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Mi, 19. Juli 2006, 00:00

Nachgefragt! MySQL-Geschäftsführer Mårten Mickos

Mårten Mickos beantwortet die Fragen, die von der Leserschaft von Pro-Linux an ihn gestellt wurden. Das Spektrum der Fragen ist weit gefächert und bringt interessante Antworten zu allen Aspekten von MySQL hervor.

Vorwort

Im letzten Monat baten wir die Leser und Leserinnen von Pro-Linux, sich Fragen an den MySQL-Geschäftsführer Mårten Mickos zu überlegen, und konnten eine rege Beteiligung feststellen. Das Thema war offenbar interessant genug und rief viele Kommentare, kritische Anmerkungen und Fragen hervor. Der ursprüngliche Plan sah vor, aus allen Einsendungen zehn Fragen auszuwählen und diese Mårten Mickos vorzulegen, der sich bereiterklärt hatte, uns ein Interview zu geben. Doch es kam anders. Da Mårten Mickos Deutsch spricht, las er die Fragen in unserem Forum mit und beantwortete nahezu jede gestellte Frage. So können wir nun ein außerordentlich ausführliches Interview präsentieren, das interessante Fragen und Antworten zu allen Aspekten von MySQL enthält.

Das Interview

Mårten Mickos

Thomas Schönhoff

Mårten Mickos

Leserfrage: Welche Auswirkung wird der Kauf der InnoDB-Engine durch Oracle auf die MySQL-Entwicklung haben?

Mårten Mickos: Oracle hat die finnische Firma Innobase Oy im Oktober 2005 übernommen. Innobase entwickelt die InnoDB-Storage-Engine für MySQL. Ich war ziemlich überrascht von der Oracle-Übernahme und nicht wenige Benutzer waren im ersten Augenblick geschockt von diesen Neuigkeiten. Heute denke ich, dass MySQL viel stärker als damals ist. Lassen Sie mich das erklären.

Wir wussten, dass InnoDB kein Open-Source-Projekt im engeren Sinne gewesen ist. Daher erwarben wir die Cluster-Storage-Engine der schwedischen Firma Ericsson in 2003. MySQL-Cluster ist eine Online Transaction Processing-Engine (OLTP) bzw. IN-MEMORY-Lösung für MySQL. Darauf aufbauend haben wir andere Entwicklungsprojekte fortsetzen können.

Im Januar haben wir dann Jim Starkeys Firma und die Software übernommen. Jim Starkey ist eine Autorität auf dem Gebiet der Datenbank-Managementsysteme. Er prägte den Begriff »blob« und entwickelte die erste MVCC-Lösung. MVCC steht für »Multi-Versioning Concurrency Control« ist ein zentrales Element in Echtzeit-OLTP-Datenbanken. Mit dieser Übernahme haben wir dann auch die Falcon-Storage-Engine übernommen, eine höchst leistungsfähige Engine für Web-Applikationen und andere transaktionale Anwendungsgebiete. Im April sind wir eine Partnerschaft mit Solid Information Technology eingegangen und kooperieren nun auch mit PBXT, einer neuen transaktionalen Open-Source-Storage-Engine.

Etwa zur gleichen Zeit meldete sich Oracle bei uns und wollte die existierenden Absprachen zu InnoDB ohne jegliche Veränderung für die nächsten Jahre erneuern. Zusammengefasst haben wir unseren Kunden heute unter dem Strich mehr zu bieten als jemals zuvor. In diesem Sinne hat die Open-Source-Welt gezeigt, dass selbst bei Übernahme von Open-Source-Software der Geist von Open Source weiterlebt. Das ist ein wichtiger Sieg für die Bewegung freier und quelloffener Software, und natürlich für die MySQL-Nutzer.

Im Falle von InnoDB ist zu sagen, dass es eine populäre Engine ist, die von Oracle auch weiterhin gepflegt wird. Auf eine gewisse Art könnte man auch sagen, dass InnoDB nun sicherer ist als jemals zuvor, da es nicht mehr nur von einer 4-Personen-Firma in Helsinki, sondern von einer Hightech-Firma mit 50.000 Mitarbeitern aus dem Silicon Valley unterstützt wird. Selbst wenn diese Firma die Unterstützung aufgeben würde (sie sagen, dass sie dies nicht beabsichtigen), dann könnte InnoDB immer noch durch die Open-Source-Gemeinschaft weiter gepflegt werden.

Leserfrage: Übrigens sollte »Sleepycat« nicht vergessen werden.

Mårten Mickos: Aus meiner Sicht hat die Übernahme von Sleepycat nichts mit der von InnoDB zu tun. Man sollte auch nicht vergessen, dass Sleepycats Berkeley DB kaum Resonanz in der MySQL-Community gefunden hat, da es weder eine vergleichbare Performance noch eine gleichwertige intuitive Bedienbarkeit vorweisen kann, die unsere Community gewohnt ist. Daher war der Kauf von Sleepycat kein Verlust. Eher sollte man dies als Telekommunikations-Spiel betrachten.

Vor einiger Zeit hat Oracle TimesTen erworben, eine Hauptspeicher-Datenbank für Telekommunikation und andere Einsatzgebiete. Mit der Übernahme von Sleepycat sieht es so aus, als würde Oracle sein Portfolio um TimesTen erweitern. Oracle hat bereits mehrere andere Firmen aus dieser Branche übernommen. Im Grunde fehlt Oracle aber immer noch eine gut skalierbare und leistungsfähige Datenbank, die mit der von Ericsson in Schweden entwickelten MySQL Cluster-Technologie konkurrieren könnte.

Leserfrage: Warum sollen Unternehmen auf MySQL statt auf PostgreSQL (EnterpriseDB) setzen?

Mårten Mickos: Wir sorgen uns nicht, ob Nutzer Postgres oder EnterpriseDB einsetzen. Aber wenn Sie MySQL-Nutzer fragen, warum sie MySQL und nicht ein anderes Open-Source-Produkt einsetzen, dann wird dies meist auf die gute Skalierbarkeit und Leistungsfähigkeit von MySQL zurückgeführt. MySQL hat ein modernes Design und ist bestens für Web- und Telekommunikations-Applikationen mit großen Transaktionsanforderungen geeignet.

Leserfrage: Empfiehlt SAP mittlerweile, MySQL statt Oracle zu verwenden?

Mårten Mickos: SAP empfiehlt den Einsatz von MySQL, obwohl derzeit noch nicht alle wichtigen SAP-Applikationen laufen. Wenn Sie also über eine R/3 Installation von SAP verfügen, dann müssen Sie noch einige Zeit Geduld haben vor dem Wechsel auf MySQL. Allerdings können Sie bereits zu MaxDB wechseln, das von SAP entwickelt und auch von uns vertrieben wird.

Leserfrage: Wird MySQL wie DB2 9 XML-fähig werden?

Mårten Mickos: Es wurden bereits einige wichtige XML-Funktionalitäten in neueren MySQL-Versionen implementiert. Sobald unsere Nutzer nach weiteren XML-Funktionen fragen, werden wir diese MySQL hinzufügen.

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