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Do, 18. September 2014, 15:00

Datenaustausch zwischen Linux und Android

Auf das Smartphone will man unter anderem Audiodateien oder Videos kopieren, während man beispielsweise Fotos auf dem Linux-PC sichern möchte. Wie man den Dateitransfer zwischen Android-Geräten und Linux-Rechner am besten erledigen kann, zeigt dieser Artikel.

Linux und Android sind verwandte Systeme. Beide basieren auf dem Linux-Kernel, und bei beiden handelt es sich um freie Software, deren Quellcode öffentlich verfügbar ist. Man sollte daher annehmen, dass der Datenaustausch zwischen beiden Systemen kein Problem darstellt. Manchmal ist jedoch das Gegenteil der Fall. Wer ein paar Bilder oder Audiodateien vom Linux-PC auf ein Android-Smartphone kopieren möchte, wurde dabei bisher von Linux nicht gut unterstützt. Bei neueren Systemen wie Ubuntu 14.04 LTS oder Linux Mint 16 wird das Android-Smartphone oder -Tablet aber durchaus erkannt und im Dateimanager angezeigt, sobald Sie es über ein USB-Kabel verbinden. Allerdings lassen sich bei einigen Android-Geräten die Dateien nicht direkt öffnen, sondern nur kopieren. Und gelegentlich bricht die Verbindung ab. Sollten Sie diese Probleme haben, finden Sie hier Alternativen, die zuverlässiger und sogar schneller arbeiten.

Seit Android 3.0 gibt es bei USB-Verbindungen nur noch die Optionen »MTP« und »PTP«

Thorsten Eggeling

Seit Android 3.0 gibt es bei USB-Verbindungen nur noch die Optionen »MTP« und »PTP«

Kommunikation mit Android über MTP

Bei älteren Android-Versionen wurden die Geräte von Linux als USB-Massenspeicher erkannt und wie ein USB-Stick eingebunden. Das klappte ohne Schwierigkeiten und bot eine relativ hohe Transfergeschwindigkeit. Mit Android 3.0 hat sich das geändert. Das Smartphone oder Tablet bietet jetzt in der Regel nur noch die Kommunikation über MTP (Media Transfer Protocol) und das ältere PTP (Picture Transfer Protocol) an. Der Umstieg war nötig, damit das Betriebssystem jederzeit vollen Zugriff auf die externe Speicherkarte hat, die auch den Apps als Datenspeicher dient. MTP wurde im Jahr 2004 von Microsoft und Canon vor allem für den Datentransfer zwischen Digitalkameras und MP3-Player entwickelt. Aber selbst unter Windows bereitet MTP immer wieder Probleme. Oft wird ein MTP-Gerät nicht erkannt, die Verbindung bricht ab, oder einzelne Dateien lassen sich nicht übertragen.

Unter Linux ist die seit 2006 entwickelte Bibliothek libmtp die Basis für fast alle MTP-Programme. Diese muss ständig gepflegt und weiterentwickelt werden, damit neue Geräte erkannt und richtig angesprochen werden. Ab Version 13.04 wurde MTP bei Ubuntu in das Gnome Virtual File System (gvfs) integriert, das auch für Netzwerk-Dateisysteme wie FTP, SFTP und SMB (Windows-Freigaben) zuständig ist. Dadurch ist es möglich, mit einem Dateimanager wie Nautilus über MTP auf ein Android-Gerät zuzugreifen. Eine entsprechende Entwicklung gibt es mit kio-mtp auch für den KDE-Desktop. Mediaplayer wie Amarok, Banshee oder Rhythmbox zeigen MTP-Geräte ebenfalls an und beherrschen die Wiedergabe der Audiodateien. Unsere Tests mit den aktuellen Distributionen Ubuntu 13.10, 14.04 LTS und Linux Mint 16 offenbarten aber nach wie vor Schwächen bei der MTP-Unterstützung: Ein Samsung Galaxy S3 wurde zwar erkannt, aber Dateien auf dem Smartphone ließen sich über die Dateimanager Nautilus oder Dolphin nicht direkt öffnen. Stattdessen gab es eine Fehlermeldung. Es war jedoch möglich, Bild- oder Audiodateien auf das Smartphone zu kopieren oder von diesem herunterzuladen. Bei Tablets wie dem Google Nexus 7 oder Asus TF201 traten diese Probleme dagegen nicht auf, dafür war die Datenübertragung ärgerlich langsam.

go-mtpfs im Startmenü

Thorsten Eggeling

go-mtpfs im Startmenü

Alternativen MTP-Zugriff installieren

Je nach verwendeten Geräten werden viele Anwender wahrscheinlich tolerieren können, was Ubuntu, Linux Mint und andere in puncto MTP zu bieten haben. Wenn nicht, gibt es Alternativen: Probieren Sie beispielsweise go-mtpfs, das in unseren Tests mehr Stabilität und Geschwindigkeit bot. Wer ältere Distributionen einsetzt, muss ohnehin Software für MTP nachinstallieren.

Für Ubuntu 13.04, 12.10 und 12.04 gibt es fertige Pakete von go-mtpfs. Für die Installation führen Sie in einem Terminalfenster (Strg-Alt-T) die folgenden drei Zeilen aus:

sudo add-apt-repository ppa:webupd8team/unstable
sudo apt-get update
sudo apt-get install go-mtpfs gomtpfs-unity

Drücken Sie Win-A, um im Ubuntu-Dash mit go-mtpfs das neu installierte Tool zu suchen, und ziehen Sie dann das Icon »Mount Android Device« auf den Starter. Über den Kontextmenüpunkt Mount Android Device des Icons können Sie jetzt Android-Geräte einhängen und über Unmount Android Device wieder aushängen. Im Dateimanager sehen Sie Ihr Android-Smartphone dann unter »Geräte«, oder Sie steuern das Verzeichnis /media/MyAndroid an. Wenn Sie go-mtpfs unter einem neueren Linux wie Ubuntu 14.04 LTS verwenden möchten, müssen Sie die Binärdatei selbst erstellen. Führen Sie zunächst die folgenden vier Terminal-Befehle aus:

sudo apt-get install golang-go libusb-1.0.0-dev git
mkdir /tmp/go
export GOPATH=/tmp/go
go get github.com/hanwen/go-mtpfs

Kopieren Sie danach die Datei gomtpfs aus dem Verzeichnis /tmp/go/bin nach /usr/local/bin. Das Tool verwendet Fuse (Filesystem in Userspace), daher müssen Sie Mitglied der Gruppe »fuse« sein, damit Sie auch ohne root-Rechte Dateisysteme einhängen dürfen.

Sie erledigen das mit der Befehlszeile sudo adduser [User] fuse, wobei Sie »[User]« durch Ihren Benutzernamen ersetzen. Melden Sie sich dann neu am System an. Erstellen Sie ein Verzeichnis, in das Sie Ihr Android-Gerät einhängen wollen, etwa mit mkdir /media/MyAndroid, und erlauben Sie Zugriff für alle mit chmod 777 /media/MyAndroid. Der Befehl

go-mtpfs /media/MyAndroid &

bindet das per USB angeschlossene Gerät ein, und

fusermount -u /media/MyAndroid

hängt es wieder aus.

Wenn Sie das komfortable Startmenü-Icon verwenden wollen, laden Sie das Paket »go-mtpfs-unity_0.1-1~20130108~webupd8~raring_all.deb« herunter. Entpacken Sie es im Dateimanager über den Kontextmenüpunkt »Hier entpacken« und kopieren Sie den Inhalt des Ordners usr nach /usr. Dafür benötigen Sie root-Rechte (gksudo nautilus). Anschließend fügen Sie das Icon in das Startmenü ein wie oben beschrieben.

Da in Ubuntu 14.04 LTS Android-Geräte automatisch eingebunden werden, müssen Sie das Gerät in Nautilus zuerst aushängen, bevor Sie go-mtpfs verwenden. Die Automount-Funktion von gvs lässt sich derzeit nicht gezielt für einzelne Dateisysteme abschalten. Ein möglicher Workaround: Benennen Sie die Datei /usr/share/gvfs/remote-volume-monitors/mtp.monitor um und starten Sie das System neu. Dann unterbleibt die automatische Erkennung.

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