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Do, 21. Mai 2015, 15:00

Debian GNU/Linux 8.0 »Jessie«

Knapp zwei Jahre hat das Debian-Projekt unermüdlich gearbeitet, um den Nachfolger von Debian 7.0 »Wheezy« fertigzustellen. Dieser Artikel stellt Debian 8.0 »Jessie« mit einem Fokus auf den Neuheiten dieser Version vor.

Desktop-Design von Debian 8

Hans-Joachim Baader

Desktop-Design von Debian 8

Vorwort

Debian GNU/Linux bezeichnet sich als »das universelle Betriebssystem« und ist zweifellos die größte Distribution, sowohl von der Entwickler- als auch der Anwenderzahl, die unabhängig von einem Unternehmen entwickelt wird. Debian steht auf eigenen Füßen und bildet die Basis für viele weitere Distributionen, insbesondere Ubuntu. Mehrere sehr große Installationen wie das System der Münchner Stadtverwaltung oder das der spanischen Provinz Extremadura beruhen auf Debian.

Die neue Version 8.0 »Jessie« wurde, wie bereits mehr als ein Jahr zuvor festgelegt worden war, Anfang November eingefroren. Das bedeutet, dass bis zur Veröffentlichung im April nur noch Korrekturen vorgenommen werden durften. Die Stabilisierungsphase wurde mit fünf Monaten Dauer recht zügig durchlaufen - und doch bedeutet das, dass sich Debian allein für die Stabilisierung fest soviel Zeit gönnte wie andere Distributionen für einen ganzen Entwicklungszyklus.

Die lange Freeze-Phase führt dazu, dass keine in Debian vorhandene Software jünger als fünf Monate ist. Doch wieviele Pakete findet ein durchschnittlicher Benutzer veraltet und möchte sie im Laufe der zwei Jahre vor dem Erscheinen der nächsten Debian-Version aktualisieren? Vielleicht ein Dutzend, aber das hängt natürlich davon ab, was man mit dem Rechner alles macht. Um eine neuere als die angebotene Version zu bekommen, gibt es genug Möglichkeiten. Auf der Habenseite steht dagegen, dass man den Aufwand der Aktualisierung nur alle zwei Jahre einmal einplanen muss. Seit Debian nun auch verlängerten Support erhält, kann man die Distributionen Debian 6 »Squeeze«, Debian 7 »Wheezy« und auch Debian 8 sogar fünf Jahre lang nutzen.

Wie beschreibt man nun ein System, das auf diversen eigenen Rechnern, insbesondere den Desktopsystemen, bereits seit Monaten läuft? Die Antwort lautet »virtuelle Maschinen«. In diesen kann man auf einfache Weise ein unverändertes System zeigen. Für den Artikel werden daher zwei identische virtuelle Maschinen (eine für Gnome, eine für KDE), 64 Bit, unter KVM mit jeweils 2 GB RAM verwendet.

Startbildschirm des Installations-Images

Hans-Joachim Baader

Startbildschirm des Installations-Images

Unterstützte Systeme

Anders als viele andere Distributionen beschränkt sich Debian nicht auf die x86-Architektur in ihren 32- und 64-Bit-Varianten. Die unterstützten Architekturen sind jetzt, nachdem arm64 (die 64 Bit ARM-Prozessoren) und ppc64el (64 Bit Power-Prozessoren mit Little Endian) hinzukamen und SPARC und Itanic (pardon, Itanium) herausfielen, x86 in 32 und 64 Bit, 32 Bit PowerPC, IBM S/390 (64 Bit), MIPS in Big- und Little-Endian-Konfigurationen, armel und armhf für 32 Bit ARM-Systeme.

Neben den offiziellen Portierungen existieren weitere, nicht ganz aktualisierte oder noch unvollständige Portierungen wie auch Debian/kFreeBSD und Debian/Hurd. Damit unterstützt Debian fast alle Architekturen, auf denen der Linux-Kernel laufen kann. Prinzipiell bietet Debian Platz für jede Architektur, wenn sich Freiwillige dafür finden. Die Portierungen-Seite listet sie alle auf.

Neu in Debian 8

Eine der größten Neuerungen in Debian 8 ist Systemd, das als stark modernisiertes Init-System viele neue Möglichkeiten bietet. Es kann Dienste in eigenen Kontrollgruppen (cgroups) verwalten, Dienste teilweise isolieren und kürzere Systemstartzeiten erreichen. Das bekannte SysVinit sowie andere alternative Init-Systeme sind weiter verfügbar.

Die in Debian 7 vor knapp zwei Jahren eingeführte UEFI-Unterstützung wurde laut der Ankündigung ebenfalls stark überarbeitet. Dazu gehören Anpassungen an bekannte Firmware-Fehler, UEFI-Unterstützung auf 32-Bit-Systemen und Unterstützung für 64-Bit-Kernel mit 32-Bit-UEFI-Firmware (nur auf den amd64/i386-Multiarch-Installationsmedien).

Die Distribution enthält jetzt über 43.000 Pakete, die aus knapp 20.100 Quellpaketen erstellt wurden. Der Standard-Desktop von Debian 8.0 ist Gnome 3.14. Zahlreiche weitere Desktopumgebungen und Window-Manager stehen zur Verfügung, darunter KDE 4.14.2, Xfce 4.10 und LXDE. Eine Auswahl der angebotenen Pakete ist Apache 2.4.10, Asterisk 11.13.1, GIMP 2.8.14, GNU Compiler Collection 4.9.2, Icedove 31.6 (eine abgewandelte Version von Mozilla Thunderbird), Iceweasel 31.6 (eine abgewandelte Version von Mozilla Firefox), LibreOffice 4.3.3, MySQL 5.5.42 oder alternativ MariaDB 10.0.16, Nagios 3.5.1, OpenJDK 7u75, Perl 5.20.2, PHP 5.6.7, PostgreSQL 9.4.1, Python 2.7.9 und 3.4.2, Samba 4.1.17, Tomcat 7.0.56 und 8.0.14, Xen 4.4.1 und X.Org 7.7.

Auch im Multimedia-Bereich zeichnet sich Debian 8 durch zahlreiche Neuerungen aus. Die wohl wichtigste Multimedia-Bibliothek ist der FFmpeg-Fork libav in Version 11, die das Abspielen von HECV, einen Opus-Dekoder, Matroska 3D, Apple ProRes und einiges mehr bringt. Die neue libebur128 ist eine freie Implementation der Lautstärken-Empfehlung der European Broadcasting Union (EBU R128), die eine Alternative zu ReplayGain darstellt. Sie ermöglicht es, Audio zu analysieren und beim Abspielen die Lautstärke zu normalisieren. Weitere neue Bibliotheken sind libltc, fftease, lyonpotpourrie, iemlib, pdstring und pd-lua.

Die Version 1.10.0 der LV2-Technologie (Linux Audio-Plugins) steht gemeinsam mit Entwicklungswerkzeugen wie LV2 Toolkit und Vee One Suite und Audio-Plugin-Sammlungen wie x42, zam, ste, Fomp, ab2gate, calf, eq10q, frei0r und Naspro zur Verfügung. Mplayer wurde durch Mplayer2 ersetzt. Viele neue Pakete kamen hinzu und zahlreiche weitere Pakete wurden aktualisiert.

Die Java-Umgebung von Debian ist weiterhin OpenJDK 7. Java-Entwickler werden hier schmerzlich OpenJDK 8 vermissen, eine recht unverständliche Auslassung. Zwar wird OpenJDK 8 laut den Anmerkungen über jessie-backports verfügbar sein, vorerst muss man es aber manuell von den Oracle-Webseiten herunterladen, wenn man es benötigt.

Der Kernel beruht in den Linux-Varianten von Debian 8 auf Linux 3.16.7. Wo es für die Unterstützung neuer Hardware nötig ist, wurden allerdings Treiber aus neueren Kernel-Versionen zurückportiert. Weitere Einzelheiten enthalten die umfangreichen Anmerkungen zur Veröffentlichung.

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