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Do, 4. August 2016, 15:00

Slackware 14.2

Die älteste noch aktive Linux-Distribution hat nach längerer Entwicklungszeit die neue Version 14.2 veröffentlicht. Bemerkenswert wenig hat sich seit Version 14.1 getan. Der Artikel gibt eine kleine Übersicht.

Vorwort

Neben KDE liefert Slackware Xfce als Desktop mit

Hans-Joachim Baader

Neben KDE liefert Slackware Xfce als Desktop mit

Slackware lässt sich Zeit mit seinen Veröffentlichungen, die keinem festen Schema folgen. Ungefähr im Jahresabstand lässt Patrick Volkerding, der Initiator und Hauptentwickler von Slackware, eine neue Version vom Stapel. Dieses Mal vergingen allerdings rund zwanzig Monate seit Slackware 14.1. Da Slackware nur grundlegende Software enthält, ist jede Version gut getestet, so auch dieses Mal. Deshalb gibt Slackware in der Regel keine Updates der veröffentlichten Version heraus, außer wenn Sicherheitslücken gefunden werden.

Seit dem ersten Aufkommen von Linux-Distributionen - und Slackware war eine der ganz frühen - hat sich Slackware nie grundlegend geändert. Die Distribution bleibt ihrer Philosophie geradezu stoisch treu. Das beginnt bereits bei der Installation, die sich seit den Anfängen der Distribution (aus SLS hervorgegangene Betaversion April 1993, erste offizielle Version 1.0.1 vom 4.8.1993) kaum nennenswert geändert hat. Auch die Paketorganisation blieb gleich, und die Werkzeuge erlebten allenfalls eine Evolution, aber keine Revolution.

Die Slackware-Philosophie ist schnell erklärt. Kurz gesagt unterscheidet sich die Distribution grundlegend von den meisten anderen Linux-Distributionen. Slackware will die Unix-ähnlichste Distribution überhaupt sein, dies äußert sich beispielsweise in den an BSD orientierten Init-Skripten und dem Festhalten an traditionellen Anwendungen, auch wenn sie kaum noch von Belang sind oder bessere Alternativen vorhanden wären. Wichtig ist für Slackware die Kompatibilität: Mit dem Filesystem Hierarchy Standard (FHS) von Linux und anderen offiziellen Linux-Standards; mit Unix; und mit den zahllosen Softwarepaketen in der freien Wildbahn, die sich unter Slackware problemlos compilieren lassen oder (bei proprietärer Software) problemlos installieren lassen sollen.

Einfachheit und Stabilität sind für Slackware die wichtigsten Ziele. Durch die Beschränkung der Pakete auf ein Minimalsystem, das aber alles enthält, was für den Anfang nötig und wichtig ist, wird der Einfachheit Genüge getan. Es gibt weder komplexe, schwer zu verstehende Init- oder Setup-Skripte, noch Änderungen an der paketierten Software. Gute Dokumentation ist selbstverständlich, wenn auch im Zeitalter von Google&Co. vielleicht von abnehmender Bedeutung. Die Stabilität ist für Slackware in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. Wenn eine Software mutiert und sich in einer neuen Version ganz anders verhält als in der alten, dann bleibt Slackware oftmals noch eine oder mehrere Versionen lang bei der alten Version, sofern diese gewartet wird. Das sieht man beispielsweise aktuell an KDE 4, das von Slackware nochmals den Vorzug gegenüber den KDE Frameworks und Plasma 5 erhalten hat. Auch wenn eine neue Software-Version beim Test Probleme zeigt, bleibt Slackware einfach bei der alten Version.

Die Einfachheit von Slackware zeigt sich auch daran, dass eine Handvoll Entwickler genügen, um das System zu pflegen. Patrick Volkerding dürfte sogar der einzige sein, der dies hauptamtlich tut. Natürlich werden auch zahlreiche andere Distributionen ausschließlich von Freiwilligen erstellt, meist ist dafür aber ein viel größeres Team nötig.

Aus all dem folgt, dass Slackware dem Benutzer alle Freiheiten gibt, das System nach Belieben einzurichten, ihm aber auch nicht zur Hand geht. Konfiguration, Administration und die Verwaltung der Software erfolgt von Hand. Dementsprechend gehört auch nicht jeder Benutzer zur Zielgruppe von Slackware. Wer sich aber mit Linux grundlegend auskennt (Anleitungen zu fast allen grundlegenden Aspekten und Werkzeugen findet man auf Pro-Linux), der wird sich in Slackware gut zurecht finden.

Der optisch erneuerte Login-Bildschirm

Hans-Joachim Baader

Der optisch erneuerte Login-Bildschirm

Slackware 14.2 im Überblick

In der überdurchschnittlich langen Zeit seit der letzten Version hat sich in der freien Softwarewelt viel getan, so wurde beispielsweise die Version des Linux-Kernels auf 4.x angehoben und Firefox hatte zahlreiche neue Versionen bis zu Version 45. Diese Pakete sind ebenso Teil von Slackware wie der auf LLVM beruhende C/C++-Compiler Clang, der neben GCC verfügbar ist. Alle Komponenten wurden laut Patrick Volkerding intensiv getestet und die ganze Distribution wird mehrere Jahre lang unterstützt, auch wenn sich diese Unterstützung auf Sicherheitsupdates beschränkt. Die älteste Slackware-Version, die aktuell noch unterstützt wird, ist die vor fast sieben Jahren erschienene Version 13.0.

Im Vergleich zu 14.1 wurden zahlreiche Pakete aktualisiert oder hinzugefügt. So enthält Slackware 14.2 als Desktopumgebungen KDE 4.14.21 (eine Kombination aus KDE 4.14.3 und den KDE-Bibliotheken in Version 4.14.21) und Xfce 4.12.1 und daneben noch verschiedene Window-Manager. Die Desktops verwenden eudev, udisks, udisks2 und viele Spezifikationen von Freedesktop.org, um unter anderem normalen Benutzern Rechte für USB-Geräte und Wechselmedien zu gewähren, so dass diese Geräte einfach wie erwartet funktionieren. Als Kernel wird Linux 4.4.14 eingesetzt. Da Linux 4.4 ein Kernel mit langfristiger Unterstützung ist, wird die Distribution bei dieser Versionsreihe bleiben. Systemd bleibt bei Slackware zugunsten der Einfachheit außen vor. Ob ein Wechsel des Init-systems jemals zur Debatte steht, bleibt abzuwarten. Das überkommene Init-System, das aus einer Zeit stammt, als Computer komplett statisch waren, hat jedenfalls genug Nachteile angehäuft, um über einen Wechsel nachzudenken.

Slackware 14.2 kommt erstmals mit PulseAudio (Version 9.0) vorinstalliert. Der Grund dafür ist das Update auf BlueZ 5, das nötig war, da einige Projekte nun BlueZ 5 statt Version 4 voraussetzen. BlueZ 5 wiederum hat die direkte Unterstützung von ALSA aufgegeben und erzwingt nun PulseAudio. Daher wurden auch alle anderen Slackware-Pakete angepasst, so dass sie optimal mit PulseAudio funktionieren.

Weitere Paketupdates in Slackware 14.2 sind unter anderem X.org 7.7, X-Server 1.18.3, Mesa 11.2.2, glibc 2.23, Bash 4.3.46, Calligra 2.9.11, Firefox 45.2, Thunderbird 45.1.1 und SeaMonkey 2.40. Ein Großteil der enthaltenen Pakete wurde aktualisiert.

Die Distribution liefert etwa 1250 Pakete mit, hundert mehr als in Version 14.1. Für Entwickler und Systemverwalter sind GCC 5.3.0, LLVM/Clang 3.8, GDB 7.11.1, Perl 5.22.2, PHP 5.6.23, Python 2.7.11, Ruby 2.2.5, Subversion 1.9.4, Git 2.9.0, OpenSSH 7.2p2, MariaDB 10.0.25 und Apache 2.4.20 vorhanden. Pakete lassen sich in Slackware mit dem Werkzeug Slackpkg verwalten, mit dem sich auch bereits installierte Versionen aktualisieren lassen. Weitere Details kann man dem Änderungslog entnehmen.

Für Benutzer von Gnome 3 oder der Gnome 2-Weiterentwicklung Mate birgt Slackware 14.2 wieder Hoffnung. Pakete mit Gnome 3.20.1 sollen von Dropline kommen, Mate dagegen kann mittels Slackbuild-Skripten MATE SlackBuilds compiliert werden, Binärpakete findet man auf slackware.uk/msb. Viele weitere Pakete findet man auf slackbuilds.org.

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