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Do, 30. März 2017, 15:00

Installation von LineageOS auf Moto G4 Plus

Nach acht Jahren N900 zu einem Handy (fast) ohne Android

Unlocked-Meldung mit Standard überschreiben

LineageOS ist nun aufgespielt. Allerdings sieht der Startbildschirm recht »hölzern« aus, weil zunächst über ca. 5 Sekunden ein Warnhinweis erfolgt, es würde sich um ein unsicheres Handy handeln. Daher sollen diese Warnungen mit einen neutralen Starbildschirm überschrieben werden.

Die entsprechenden Logo-Dateien können hier bezogen werden: forum.xda-developers.com/moto-g4-plus/themes/customized-logo-t3451349. Konkret verwendet wird hier die Datei PoweredByAndroid-V2.zip. Diese Datei ist zu entpacken, die Zip-Datei beinhaltet die Datei »logo.bin«. Danach den Bootloader aufrufen (adb reboot bootloader) und die folgenden Befehle eingeben:

fastboot flash logo logo.bin
fastboot reboot

Nun started das Moto G4 wieder mit dem normalen Startbildschirm. Der Hinweis auf Android heisst explizit nicht, dass danach nicht doch LineageOS gestartet wird. Allerdings steht aktuell nur ein Startbildschirm für CyanogenMod und/oder Android zur Verfügung, wer mag, der darf die Log-Datei gerne so anpassen, dass LineageOS ausgegeben wird.

LineageOS starten

Home-Bildschirm von LineageOS

Urs Pfister

Home-Bildschirm von LineageOS

Wenn alles korrekt gemacht wurde, wird LineageOS gestartet. Nach einigen Start-Abfragen erfolgt die Standard-Maske von LineageOS. Die Installation von LineageOS ist somit abgeschlossen.

Fazit

LineageOS verhält sich bisher auf mehreren Moto G4-Geräten sehr stabil. Wer die Google-Applikationen vermisst, kann diese selbst unter LineageOS auch wieder nachrüsten. Einmal eingerichtet, steht mit LineageOS ein freies Handy-Betriebssystem mit weitgehender Kompatibilität zu Android, einfach ohne »Google-Attacken« zur Verfügung.

Das Aufsetzen von LineageOS setzt die Wahl des richtigen Handys voraus und der Prozess ist eher anspruchsvoll, für den Durchschnitts-Benutzer kaum realisierbar. Beim ersten Gerät dürfte ein halber bis ganzer Tag (mit dieser Doku hoffentlich weniger) Zeit notwendig sein.

Die Dominanz von Android mit mittlerweile 88 Prozent Marktanteil ist ähnlich problematisch wie die damalige Verbreitung des Internet-Explorers unter Windows. Es kann hier eingewendet werden, dass mit iOS ein alternatives Mobile-Betriebssystem bestehe. Das stimmt zwar, aber bei ca. 12 Prozent Marktanteil für iOS und der Dominanz von Google im Bereich der Web-Suche bzw. des daraus resultierenden Werbemarktes kann von einem funktionierenden Wettbewerb nicht mehr gesprochen werden. Im besten Fall vermag sich iOS bei 12 Prozent zu halten, neue Player haben auf dem Markt absolut keine Chance. Das beste Beispiel dafür, dass dem so ist, liefert Windows Mobile ab. Wenn nicht einmal Microsoft Handys auf den Markt bringen kann, wie sollen es da andere (kleinere) Anbieter hinkriegen? Natürlich können unter einem nativen Android-Gerät die Optionen so eingestellt werden, dass wenig(er) Daten an Google übermittelt werden bzw. dass weniger bis keine Werbung eingeblendet wird. Der Aufwand, um diese Optionen einzustellen, ist allerdings sehr hoch, »normale« Anwender/innen werden es schlicht und einfach nicht hinkriegen.

Daher sollte Google verpflichtet würden, analog zum damaligen Internet-Explorer, zumindest beim ersten Start den Benutzern alle Betriebssysteme zur Auswahl anzubieten, die auf den Geräten laufen. Nur so haben (neue) Alternativen zu Android eine reale Chance, am mittlerweile arg geschlossenen Markt teilzunehmen.

LineageOS hätte es absolut verdient, SailfishOS ebenso, und vielleicht gäbe es dann endlich auch wieder ein richtiges Linux-Handy mit Debian oder Ubuntu. Denn an sich würde es der Autor sehr begrüssen, mit einem »richtigen« Linux-Handy unterwegs zu sein. Bis dahin ist das Moto G4 Plus mit LineageOS zwar ein guter Ersatz für das N900, an die Annehmlichkeiten des acht Jahre alten Gerätes im täglichen Linux-Alltag kommt das Moto G4 Plus aber nicht ganz heran.

In erster Linie hängt dies damit zusammen, dass das N900 Linux pur war. Gerät einschalten, Terminal aufrufen und schon konnten beliebige Linux-Pakete (z.B. SSH) installiert werden. Und ja, es gab da den wunderbaren Knopf »Internet-Verbindung trennen«, dann war das Gerät offline. Bei LineageOS alias Android gibt es zwar irgendwo den »Datensparmodus«, doch ist damit keinesfalls sichergestellt, dass beim Aufruf eines Web-Browsers nicht Datenvolumen generiert würde. Weiteres Beispiel: Mal schnell ein kleines Skript realisiert, beim N900 kein Problem, mit LineageOS ist das Versuchsstadium nach einer Woche noch nicht beendet. Damit sei nicht gesagt, dass es nicht ginge, nur dass es beim N900 deutlich eleganter und einfacher - auch intuitiver - ging. Zugegeben, das Moto G4 mit LineageOS hat sehr viele andere Vorteile (Display, Gewicht, Akku, Kamera etc), ein Zurück zum N900 steht nicht zur Diskussion. Trotzdem, bei einem richtigen Linux-Handy würde der Autor gerne zugreifen, oder noch lieber würde der Autor ein richtiges Linux auf das Moto G4 aufspielen. Sollte jemand eine Anleitung dazu haben, dann nix wie her damit.

Zum Abschluss noch dies: Das N900 hielt fast acht Jahre, die alten Geräte verrichten nun zur grossen Begeisterung des Nachwuchses weiterhin gute Dienste. Ob das Moto G4 Plus an diese Lebensdauer herankommt, wird sich zeigen müssen.

Autor

Urs Pfister ist Gründer und Geschäftsführer der Archivista GmbH in Egg bei Zürich.

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