren Gründen allererste Wahl: Es wirkt überhaupt nicht wie ein spartanisches Hilfssystem, sondern wie ein komplettes und komfortables System mit erstaunlichem Software-Angebot (Firefox mit Adobe Flash, Dateimanager, Messenger, Dokument-Viewer, Medienplayer, Brennprogramm, Editor, Partitionierer Gparted). Von den verschiedenen Porteus-Varianten empfehlen wir jene mit dem leichtgewichtigen und dennoch ansehnlichen XFCE-Desktop. Dessen Download-ISO hat nur 157 MB und ist in kaum einer Minute auf USB-Stick, SD-Karte oder CD übertragen.

Porteus bootet dann, abhängig vom Rechner und vom Medium, in exzellenten acht bis 15 Sekunden vom Flash-Speicher (USB-Stick oder SD-Karte) und in einer knappen Minute von CD. Wenn Porteus auf einem beschreibbaren Medium installiert ist, lohnt sich als Erstes der Gang in das Hauptmenü: Unter System -> Porteus Settings Centre lassen sich Systemsprache (Language Selection Tool) und weitere Einstellungen optimieren. Standard-User sind »root« mit Kennwort »toor« sowie »guest« mit Kennwort »guest«. Auch diese Standardkennwörter lassen sich im Settings Centre ändern.

Das pure System fordert im Speicher etwa 150 bis 200 MB. Mit einem Rechner schon ab 512 MB kann Porteus dem Browser ausreichend Reserven überlassen.

Besonderheiten: Linux-Einsteiger sind mit dem Standardumfang des kleinen Systems bestens bedient. Wir empfehlen den direkten Download einer der hier angebotenen Varianten: http://dl.porteus.org/i486/current/. Ein an sich bemerkenswerter Service unter www.porteus.org bietet an, sich das ISO-Image vor dem Download selbst zu konfektionieren (etwa mit Chrome statt Firefox). Dieser Service war aber zum Zeitpunkt der Artikel-Recherche noch fehlerhaft. Das laufende Porteus mit dem Paketmanager (im Menü unter System -> USM) zu erweitern, ist ebenfalls nicht ganz trivial: Porteus ist modular aufgebaut und teilt seine Komponenten in stark komprimierte XZM-Module auf, die zur Startzeit ins RAM entpackt werden. Daher müssen heruntergeladene Pakete erst in solche XZM-Module konvertiert werden.

Anonymisiertes Surfen: Das Live-System Tails leitet alle Internetaktionen durch mehrere Zwischenstationen im TOR-Netz

Hermann Apfelböck

Anonymisiertes Surfen: Das Live-System Tails leitet alle Internetaktionen durch mehrere Zwischenstationen im TOR-Netz

Tails und TOR: Anonymisiertes Surfen

Politisch Verfolgte, aber sicher auch Kriminelle nutzen mit Tails eine Live-Distribution, welche die Spur im Internet (IP-Adresse) durch zwischengeschaltete Proxy-Verbindungen anonymisiert. In Zeiten massiver Datenschnüffelei kann es auch für normale Anwender ein Motiv sein, die Privatsphäre optimal zu schützen. Absolute Anonymität kann Tails (The Amnesic Incognito Live System) nicht erreichen, aber die Rückverfolgung ist erheblich erschwert.

Tails, aktuell in Version 0.22.1, nutzt das Netzwerk TOR (The Onion Router), das sich im Prinzip auf jedem Linux installieren lässt. Tails hat allerdings schon alles vorkonfiguriert und ist daher die perfekte Wahl für sicheres Surfen. Wenn Sie hier eine Webseite aufrufen, geschieht dies verschlüsselt über drei TOR-Knoten – das sind Rechner von Nutzern, die sich freiwillig als TOR-Zwischenstation angemeldet haben.

Erst nach dem dritten TOR-Knoten geht die Anfrage zum Ziel-Server und dann über drei Stationen wieder zurück. Das Prinzip gilt für Browser, Mail und Chat. Die Geschwindigkeit kann je nach zufälligen TOR-Knoten variieren.

Knoppix: Das Live-System mit exzellenter Hardware-Erkennung und guter Software-Ausstattung ist seit Jahren einer der zuverlässigsten Begleiter von IT-Profis

Hermann Apfelböck

Knoppix: Das Live-System mit exzellenter Hardware-Erkennung und guter Software-Ausstattung ist seit Jahren einer der zuverlässigsten Begleiter von IT-Profis

Das ISO-Image des aktuellen Tails hat 931 MB, erfordert also DVD oder USB-Stick als Zielmedium. Beim Start wählen Sie die Option Live, und beim Hochfahren von Tails im Startbildschirm More Options optional die Sprache Deutsch. Wer halbwegs Englisch versteht, ist damit allerdings besser bedient. Klicken Sie dann im Startbildschirm auf Weitere Optionen und danach auf »Forward«. Danach vergeben Sie ein Passwort für den Systemadministrator.

Tails bringt einschlägige Sicherheits-Software bereits mit. Für den Browser sind zum Beispiel die Erweiterungen HTTPS Everywhere, Noscript und Adblock Plus schon vorinstalliert. Abseits vom primären Einsatzzweck finden Sie auch Programme wie Audacity (Audio), Brasero (Brennen), Scribus (DTP), Open Office, Gimp (Bildbearbeitung).

Besonderheiten: Tails ist zwar ein reines Live-System, doch via Anwendungen -> Systemwerkzeuge -> Configure persistent volume haben Sie auf USB-Medien die Möglichkeit, einen privaten Speicherplatz einzurichten. Die Distribution erzeugt dabei eine verschlüsselte Partition, auf die nur Sie mit der Eingabe des richtigen Passworts zugreifen können. Das ist der geeignete Ort, Daten und eigene Einstellungen zu speichern. USB-Sticks bieten genügend Platz, um diese sehr sinnvolle Option zu nutzen. Nach einem Neustart von USB haben Sie dann im Begrüßungs-Bildschirm die zusätzliche Möglichkeit, diesen permanenten Speicher einzubinden. Dazu klicken Sie einfach auf Ja und geben dann das vergebene Passwort ein. Die Partition zeigt sich dann im Dateisystem als »Persistent«.

Knoppix: Bewährtes Zweitsystem für alle Fälle

Knoppix, aktuell bei Version 7.3, ist ein funktionales, mobiles Zweitsystem. Aufgrund seiner legendären Hardware-Erkennung und der minimalen Ansprüche (Pentium II, 128 MB) sollte Knoppix auf jeder Hardware starten. Es bietet auf dem schlichten LXDE-Desktop eine deutschsprachige Arbeitsumgebung (achten Sie beim Download auf das »DE« am Ende des Dateinamens).

Das normale ISO-Image von Knoppix mit etwa 700 MB ist mit Software wie Iceweasel (Browser), Gimp (Bildbearbeitung), Brasero (Brennprogramm), Gparted (Partitionierung) und LibreOffice als mobiles Produktivsystem ausgestattet und nicht unbedingt als Notfall- und Rettungssystem spezialisiert. Die deutlich umfangreichere DVD-Version mit etwa 3,8 GB hat dieselbe allgemeine Ausrichtung und ist aufgrund ihrer wahllosen und redundanten Software-Bestückung nicht wirklich zu empfehlen.

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