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Do, 4. Dezember 2014, 15:00

Minetest – Block für Block zur kantigen Traumwelt

Gerade ein wenig Freizeit und nichts zu tun? Eigentlich der richtige Moment für ein kurzes Spielchen. Für Echtzeitstrategie, Abenteuerspiel oder Wirtschaftssimulation ist die Zeit aber zu knapp und bei einem Karten- oder Memoryspiel mittendrin aufhören? Nichts ärgert den geneigten Spieler mehr. Es bedarf also eines Spiels, in dem das Spielen selbst das Ziel ist und man jederzeit anfangen und aufhören kann. Ein kreatives Spielchen wie Minetest zum Beispiel.

Grob, klotzig und kreativ: Minetest

Michael Weiss

Grob, klotzig und kreativ: Minetest

In aller Kürze...

Als Spieler steuert man in Minetest eine Figur in der Ich-Perspektive in einer zufällig generierten Blockwelt. Dort ist es möglich, Blöcke abzubauen, ins eigene Inventar zu befördern und an anderer Stelle wieder zu platzieren. Das Verbinden diverser Rohstoffe miteinander oder sogar das Einschmelzen bieten Vielfalt und weitere Auswahlmöglichkeiten. So kreiert der Spieler nach eigenen Wünschen eine Welt um sich herum und verspielt so manche Minute vor dem PC. Wer vor lauter Klötzchen den Block nicht mehr sieht, für den ist der nachfolgende Abschnitt gedacht.

...und etwas ausführlicher

Beim erstmaligen Spielstart wird eine an die Realität angelehnte Welt, bestehend aus verschiedenartigen Klötzchen, generiert, in welcher der Spieler Sekunden später selbst eintaucht, um ein Teil von ihr zu werden.

Besagte Klötzchen lehnen sich in ihren Eigenschaften an bekannte Materialien aus dem echten Leben an, was den Spieler kurz nach Spielbeginn bei der Gestaltung seines Umfeldes dazu veranlasst, Werkzeuge statt seinen bloßen Händen einzusetzen, um Hindernisse zu beseitigen. Blöcke aus Erde können deutlich schneller mit einer Schaufel, steinige mit einer Hacke und hölzerne mit einer Axt entfernt werden. Was den Spieler dazu bringt, nicht nur sprichwörtlich an der Oberfläche der Spielwelt zu kratzen, sondern auch tief in das Innere vorzudringen, sind Kohle und die verschiedenen Erze wie Eisen, Diamant und MESE. Damit lassen sich bessere Werkzeuge herstellen, und je hochwertiger das verwendete Material ist, desto schneller lässt sich damit arbeiten und umso länger hält das Werkzeug letztlich.

Sind die ersten Einheiten Holz, Stein und diverse hilfreiche Utensilien im Inventar gelandet, steht es dem Spieler frei, mit diesen Ressourcen anzustellen, was seine Fantasie hergibt. Neue Spieler begnügen sich anfangs oft mit einer eigenen Behausung. Stimmt die Chemie und Minetest kann seine volle Wirkung entfalten, streichen nicht selten einige Spielstunden ins Land, in denen Landschaften mit ganzen Dörfern, prachtvollen Bauten oder riesigen Modellen real existierender Gebilde erschaffen werden. Eine gotische Kirche mit zugehörigem Vorplatz wird selbst im kreativen Modus – alle Materialien sind hier uneingeschränkt verfügbar und müssen vorher nicht abgebaut werden – viel Zeit in Anspruch nehmen. Größe, Material und Struktur legt bei jedem Gebilde der Spieler fest. Es gibt, neben einigen physikalischen Einschränkungen, nahezu keine Regeln. Eine 1:100-Kopie der Enterprise? Kein Problem! Der Londoner Big Ben bestehend aus Erde und Wolle? Der Spieler entscheidet selbst darüber, wie er seine Welt gestaltet, und wenn ihm nach einem harten Tag danach ist, alles mit Lava zu überschütten, ist dies sein gutes Recht.

Nicht selten, aber schön: Steinhaussiedlungen

Michael Weiss

Nicht selten, aber schön: Steinhaussiedlungen

Etwas anders gestaltet sich die Situation auf einem der vielen verfügbaren Mehrspielerservern im Internet. Hier gilt es, wenn schon nicht in Kooperation, zumindest in Koexistenz mit anderen Spielern Bauten zu errichten und die Landschaft zu verändern. Das Verändern oder sogar Zerstören fremder Gebilde und Landschaften in deren Umfeld ist möglich, aber verpönt und wird international mit »griefing« (Tatbestand) und »Griefer« (Täter) tituliert. Ohne ausreichende Erklärung oder Entschuldigung führt ein solches Verhalten häufig zur temporären, wenn nicht permanenten Verbannung vom Server, was alle vom Spieler erreichten Fortschritte, sein Inventar und schließlich seine investierte Arbeit verloren gehen lässt.

Anderes Spiel, bekanntes Prinzip

Wer bis zu diesem Punkt vermutet, dass es sich bei Minetest um einen Rechtschreibfehler handelt und eigentlich das bekannte Minecraft gemeint ist, der irrt. Minetest ist seit 2010 der Versuch einer freien Implementierung des kommerziellen Kult-Spiels unter Verwendung von C++ und Lua-Skript statt Java. Auch wenn Spielprinzip und Optik sich sehr ähneln, beharren die zum Spiel beitragenden Entwickler darauf, dass Minetest nicht Minecraft ist und auch nicht werden soll.

Deutlich wird dies oftmals erst im Detail. So verzichtet Minetest aus Überzeugung auf die in Minecraft notwendige Werkbank. Der 3x3-Felder große Bereich zum Kombinieren von Rohstoffen ist direkt in das Spielerinventar integriert. Auch auf nächtlichen Besuch von feindlich gesinnten Kreaturen wird man in der grundlegenden Variante des Spiels verzichten müssen. In wie weit sich dies durch den Spieler selbst verändern lässt und wie einfach das ist, dazu später mehr.

Es ist auch hervorzuheben, dass es sich bei Minetest um einen Zusammenschluss aus den Minetest-Spieldateien (minetest-game) und der Minetest-Engine handelt. Das nötige Wissen vorausgesetzt, ist es findigen Entwicklern möglich, auf Basis der Minetest-Engine ein völlig anderes Spiel zu erschaffen. Derlei gibt es zuhauf, auch darauf wird in diesem Artikel noch eingegangen werden.

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