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Do, 16. Juni 2016, 15:00

Interview mit Ulrich Berens von LUKi e. V.

Kirche und Linux? Passt das zusammen, wenn man von eventuellen Meinungsverschiedenheiten des »richtigen« Glaubens absieht? Ulrich Berens, 1. Vorsitzender des LUKi e. V. (Linux User im Bereich der Kirchen) verrät uns, wie und ob das klappt.

-> Herr Berens, Sie sind der 1. Vorsitzende des LUKi e. V. Beschreiben Sie doch am besten zuerst, für was der Verein steht.

<- Wir sind ein bundesweit tätiger Verein von Linux-Nutzern, die entweder haupt- oder ehrenamtlich im kirchlichen Bereich aktiv sind. Wir setzen uns seit 2001 dafür ein, dass Linux als Betriebssystem und Freie Software als Arbeitsumgebung in den Kirchen verstärkt genutzt werden. Immerhin sind die Kirchen zweitgrößter Arbeitgeber in Deutschland mit einer doch beachtlichen Menge an IT-Umgebungen, in denen aber Linux und Freie Software bislang eher eine Nebenrolle spielen. Das versuchen wir zu ändern. Seit 2004 sind wir darum als eingetragener, gemeinnütziger Verein Anwalt und Ansprechpartner für Freie Software und vor allem für die Linuxnutzung in den Kirchen. Darüber hinaus vernetzen wir natürlich die Linux-Nutzer in den großen und kleineren Kirchen miteinander, halten regen Austausch und helfen bei Fragen und Problemen.

-> Was sind die Aktivitäten des Vereins?

<- Unsere Aktivitäten stehen auf mehreren Säulen. Unsere Aktiven und Mitglieder – das sind zur Zeit bundesweit etwa 100 Personen – setzen sich jeweils vor Ort für Linux im kirchlichen Bereich ein, helfen bei konkreten Problemen oder installieren mal ganz praktisch Linux auf dem PC eines Interessenten. Das geschieht oft auch in Anbindung an die lokalen LUGs (Linux User Groups).

Im Netz sind wir als LUKi e. V. zentrale Anlaufstelle für alle, die in die gängigen Suchmaschinen die Begriffe »Kirche« und »Linux« eingeben und Informationen dazu suchen, wie sich Linux und Freie Software im Bereich der Kirchen praktisch nutzen lassen. Wir haben Mitglieder, die dazu selbsterprobte »best practice«-Beispiele geben können.

Darüber hinaus geben wir auch über das Netz ganz praktische Hilfe, per Mail oder über unsere Mailingliste mit dem Fokus »Linux und Kirche«, die schon seit 2001 besteht. Weiterhin betreiben wir intern ein Wiki, in dem nach und nach ein beachtliches Knowhow zusammengekommen ist.

Lobbyarbeit für Linux und Freie Software gehört bei uns natürlich zentral dazu. Als Verein beziehen wir kritisch Stellung, wenn sich die IT ganzer Kirchen gegen offene Standards entscheidet und sich an die kostspielige Lizenzpolitik der »Big Player« proprietärer Softwarelösungen bindet. Auch auf Messen und Kirchentagen zeigen wir mit unserem Stand Präsenz, verteilen Infomaterial, versuchen sowohl mit kirchlichen IT-Verantwortlichen als auch mit Nur-Nutzern zu reden und Linux und Freie Software als Alternative aufzuzeigen. Dabei gehen wir auch gerne Kooperationen ein, etwa mit der FSFE (Free Software Foundation Europe), mit der wir gemeinsam schon auf Kirchentagen waren. Aus diesen Aktivitäten heraus ist etwa unser Schwester-Projekt, die »Offene Bibel« entstanden. Das ist eine gemeinschaftlich neu erstellte Bibelübersetzung, deren Text im Gegensatz zu Copyright-bewehrten Übersetzungen frei verfügbar, kopierbar und teilbar – also frei - ist.

Eine Gruppe von uns widmet sich zur Zeit der deutschen Dokumentation von OpenLP, einer Freien Software zur Beamersteuerung, die immer häufiger auch in christlichen Gemeinden eingesetzt wird und für die es bislang noch keine deutschsprachigen Anleitungen gab. Unter dem Dach des LUKi e. V. ist jetzt ein Wiki zu OpenLP entstanden.

Eine weitere wichtige Säule für uns ist die Vernetzungsarbeit, die über unsere Netzkanäle läuft, aber auch einmal im Jahr zu einem »LUKi-Treffen« einlädt. Wir verabreden vorher online Themen, an denen wir arbeiten wollen, wir laden Leute ein, die Workshops halten, wir hacken bis tief in die Nacht, lösen nebenbei diverse Hard- und Softwareprobleme und halten jedes Jahr unsere Vereinssitzung ab. Es werden Aktionen geplant und besprochen sowie Möglichkeiten diskutiert, unser Anliegen bekannter zu machen. Und eins sind die Treffen vor allem: locker und offen für Neue!

-> Sie sagten, dass der Verein deutschlandweit agiert. Gibt es über nationale Grenzen hinweg auch Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden?

<- Es gibt und gab auch Kontakte in die deutschsprachige Schweiz und nach Österreich. Auch nach Italien, Schottland oder in die USA gab es bereits Kontakte zu Einzelpersonen oder Gruppen, die ähnliche Ziele verfolgen. Nach meiner Kenntnis sind wir aber weltweit die einzige Gruppe von Linux-Nutzern im Bereich der Kirchen, die diese Breite und doch schon langen Bestand hat.

-> Wie kam die Idee auf, Kirche und Linux zu verbinden?

<- Unsere Initiative begann 2001 – rein virtuell, könnte man sagen: Ein einsamer Aufruf auf meiner Webseite damals (»Gibt es eigentlich außer mir keine kirchlich engagierten Leute, die auch Linux einsetzen?«) brachte mich als Katholiken aus Bayern via E-Mail mit dem Protestanten Rainer Schmitz aus Nordrhein-Westfalen zusammen, der auch Linux-Nutzer war. Gemeinsam »gründeten« wir LUKi, indem wir zunächst an einer Homepage bastelten, die dann 2001 ans Netz ging. Das Echo war gewaltig, innerhalb von einem Vierteljahr nach Schaltung der Webseite gingen fast 1000 E-Mail-Anfragen ein. Eine Mailingliste entstand, immer mehr »feste« Mitstreiter kamen dazu. Und gemeinsam wurden einige Aktionen auf den Weg gebracht. Online-Medien berichteten damals über uns unter der Schlagzeile »Tux geht in die Kirche«.

All das entstand wie gesagt nur via Internet und E-Mail. Verständlich, dass nach so langer Virtualität irgendwann die Zeit reif war, sich einmal zu treffen. Das erste LUKi-Treffen war dann 2003 in Warburg – übrigens mit Klaus Knopper als Referent.

Kommentare (Insgesamt: 12 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[3]: Selig oder heilig? (jana, Sa, 25. Juni 2016)
Linux hat es da schwer,... (Anonymous, Mo, 20. Juni 2016)
Freut mich ... (friepro, Fr, 17. Juni 2016)
Re: interessant (De Benny, Fr, 17. Juni 2016)
Re[2]: Mehr ... (Kritiker, Fr, 17. Juni 2016)
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