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Sa, 20. Juni 2015, 12:00

Pale Moon - Firefox so, wie er sein sollte?

Pale Moon ist, soweit mir bekannt, die bisher kompatibelste Alternative zu Firefox. Gerade wurde Version 25.5.0 veröffentlicht. Sie beruht zwar auf dem Code von Firefox, lässt aber eine Menge umstrittener Funktionalität außen vor. Eine Meinung.

Pro-Linux im Pale Moon-Fenster

Hans-Joachim Baader

Pro-Linux im Pale Moon-Fenster

Gerade als ich wieder einmal dachte: »Es müsste endlich mal jemand Firefox forken, um die ganzen unnötigen Funktionen zu entfernen, die Mozilla in Firefox eingebaut hat«, da stieß ich durch Zufall auf Pale Moon. Zwar ist das kein neues Projekt, doch hat es sich vielleicht noch nicht weit herumgesprochen. Zumindest nicht unter Linux, denn Pale Moon war anfänglich ein reines Windows-Projekt und damit völlig uninteressant. Doch inzwischen gibt es auch Linux- und Android-Versionen. Die vom Projekt angebotenen Binärpakete stehen unter einer proprietären Lizenz, offenbar aufgrund schlechter Erfahrungen mit Trittbrettfahrern. Meines Wissens ist das ein gutes Recht jedes Projektes und ändert nichts daran, dass es ein freies Projekt ist. Der Quellcode ist verfügbar und Mitarbeit ist erwünscht. Jeder kann aus dem Quellcode eigene Binärdateien erstellen, die nicht den Restriktionen der obigen Lizenz unterliegen.

Pale Moon wurde offenbar schon zu Zeiten von Firefox 3.5, mit Vorläufern noch früher, gestartet. Das lässt erwarten, dass es nicht einfach so von der Bildfläche verschwinden wird, sondern wahrscheinlich so lange bestehen bleibt, wie es Firefox gibt. Zur Zeit teste ich Pale Moon auf mehreren Linux-Rechnern als Ersatz für Firefox, denn wie die Pale Moon-Entwickler habe auch ich genug von den fortgesetzten Neuerungen, die Firefox immer träger, komplexer, unsicherer und schlechter benutzbar machen. Trotz der ständigen Beteuerungen von Mozilla, dass Firefox optimiert werde, benötigten die beiden Browser-Fenster bei mir über 2 GB RAM. Bei Pale Moon sind es in derselben Konfiguration 1,1 GB, allerdings läuft er auch noch nicht so lange und eine endgültige Aussage ist noch nicht möglich. Ich gestehe Mozilla durchaus zu, dass tatsächlich eine Vielzahl von Optimierungen vorgenommen wurden und noch werden. Nur werden sie von ständig neuen Funktionen wieder komplett aufgefressen.

Der Addon-Manager

Hans-Joachim Baader

Der Addon-Manager

Startet man Pale Moon, dann fällt zunächst die von älteren Firefox-Versionen bekannte Oberfläche ins Auge. Die Tabs sind, wo sie hingehören, nämlich unter der URL-Leiste und nicht darüber, und auf die Australis-Oberfläche wurde verzichtet. Die Pale Moon-Entwickler sind hier der gleichen Meinung wie ich, dass nämlich das in Firefox 29 eingeführte Australis-Design nur ein billiger Abklatsch der Chrome-Oberfläche darstellt und den Benutzungskomfort massiv verschlechtert. Die Oberfläche war für mich der wichtigste Grund, Chrome oder Chromium als Browser nie auch nur ansatzweise in Betracht zu ziehen. Unter Firefox muss man nun zu Notnägeln wie dem »Classic Theme Restorer« greifen, die offensichtlich von gleichermaßen verärgerten Nutzern geschaffen wurden. Glücklicherweise will Pale Moon für immer beim derzeitigen Aussehen bleiben und keine inkompatiblen Änderungen vornehmen. Die Oberfläche beruht auf XUL auf dem Stand von Firefox 24 und soll maximal konfigurierbar bleiben. So werden auch Themes und Skins unterstützt.

Man kann wohl mittlerweile nicht mehr sagen, dass Pale Moon zu einer bestimmten Firefox-Version korrespondiert. Es ist ein Fork, der regelmäßig aktualisiert wird und dabei die Korrekturen, insbesondere für Sicherheitslücken, und neue Funktionen, sofern sie sinnvoll sind, übernimmt. Ob der Browser auch stabiler wird, wie es die Entwickler behaupten, lässt sich so leicht nicht sagen. Plausibel ist es aufgrund des reduzierten Entwicklungstempos.

Entscheidend sind wie bei Firefox natürlich die Erweiterungen. Die meisten Firefox-Erweiterungen funktionieren auch mit Pale Moon und können direkt von der Mozilla-Addon-Seite installiert werden. Für einige populäre Erweiterungen, die nicht direkt nutzbar sind, wurde Ersatz geschaffen und auf einer eigenen Addon-Seite platziert. Sprachpakete stehen zur Verfügung, um die standardmäßig englische Oberfläche umzustellen, und die Wörterbücher von Firefox zur Rechtschreibprüfung können direkt genutzt werden.

Um vorhandene Firefox-Profile zu migrieren, stellen die Entwickler ein proprietäres Migrationswerkzeug bereit. Nötig ist das aber nicht. Ich habe einfach mein aktuelles Firefox-Profil über das Profil kopiert, das Pale Moon beim ersten Start angelegt hat, und dann den Browser neu gestartet. Damit wurde alles übernommen, was kompatibel mit Pale Moon war.

Die Australis-Oberfläche war natürlich nicht der einzige Punkt, der mich bei Firefox verärgerte. Die Liste ist mittlerweile lang und hat viel damit zu tun, wie Mozilla immer wieder beteuert, für ein offenes Web zu kämpfen und das Beste für die Benutzer zu wollen, aber zugleich Kompromisse mit proprietären Anbietern eingeht, um keine Marktanteile zu verlieren. Dazu gehören die DRM-Integration in Firefox, Browser-Tabs auf der Startseite, möglicherweise mit Werbung belegt, Erschwerung der Nutzung des Adobe Flash- und anderer Plugins, Kooperation mit der Werbebranche und der zu schnelle, für Unternehmen unbrauchbare Veröffentlichungszyklus. Häufige Veröffentlichungen gehören zum Wesen von Open Source, aber man könnte die meisten davon als nur für Entwickler oder Benutzer, die sie brauchen, deklarieren. Ein ordentliches Projekt sollte alle herausgebrachten stabilen Versionen pflegen, solange es Benutzer dafür gibt. Das sollte machbar sein, wenn man nicht zu häufig veröffentlicht. Es wird schließlich nicht verlangt, alte Versionen auf neue Plattformen zu portieren - Korrekturen der wichtigen Fehler genügen. Ein weiterer Kritikpunkt, der schon angeklungen ist, ist der dauernd erweiterte Funktionsumfang, der fest in den Browser eingebaut wird, statt ihn als Erweiterung zu implementieren. Ein großer Teil der Benutzer könnte auf diese Funktionen jeweils verzichten, das Resultat wäre ein wesentlich schlankerer Browser.

Das Pale Moon-Projekt scheint nicht von kommerziellen Interessen getrieben zu sein, nimmt aber Spenden an. Bevor man jetzt aber dem Projekt eine Spende zukommen lässt, sollte man sich überlegen, vielleicht doch lieber an Mozilla zu spenden. Denn von Mozilla kommt letzten Endes viel Gutes und Wichtiges für die freie Softwarewelt und das offene Web. Das sollte man nicht vergessen. Zudem gäbe es ohne Firefox auch keinen Pale Moon. Dass Mozilla über die Suchmaschinen und deren Werbung ziemlich hohe Einnahmen erzielt, sei ihnen daher vergönnt. Aber Firefox muss man deswegen trotzdem nicht benutzen.

Pro-Linux
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