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Do, 9. April 2015, 15:00

Batterien enthalten: Linux Mint Debian Edition (LMDE)

Wer Ubuntu nicht mag, der nimmt Linux Mint. Dabei gibt es Mint in zwei Varianten: Die Hauptausgabe, die auf Ubuntu beruht, und eine äußerlich sehr ähnliche zweite Ausgabe, die Debian als Grundlage hat. Wenn man Debian nicht mag, nimmt man dann die Linux Mint Debian Edition? Oder nimmt man sie erst recht, weil man ein gut vorkonfiguriertes Debian in Grün möchte? Oder nimmt man es besser gar nicht, weil LMDE praktisch tot ist? Diese und andere Fragen sollen im Artikel geklärt werden.

Mit der Softwareverwaltung MintInstall kann man in der riesigen Programmauswahl von Debian stöbern

Christian Imhorst

Mit der Softwareverwaltung MintInstall kann man in der riesigen Programmauswahl von Debian stöbern

Linux-Desktop aus einem Guss

Seit 2006 gibt es die Hauptdistribution Linux Mint mit dem Ziel, ein noch leichter zu installierendes und noch besser zu bedienendes Ubuntu-Derivat anzubieten. Etwas später, 2010, kam die Debian Edition dazu. Letztere war zunächst ein Experiment, das aber viel positive Resonanz erhielt und deshalb weiter verfolgt wurde.

Im Gegensatz zu Ubuntu und Debian sollen bei Mint freie und unfreie Software gleichberechtigt integriert sein. Dies gilt nicht nur für den Flashplayer von Adobe, sondern auch für proprietäre Multimedia-Codecs, die bei den beiden Distributions-Müttern noch nachträglich installiert werden müssen. Linux Mint dagegen soll gleich mit der Installation gut funktionieren.

Damit die vielen verschiedenen Anwendungen reibungslos ineinander greifen, müssen sie eng aufeinander abgestimmt werden. Wo das nicht geht, sollen eigene Zusatztools das Benutzererlebnis eines einheitlichen Desktops ergänzen. Mit diesem Konzept sind die Mint-Entwickler ganz erfolgreich. Immerhin halten sie schon seit 2011 den ersten Platz unter den Linux-Distributionen auf der Seite von Distrowatch. Der Platz ist verdient, da die Linux Mint-Entwickler durch die gelungene Kombination und Integration verschiedenster Software-Komponenten ein stabiles, schnelles und benutzerfreundliches Betriebssystem geschaffen haben. Der Nachteil dieses hohen Grades an Integration ist allerdings die Aktualität der Distribution und einzelner Komponenten. Hier hinkt Mint den Müttern Debian und Ubuntu hinterher.

Das Linux Mint-Symbol wurde von einem kleinen Tux aus dem Startmenü verdrängt

Christian Imhorst

Das Linux Mint-Symbol wurde von einem kleinen Tux aus dem Startmenü verdrängt

Das wird sich in Zukunft noch verschärfen, da Linux Mint nach dem Willen seiner Entwickler seit Mai 2014 nur noch auf den Ubuntu-Versionen aufbaut, die längerfristig unterstützt werden, den sogenannten Long Term Supports (LTS). Die Aktualität der Distribution wird also zugunsten von Stabilität und besserer Integration ihrer Komponenten geopfert. Dasselbe Schicksal ereilt auch die Debian Edition, die zukünftig auf Debian Stable aufsetzen soll und nicht mehr wie bisher auf Testing. Damit die Distribution nicht ganz so schnell veraltet, haben die Entwickler allerdings versprochen, wesentliche und für Anwender wichtige Desktop-Programme trotzdem hin und wieder zu aktualisieren.

Laut Clément Lefebvre, dem Maintainer dieser Linux-Distribution, soll sich Mint Apples Mac OS X als Maßstab für ein Betriebssystem nehmen, das wie aus einem Guss wirkt und eine einheitliches Nutzererlebnis bietet. Damit sich diese Wirkung auch unter Linux entfalten kann, wurden die Desktop-Umgebungen Cinnamon und MATE entwickelt. Durch diese beiden hauptsächlich eingesetzten Desktops wird das Erscheinungsbild von Mint und der Debian Edition stark vereinheitlicht. Wer einen anderen Desktop aus dem Repositorium installiert, muss möglicherweise auf Mint-spezifische Anpassungen verzichten.

MATE beruht auf der Desktop-Umgebung Gnome 2, die weniger Ressourcen beansprucht als ihre Nachfolgerin Gnome 3, weswegen sich MATE sehr gut für ältere Rechnern eignet. Cinnamon ist dagegen ein Fork der aktuellen Gnome-Shell Beide Umgebungen sollen zusammen mit den MintTools, die unter anderem das Systemmenü MintMenu enthalten, ein einheitliches Nutzererlebnis bieten, sodass es egal sein soll, welchen der beiden Desktops man benutzt. Der Aufbau des Mint-Menüs ist am Startmenü von Windows Vista angelehnt, was Mint besonders interessant für Windows-Umsteiger macht.

Von außen sieht man dem System nicht an, dass unter der Haube ein Debian werkelt

Christian Imhorst

Von außen sieht man dem System nicht an, dass unter der Haube ein Debian werkelt

Debian mit Batterien enthalten

Im Gegensatz zu den überwiegend nur aus freier Software bestehenden Distributionen Ubuntu und Debian muss man unter Mint die Codecs für verschlüsselte DVDs, für MP3s oder DivX sowie Plug-ins wie Adobe Flash und Oracle Java nicht nachinstallieren. Es ist sogar NDISwrapper für WLAN-Karten ohne eigenen Linux-Treiber vorinstalliert. Als Debian-Nutzer bekommt man mit LMDE ein fertiges System an die Hand, mit dem man nach der Installation gleich loslegen kann.

Durch die gleiche Philosophie und das gleiche Erscheinungsbild scheinen sich die Hauptausgabe und die Debian Edition von Linux Mint nicht großartig zu unterscheiden, auch wenn sie aufgrund der Softwarepakete untereinander nicht kompatibel sind. Warum also zwei verschiedene Distributionen pflegen?

Linux Mint mit Ubuntu-Basis ist mehr Mainstream und für Anfänger leichter zugänglich. Dadurch, dass es mehr Nutzer hat als LMDE, finden Anwender schnell Hilfe und Anleitungen, wie sie ein Problem lösen können. Dank der Ubuntu-Basis gibt es eine bessere Unterstützung für Treiber, Compiz und PPAs. Aus diesen Gründen steht Mint mehr im Fokus der Entwickler und die knappen Ressourcen werden eher in den Hauptzweig statt in LMDE gesteckt.

Mit der Debian Edition dagegen haben sich die Mint-Entwickler von Entscheidungen der Ubuntu-Entwickler und von Canonical, der Firma, die hinter Ubuntu steht, unabhängiger gemacht. Dass dies sinnvoll ist, zeigt zum Beispiel die Entscheidung von Canonical, Lizenzgebühren von Linux Mint zu fordern.

LMDE verbraucht weniger Ressourcen und ist dadurch schneller als Linux Mint, besonders auf älterer Hardware und auf den ersten Netbooks. Trotz wenig Arbeitsspeicher und langsamen Prozessoren kann man sie durch die Debian Edition mit einem modernen und schnellen Betriebssystem ausstatten. Wie Debian unterstützt auch die 32-Bit Variante von LMDE Prozessoren ohne PAE »out-of-the-box«.

Außerdem wird Debian durch seine gemeinschaftliche Organisation mit großer Wahrscheinlichkeit noch in Jahrzehnten und länger existieren, was man von Ubuntu und anderen Linux-Distributionen, die von Firmen gesponsert werden, nicht unbedingt vermuten kann.

Die Zukunft von LMDE

Ursprünglich war LMDE als Distribution mit einem »Rolling Release« geplant. Durch eigene Repositorien sollten ständig neue Programmversionen in die Distribution einfließen. 2011 sind die Entwickler der Debian Edition allerdings zu einem »Semi-Rolling-Release« gewechselt, mit mindestens einem DVD-Abzug und zwei »Update Packs« im Jahr. Das sollte eine bessere Integrität der Distribution gewährleisten und ist für Benutzer interessant, die nicht so häufig aktualisieren wollen. Aber auch dieses Vorgehen fiel durch. Im März 2014 erschien das finale Update-Pack 8 bzw. LMDE 201403. Danach gab es keine weiteren Updates aus Debian Testing mehr.

Für 2015 wurde dann LMDE 2.0 mit dem Codename »Betsy« angekündigt, das auf die nächste stabile Version von Debian 8 »Jessie« aufsetzen wird. Geplant sind Zwischenversionen von LMDE 2.x, die Sicherheits- und größere Updates bei populären Programmen beinhalten sollen. Dazu kommen noch periodisch Treiber für neue Hardware und aktualisierte Linux-Kernel. Die Entwicklung ist mit der des Hauptzweigs von Linux Mint vergleichbar, der auf LTS-Versionen von Ubuntu beruht.

Zur Zeit denken die Entwickler darüber nach, aufgrund knapper Kapazitäten den Entwicklungsprozess von Linux Mint 17 und LMDE 2 anders als bisher zu gestalten. Bislang war es so, dass neue Software erst in Linux Mint einfloss und dann nach LMDE portiert wurde. Das könnte zukünftig eventuell andersherum laufen, was bedeuten würde, dass LMDE ständig Updates erfährt, während die Upgrades in Linux Mint erst mit dem nächsten 17.x-Release einziehen würden.

Dieses Vorgehen nähme LMDE etwas von seiner Stabilität, da es zum Experimentierfeld der Mint-Entwickler werden würde. Die Entwickler gehen aber davon aus, dass die wenigen LMDE-Benutzer erfahrenere Linux-User sind, die mit Experimenten eher leben können als der Mainstream des Hauptzweigs. Wobei das Vorhaben noch nicht in Stein gemeißelt ist und sich noch ändern kann. Wenn man genau wissen möchte, wie es mit LMDE 2 in naher Zukunft weitergehen wird, kann man das in der Roadmap nachlesen.

Der wesentliche Punkt ist, dass auch mit Betsy dieselbe Distributions-Basis für zwei oder mehrere Jahre gepflegt werden soll, wovon sich die Entwickler eine größere Qualität versprechen. Doch größere Änderungen – außer etwas aktuellerer Software – sollte man von Betsy zukünftig nicht erwarten. Als Init-System bleibt SysVinit, der Wechsel zu SystemD wird erst einmal verschoben und könnte eventuell mit LMDE 3 kommen. Einen Termin für die Veröffentlichung von Betsy fehlt ebenfalls, oder wie Lefebvre sagt: »Wie gehabt nehmen wir uns die Zeit und veröffentlichen, wenn es fertig ist.«

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