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Do, 2. November 2017, 15:00

Der Open Source Summit 2017 in Prag

Linus Torvalds: »Ich sehe Patches im Schlaf«

Dirk Hohndel und Linus Torvalds

Hans-Joachim Baader

Dirk Hohndel und Linus Torvalds

Nun kam der Auftritt, dessentwegen an diesem Vormittag die Kongresshalle bis auf den letzten Platz besetzt war: Linus Torvalds und Dirk Hohndel nahmen in zwei Sesseln Platz, um das übliche Spielchen zu machen. Hohndel hatte dazu eine Reihe von Fragen vorbereitet, die Torvalds spontan beantworten sollte. Die Fragen waren Torvalds, so wurde gesagt, im Voraus nicht bekannt. Hohndel bemühte sich, Abwechslung in die Sache zu bringen, und so kamen einige teils auch neue Dinge rund im die Kernel-Entwicklung ans Licht, Trivia waren allerdings auch darunter.

Linux 4.14 ist nun kurz vor der Freigabe, und Torvalds hatte angekündigt, eventuell noch eine Woche abzuwarten und einen achten Veröffentlichungskandidaten einzuschieben. Ob es dazu kommt, steht allerdings noch nicht fest. Torvalds entscheidet dies immer nach seinem Gefühl, das davon abhängt, wieviele Korrekturen in der Woche davor noch hereinkamen, wie umfangreich sie sind und wie sie sich verteilen. Der Entwicklungszyklus von 4.14 war schwieriger als üblich, vielleicht weil Linux 4.14 eine LTS-Version wird und viele Hersteller bestimmte Patches noch einbringen wollten. Teile dieses Codes waren möglicherweise noch nicht wirklich reif, sind nun aber trotzdem aufgenommen. Doch insgesamt waren die Probleme nicht allzu groß.

Nach über 26 Jahren Linux müssen sich die Kernel-Entwickler ernsthaft Gedanken um ihre Nachfolge machen, auch wenn noch keiner in Rente geht. Doch neue Entwickler zum Kernel zu bringen, die dann auch über einzelne Subsysteme hinaussehen können, dauert Jahre. Fraglich ist, ob es überhaupt genug neue junge Entwickler gibt, die die Leitung von Teilbereichen übernehmen können. Torvalds gibt zu, dass er das nicht weiß, aber er sieht das Problem und hält es für eines der größten, die auf Linux zukommen. Subsysteme zu betreuen, also mehr als einfach nur Entwickler zu sein, erfordert Routine, es ist am Anfang so schwer wie das Lernen einer neuen Sprache. Doch sie werden dringend benötigt, so Torvalds: »We love maintainers!«

Inzwischen versuchen die Entwickler, für jedes Subsystem eine Gruppe aus zwei oder mehr Betreuern zu finden. Dies könnte helfen, neue Leiter zu gewinnen, der Hauptgrund für die Maßnahme war jedoch, dass für jedes Subsystem immer jemand verfügbar ist, trotz möglichem Urlaub, Krankheit oder anderer Abwesenheit.

Wie steht es mit der Sicherheit des Kernels? Torvalds erklärte, selbstverständlich sei er sehr auf die Sicherheit von Linux bedacht. Er kann allerdings Sicherheitsfachleute grundsätzlich nicht ausstehen, diese sind seiner Meinung nach zu oft auf Effekte und Selbstdarstellung aus, Marketing eben. Er hält das in den letzten Jahren aufgekommene Fuzzy-Testen für einen hervorragenden Weg, Sicherheitslücken zu finden.

Warum sind manche Open-Source-Projekte erfolgreich, andere dagegen nicht, wollte Hohndel wissen. Torvalds meinte dazu, dass eine Gemeinschaft entstehen muss, die trotz Meinungsverschiedenheiten letztlich zusammenhalten muss, und dafür muss das Projekt auch groß genug sein. Für ihn selbst ist Erfolg nicht wesentlich. Ihm gehe es nur darum, dass die Software, die man schreibt, das tut, was man selbst will. Ein Beispiel ist sicher die von ihm initiierte Daten- und Statistik-Software für Taucher, Subsurface. In dieser wird übrigens C++ eingesetzt. Für den Kernel lehnt Torvalds C++ allerdings ab, weil der Compiler so viel langsamer als der C-Compiler ist, was ihn in seiner Arbeit ausbremsen würde.

Die Kernel-Entwicklung ist für Torvalds immer noch interessant, da der Kernel für so viele Leute von Bedeutung ist. Deshalb arbeitet er auch weiterhin daran und denkt so gut wie nie daran, Pausen zu machen, selbst wenn er bereits im Schlaf Patches sieht. Selbst im Urlaub liest er dreimal täglich seine Mail, da er sonst zu weit zurückfallen würde. Eine der letzten Fragen lautete, wie es mit Linux 5 aussieht. Torvalds deutete an, dass Linux 5.0 möglicherweise nach 4.19 kommen könnte, vielleicht aber auch früher. Wie schon beim Übergang von 3.19 zu 4.0 betont wurde, haben die Nummern keinerlei Bedeutung mehr, da die Entwicklung kontinuierlich verläuft. Es gehe lediglich darum, die Nummern einigermaßen klein zu halten, denn je größer die Nummern, desto schwerer wird es, sie korrekt zu unterscheiden.

Pro-Linux
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