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Mi, 25. Mai 2016, 15:00

Emacs – Moderne Antike

Das ursprünglich von Richard Stallman als Texteditor entwickelte Projekt GNU Emacs ist heute weit vielseitiger einsetzbar als es vermutlich je beabsichtigt war – dank seiner Programmierbarkeit und hervorragenden Integration mit Linux. Der folgende Artikel soll einen Überblick dazu vermitteln und die Installation sowie einige Einrichtungsmöglichkeiten vorstellen.

Einführung

Schon seit über 30 Jahren wird die Entwicklung von Emacs durch eine aktive Community gestaltet und vorangetrieben. In jüngster Zeit gewinnt das Projekt wieder mehr an Beachtung und im letzten Jahr fand sogar eine Emacs-Konferenz statt, auf der sich Nutzer austauschen und kennenlernen konnten.

Es handelt sich zwar um einen Editor, darüber hinaus bietet Emacs aber auch eine Art Plattform zur Entwicklung von eigenständigen Anwendungen. Außer graphisch aufwendigeren Programmen lassen sich nahezu alle gängigen Desktop-Programme in Emacs reproduzieren.

Ein großer Vorteil, andere Anwendungen in Emacs zu integrieren, ist, dass man ein konsistentes Benutzerinterface erhält. So stehen immer dieselben Grundfunktionen zur Verfügung und die Tastenkürzel sowie die Programme selbst sind beliebig konfigurierbar.

Emacs wird unter anderem genutzt als:

  • Entwicklungsumgebung
  • Vim Emulator
  • Webbrowser
  • Music Player
  • PDF Viewer
  • Dateimanager
  • Organizer
  • Terminal Emulator
  • Feedreader
  • Email Client
  • IRC Client
  • Notizverwaltung
  • Static Site Generator

Der eine oder andere hat sogar seinen Window Manager durch Emacs ersetzt und dank seiner Erweiterbarkeit und der aktiven Community wird jedes neu erdachte Feature anderer Anwendungen nahezu unmittelbar zu Emacs portiert. So geschehen zum Beispiel nach dem Launch der innovativen Entwicklungsumgebung Light Table.

Auch modernere Konzepte wie die interaktive Programmierung von Browseranwendungen oder der Live-Programmierung von Musik sind in Emacs möglich und eröffnen interessante neue Anwendungsmöglichkeiten.

In gewisser Weise kann man Emacs mit heutigen Webbrowsern vergleichen. Auch Firefox und Co. versuchen immer mehr Anwendungen des Desktops einzubinden. Doch Emacs besitzt ein besonderes Alleinstellungsmerkmal.

Der Editor steht nämlich in der Tradition eines alten, aber sehr mächtigen Softwarekonzepts, das auch als »internal reprogrammablity« bezeichnet wird. So ist zum Beispiel der Code, der beim Drücken einer Taste im Programm ausgeführt wird, ohne Weiteres abruf- und veränderbar. Dem Benutzer ist es also freigestellt, das Verhalten des Programms nach Belieben zu verändern.

Um sich noch einen besseren Eindruck von den Möglichkeiten zu verschaffen, gibt es einige Videos, in denen Nutzer vorführen, was mit Emacs möglich ist. Ein Video demonstriert beispielsweise das Erstellen eines Spotify-Clients in nur 16 Minuten. Ein anderes zeigt eine beeindruckende Umsetzung von »Literate Programming« in Emacs. Und Interessenten der Nutzungsmöglichkeiten von Emacs als Entwicklungsumgebung sollten sich folgende Videoreihen nicht entgehen lassen: emacsrocks.com und parens-of-the-dead.com.

Es ist nicht zu leugnen, dass die Konfiguration von Emacs und das Erlernen der programminternen Skriptsprache Emacs Lisp viel Zeit und Motivation erfordert. Wenn man durchhält, verfügt man aber am Ende über eine mächtige und vielseitige Arbeitsumgebung, deren Grenzen im Prinzip alleine durch die eigene Phantasie gegeben sind.

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