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Mi, 22. Oktober 2014, 14:00

Linux Foundation: Mehr Mitglieder, mehr Möglichkeiten

Interview mit Jim Zemlin, CEO der Linux Foundation

Auf der LinuxCon Europe in Düsseldorf traf sich Pro-Linux mit Jim Zemlin, CEO der Linux Foundation, zu einem Interview. Dabei wurden aktuelle Entwicklungen angesprochen, aber auch die Mitgliedschaft in der Linux Foundation.

Jim Zemlin

Linux Foundation

Jim Zemlin

Die Antworten von Jim Zemlin wurden aus dem Gedächtnis niedergeschrieben. Sie stellen daher keine wörtliche Übersetzung dar, es wird aber versucht, das gesagte möglichst genau wiederzugeben. Einige Anmerkungen mit weiteren Informationen wurden eingefügt.

Pro-Linux: Die LinuxCon Europe ist sehr groß, viel größer als ich erwartet hatte. War sie letztes Jahr auch schon so?

Jim Zemlin: Ja, letztes Jahr in Edinburgh war die LinuxCon Europe etwa gleich groß. Wir haben ca. 2.000 Teilnehmer dieses Jahr und eigentlich ist sie schon etwas zu groß. Wir würden die Konferenz gerne etwas übersichtlicher halten. Auf der anderen Seite wollen wir keine Teilnehmer abweisen, so dass wir für nächstes Jahr wohl noch etwas größer planen müssen.

Pro-Linux: Nun eine vielleicht etwas bösartige Frage, sozusagen zum Aufwärmen. Gestern haben Sie dronecode.org angekündigt. Während Drohnen offensichtlich sehr gute Nutzungsmöglichkeiten haben, sehen sie auch militärische Verwendung. Sie können z.B. Güter liefern, aber auch Bomben. Das haben Sie in Ihrer Keynote aber nicht erwähnt. Warum?

Jim Zemlin: Weil es keine militärischen Nutzer gibt. Es gibt zur Zeit keine Unternehmen mit militärischem Hintergrund, die an DroneCode mitwirken. Und wenn doch, wovon wir zur Zeit allerdings nichts wissen, würden wir das auch nicht herausstellen. [Anm. d. Ed.: Das Dronecode-Projekt selbst spricht in der Ankündigung von zivilen Drohnen, womit diese Frage eigentlich überflüssig war. Zudem dürften militärische Drohnen so verschieden sein, dass es keine Gemeinsamkeiten bei der Software gibt.]

Pro-Linux: Die Linux Foundation (LF) kann andauernd neue Mitglieder verkünden. Wie entwickelte sich die Mitgliederzahl im Lauf der Zeit und wieviele Mitglieder gibt es, die wieder ausgetreten sind?

Jim Zemlin: Außer Sun, das von Oracle übernommen wurde, gibt es keine Austritte bisher. Und Oracle hat bekanntlich seine eigene Mitgliedschaft in der LF. Die Zahl der Mitglieder ist somit im gleichen Maß gewachsen, wie Linux und Open Source selbst gewachsen sind.

Pro-Linux: Mehr Mitglieder bedeutet natürlich auch mehr Mitgliedsbeiträge. Was kann die LF alles tun mit diesem Geld?

Jim Zemlin: Sie finanziert Schulungsprogramme (nicht alle von denen tragen sich selbst), Stipendien für Schulungen, die ständig wachsende Server-Infrastruktur für die Entwicklung von Linux (kernel.org), einige Entwickler (Fellows) wie Linus Torvalds, aber nicht nur beim Linux-Kernel, sondern auch bei LF-Projekten. Weiter sind zu nennen der Legal Defense Fund und andere juristische Hilfsprogramme, Konformität mit Lizenzen, an die 50 Konferenzen (von denen auch einige weniger Einnahmen generieren, als sie kosten) und die Core Infrastructure Initiative.

Pro-Linux: Hat die LF genug Geld, um all diese Projekte durchzuführen? Gibt es Pläne, noch mehr zu tun oder mehr Fellows einzustellen?

Jim Zemlin: Es gibt immer Möglichkeiten, noch mehr zu machen. Mehr Fellows, aber auch Unterstützung für Medien, die über Open Source berichten, und vieles andere.

Pro-Linux: Es gibt seit einiger Zeit auch die Möglichkeit, als Einzelperson Mitglied der LF zu werden. Warum sollten Einzelpersonen diese Mitgliedschaft erwerben?

Jim Zemlin: Um Open Source generell zu unterstützen, und um Vorteile wie das T-Shirt, eine permanente Linux.com-Mail-Adresse und Vergünstigungen bei Konferenzen und Kursen zu erhalten. [Anm.: Alle Vorteile können auf der Mitgliedschafts-Seite nachgelesen werden, sie umfassen unter anderem auch Stimmrechte, Rabatte auf Bücher von O'Reilly und No Starch Press sowie in Deutschland und der Schweiz (aber offenbar nicht in Österreich) Rabatte beim Kauf von Produkten von HP oder Dell.]

Pro-Linux: Es gibt eine neue Konferenz namens Vault (über Datei- und Speichersysteme, erstmals für den 12. März 2015 geplant). An welches Publikum richtet sich die Konferenz?

Jim Zemlin: Sie richtet sich an Entwickler. Grundsätzlich richten sich alle unsere Konferenzen an Entwickler bzw. teilweise auch an Administratoren.

Pro-Linux: In Anbetracht der massiven Schnüffelei durch die NSA und andere stellt sich die Frage, was die Open-Source-Gemeinschaft, oder auch die LF, tun kann, um das zu verhindern?

Jim Zemlin: Transparenz. Der Quellcode ist verfügbar und kann genau untersucht werden. Im Rahmen der Core Infrastructure Initiative finanzieren wir auch externe Code-Audits. Gerade erging ein Aufruf, hilfsbedürftige wichtige Projekte vorzuschlagen. Wir müssen auch sicherstellen, dass Binärpakete mit Hilfe einer vertrauenswürdigen Reihe von Compilerwerkzeugen generiert werden. [Anm.: Ob die LF dabei konkret mithilft oder die Gemeinschaft das selbst macht, ist noch offen.]

Pro-Linux: Vielen Dank für das Gespräch!

  • Das Werk darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes müssen unter den gleichen Bedingungen weitergegeben werden. Der Name des Autors/Rechteinhabers muss in der von ihm festgelegten Weise genannt werden.

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