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Do, 11. Februar 2016, 15:00

dCore

Die leichtgewichtige Distribution dCore basiert auf Tiny Core und greift auf den Softwarebestand von Ubuntu bzw. Debian zu. Nach einer allgemeinen Einführung wird hier eine Anleitung für eine Testinstallation auf einem USB-Stick gegeben.

Einführung

Distributionen, die im RAM laufen (vgl. Anhang »InitRD«), gibt es unter Linux in stattlicher Zahl. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Zunft zählen Knoppix sowie die Live-Versionen von diversen Distributionen. Daneben gibt es eine ganze Schar speziell leichtgewichtiger Distributionen wie Puppy Linux oder Tiny Core Linux. Der jüngste Spross in dieser Familie hört auf den Namen dCore und stammt ebenfalls aus dem Hause Tiny Core.

Der Name ist ein Zusammenzug aus Debian und Tiny Core und deutet auf das neue Konzept hin. Dabei wird das gesamte Grundsystem von dCore von Tiny Core übernommen und dem Benutzer somit eine minimalistische Linux-Umgebung zur Verfügung gestellt, die er nach eigenen Wünschen modular ausbauen kann. Wo Tiny Core jedoch eigene Paketquellen verwendet, greift dCore hingegen auf die Bestände von Debian oder Ubuntu zurück. Dadurch steht dem Benutzer ein außerordentlich schlankes Grundsystem mit einer überwältigenden Auswahl an aktueller Software zur Verfügung.

Für die x86-Architektur existiert dCore derzeit (November 2015) in den Debian- bzw. Ubuntu-basierten Ausprägungen Jessie und Wheezy beziehungsweise Trusty, Utopic, Vivid und Wily mit den entsprechenden Kernel-Versionen. Nach gut zweijähriger Entwicklung ist dCore den Kinderschuhen entwachsen und bietet eine höchst interessante Plattform für fortgeschrittene Linux-Benutzer.

Informationen

Die Installationsdateien befinden sich etwas versteckt im Download-Bereich der Webseite von Tiny Core. Im Tiny-Core-Wiki existiert ein separater Bereich für dCore. Daneben wird das dCore-Forum sehr aktiv genutzt.

Modularität

dCore lädt den Linux-Kern sowie eine InitRD, die das Wurzeldateisystem umfasst. Diese beiden Dateien sind zusammen weniger als 15 MB groß und stellen ein minimales Linux-System mit Almquist-Shell (Ash) und Busybox zur Verfügung. Zusätzliche Software-Pakete werden in Form von sogenannten Erweiterungen importiert und können nach Bedarf geladen werden. So kann sich der Benutzer sein System nach eigenen Wünschen zusammenstellen.

Erweiterungen

Erweiterungen sind SquashFS-Dateien, d.h. in eine Datei gepackte Dateisysteme, mit Dateiendung .sce. Darin sind alle zur Erweiterung gehörigen Dateien enthalten. Auf dem System vorhandene Erweiterungen werden durch den Befehl sce-load gemountet, der auch alle Dateien als symbolische Links ins Wurzeldateisystem kopiert. Somit stehen sie im normalen Pfad zur Verfügung. Nötigenfalls werden auch Startskripte ausgeführt. Danach kann die importierte Applikation normal gestartet werden.

Erweiterungen importieren

Zuerst müssen die Erweiterungen importiert werden. Der Befehl sce-import aktualisiert die Paketverzeichnisse und durchsucht sie nach passenden Namen. Man wählt das gewünschte Paket aus einer Trefferliste, worauf es samt Abhängigkeiten heruntergeladen und in eine sce-Datei umgewandelt wird.

Um Plattenspeicher zu sparen, lässt sich die Größe von Erweiterungen reduzieren, indem sie von anderen abhängig gemacht werden. Das Flag -d zu sce-import erlaubt die Auswahl von vorausgesetzten Abhängigkeiten. Einerseits werden deren Dateien beim Import ignoriert. Andererseits wird beim Laden der Erweiterung sichergestellt, dass alle Abhängigkeiten vorrangig geladen werden.

Erweiterungslisten

Sollen mehrere Erweiterungen stets zusammen geladen werden, bietet es sich an, sie zu einer einzigen Erweiterung zu kombinieren. Mit dem Flag -l liest sce-import die Paketnamen aus einer Textdatei und erzeugt daraus eine Erweiterung.

Erweiterungen laden

Neben dem manuellen Laden können Erweiterungen auch beim Systemstart automatisch geladen werden, was für systemnahe Software wie zum Beispiel Wireless-Unterstützung oder Window-Manager beziehungsweise Desktop-Umgebungen sinnvoll ist. Andererseits lassen sich Programme auch bei Bedarf (»on demand«) laden, was besonders in graphischen Umgebungen den Bedienungskomfort erhöht.

Persistenz

Das Grundsystem und auch alle Erweiterungen bestehen aus ausschließlich lesbaren Dateisystemen. Deshalb braucht es einen speziellen Mechanismus, um persistente Veränderungen bspw. an Konfigurationsdateien vorzunehmen. Im Gegensatz zu vielen anderen Live-Systemen setzt dCore, wie auch Tiny Core, nicht auf Overlay-Dateisysteme (vgl. Anhang »Persistenz«).

In der einfachsten Installationsvariante werden alle Benutzerdaten – und dazu zählen auch individuelle Systemeinstellungen – ins Archiv /opt/mydata.tgz gepackt. Die Datei /opt/.filetool.lst regelt, welche Dateien darin aufgenommen werden.

Konfigurationsdateien beispielsweise unter /etc können durch Eintrag in diese Datei persistent gemacht werden. Die Originalversion wird beim Systemstart durch die in mydata.tgz gespeicherte überschrieben.

Neben dem Home-Verzeichnis wird in der Grundeinstellung auch /opt persistent gemacht. Es enthält die internen Konfigurationsdateien für dCore. Dazu zählen Listen mit Paketquellen sowie die Dateien bootlocal und bootsync. Diese Shell-Skripte werden im Verlauf des Systemstarts ausgeführt und können individuell angepasst werden.

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