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Di, 16. Dezember 2014, 15:00

Ein kurzer Blick auf KDE Plasma 5

Ein frischer Wind weht bei KDE: Mit der künftigen Oberfläche Plasma 5 erneuern die KDE-Entwickler nicht nur die Optik des Desktops mit einem modernen Design, sondern auch die darunterliegenden Bibliotheken.

KDE Plasma 5.0 im Live-System

David Wolski

KDE Plasma 5.0 im Live-System

Die Beaufort-Skala bezeichnet einen auffrischenden Wind der Stärke zwei bis fünf als Brise. Um genau das handelt es sich bei der ersten großen Modernisierung von KDE seit sieben Jahren. Ein neuer Look namens »Breeze« bringt eine klare Linie, die gewohnte Elemente eines klassischen Desktops nicht hinwegfegt, sondern das gewohnte Bedienkonzept von KDE 4 weiterführt. Ein Blick unter die Oberfläche zeigt, dass die Entwickler nicht einfach nur mit dem Desktop im Windkanal waren, um mit einer schnittigen neuen Optik wieder herauszukommen. Ein Großteil der Arbeit seit 2011 ging in die Grundlagen des zukünftigen KDE 5. Die Arbeitsfläche ist nun auf das Toolkit Qt 5 portiert, das die grafischen Elemente zeichnet. Zur flüssigeren Grafikausgabe nimmt der Compositor Kwin jetzt konsequent OpenGL zu Hilfe, das mit Hardware-Beschleunigung die Fähigkeiten moderner Grafikchips ausgiebig nutzt. Eine bessere Unterstützung für hochauflösende Bildschirme erlaubt eine automatische Skalierung der Desktop-Elemente und Schriften, die nun auch bei sehr hohen Pixeldichten noch lesbar sind.

Die KDE-Bibliotheken, die Funktionen für Qt-5-basierende Programme bereitstellen, sind jetzt im modularen KDE Frameworks 5 untergebracht, welches die zuletzt sehr umfangreichen KDE-Libs ersetzt.

Bislang ist allerdings nur der Desktop neu, KDE-Programme sind von der Modernisierung noch ausgenommen: Das KDE-Team hat die Software Collection aufgelöst. Die Programme laufen erst einmal auf der Basis von KDE 4 weiter, bis sie nach und nach auf die KDE Frameworks 5 gehievt werden und dann zusammengefasst als KDE Applications 5 bereitstehen.

Viele Systemdialoge verzichten ganz auf Dialogboxen und erinnern an Android

David Wolski

Viele Systemdialoge verzichten ganz auf Dialogboxen und erinnern an Android

KDE macht sich flach: Weniger ist mehr

Ein Markenzeichen von KDE sind die vielen optischen Reize, Einstellungsmöglichkeiten bis in kleinste Details, Widgets und Pop-up-Fenster. KDE Plasma 5 reduziert und bringt Ruhe auf den Desktop. Das Standardthema »Breeze« nutzt dezente Pastelltöne, verzichtet auf auffällige 3D-Effekte und führt flachere Bedienelemente ein, die an Android L, Mac OS X Yosemite oder Windows 8 erinnern. Die klassischen KDE-Zutaten befinden sich an gewohnter Stelle: Das Panel um unteren Bildschirmrand beherbergt links das ausklappende K-Menü, mittig eine Taskleiste der laufenden Anwendungen und rechts den Infobereich. Das Anwendungsmenü zeigt sich zunächst in der typischen Kategorienansicht, die kürzlich verwendete Programme, installierte Applikationen, Laufwerke, den Dokumentverlauf und Aktionen zum Herunterfahren/Abmelden anzeigt. Ein Suchfeld ist ausgeblendet, zeigt sich aber sofort nach der ersten Tastatureingabe.

Weiterhin ist auch das einfachere Anwendungsmenü mit Baumstruktur vorhanden, das sich über einen Rechtsklick auf das K-Symbol mit »Alternatives« aktivieren lässt.

Der Infobereich rechts unten ist mit einer kleineren Anzahl an sichtbaren Symbolen und weniger Hinweismeldungen dezenter ausgefallen. Ausgeblendete Symbole fasst ein ausklappendes Untermenü zusammen, wobei die Symbolmenüs sämtliche Elemente des Infobereichs zum schnellen Zugriff in einer Seitenleiste anzeigen.

KDE Plasma 5 trägt mit einem neuen Taskumschalter den heute üblichen Monitoren Rechnung, die horizontal mehr Platz bieten als vertikal: Bei einem Druck auf Alt-Tab öffnet sich die Fensterliste mit Vorschau jetzt als Seitenleiste am linken Rand. Dorthin ist auch der Optionsknopf für die Auswahl von Desktop-Widgets und Aktivitäten gewandert, der wie bei Firefox aus drei horizontalen Linien besteht.

Die neuen Fensterdekorationen haben die Entwickler vorerst noch zurückgehalten und lassen noch die Fensterrahmen mit dem Thema »Oxygen« von KDE 4 aktiviert. Allerdings sind in KDE Plasma 5 die umgestalteten Fensterrahmen von Breeze ebenfalls enthalten und müssen nur in den Systemeinstellungen unter Anwendungsstil -> Fensterdekorationen -> Breeze aktiviert werden. Die Titelleisten sind mit ihrem schwarzen Hintergrund und größeren Buttons kontrastreicher und besser lesbar.

Aufgeräumter Infobereich

David Wolski

Aufgeräumter Infobereich

Fazit: KDE Plasma 5

KDE Plasma 5 zeigt schon jetzt die Richtung an, die KDE eingeschlagen hat. Nachdem der Sprung von KDE 3 auf KDE 4 vor sieben Jahren wegen der damals erheblichen Änderungen an Optik und Bedienung kritisiert wurde, erscheint der Schritt auf Version 5 als sanfte Evolution. Da KDE Plasma 5 zusammen mit Anwendungen von KDE 4, die uneingeschränkt funktionieren, noch deren ältere Bibliotheken laden muss, lässt sich über den Ressourcenbedarf noch kein Urteil fällen. Der jetzige Stand zeigt, dass KDE 5 etwas weniger RAM belegen wird. Die Arbeitsfläche allein ist mit 360 MB zufrieden. Die Arbeit am neuen KDE ist natürlich noch nicht fertig, und für KDE Plasma 5 sind monatliche Aktualisierungen geplant.

Zum Redaktionsschluss lag Version 5.0.1 vor. Die aktuelle Fassung zeigt noch einige Leerstellen, da sich die Arbeitsfläche von den KDE-Anwendungen getrennt weiterentwickelt. So sind die Module der Systemeinstellung noch nicht komplett, da Einzeleinstellungen zu Drucker, Bluetooth und Freigabeoptionen erst später zusammen mit den portierten KDE Applications 5 erscheinen werden. Dafür nehmen sich die Entwickler vorsichtshalber noch Zeit bis August 2015.

Wer KDE Plasma 5 schon jetzt auf dem eigenen PC testen will, braucht dazu nicht auf die nächsten Ausgaben von Distributionen zu warten. Denn es gibt das Live-System Neon auf der Basis von Kubuntu 14.04 (32 Bit). Das neueste ISO-Image liegt stets als »neon5-latest.iso« unter http://files.kde.org/snapshots zum Download bereit (1,3 GB). Der Standardbenutzer hat zur Anmeldung und für den Sperrbildschirm ein leeres Passwort. Theoretisch können Sie das Live-System mit dem gewohnten Ubuntu-Installer auch auf Festplatte installieren, aber für den produktiven Einsatz ist es noch nicht geeignet.

Dieser Artikel stammt von unserem Kooperationspartner PC-WELT.

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