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So, 8. Januar 2006, 00:00

Parallels Workstation

Virtuelle Maschine für Linux

Wem VMWare zu teuer und der kostenlose VMWare Player oder Qemu nicht ausreichend sind, der hat mit Parallels Workstation nun eine weitere Alternative. Ich schaute mir Version 2.0 des Produkts einmal an.

Virtualisierte Hardware

Eine fertig eingerichtete virtuelle Maschine im ausgeschalteten Zustand

hjb

Eine fertig eingerichtete virtuelle Maschine im ausgeschalteten Zustand

Neben CPU und Speicher (bis zu 1,5 GB) stehen in der VM ein Floppy-Laufwerk, eine oder mehrere Festplatten, ein oder mehrere CD/DVD-Laufwerke, eine Netzwerkkarte (PCI NE2000), eine PCI-Soundkarte sowie serielle und parallele Ports zur Verfügung. Als CPU erscheint genau die CPU des realen Systems. Die Floppy kann als reales Gerät oder Image-Datei konfiguriert werden. Bei Festplatten sind nur Images möglich, die als IDE-Laufwerke emuliert werden (maximal vier). Mit CD/DVD verhält es sich wie mit den Floppys, nur kann das Device nicht frei gewählt werden, sondern muß eines der vier IDE-Laufwerke sein. Die optionale Netzwerkkarte kann im Bridge- und Nur-VM-Modus eingesetzt werden. Die optionale Soundkarte schließlich scheint, wenn sie aktiv ist, auf die obsolete OSS-kompatible Schnittstelle geleitet zu werden.

Das ist nicht allzuviel Hardware, insbesondere fehlen USB, ACPI und die Möglichkeit, mehr als eine Netzwerkkarte zu verwenden. In künftigen Versionen wird dies aber wohl kommen.

Netz

Ohne Zugang zum lokalen Netz oder gar zum Internet ist eine virtuelle Maschine meist nutzlos. Auch eine Netzverbindung mehrerer gleichzeitig laufender virtueller Maschinen ist wünschenswert, besonders wenn man bestimmte Netzkonfigurationen testen will. Parallels bietet zwei verschiedene Möglichkeiten, ein Netzwerk einzurichten. Beide funktionieren als normaler Benutzer.

Im Modus »Bridged« ist der Zugriff auf das Netz außerhalb der virtuellen Maschine möglich. Die Netzwerkkarte wird in den »Promiscous Mode« geschaltet. Die VM benötigt in diesem Fall eine eigene IP-Adresse, die man entweder über seinen DHCP-Server bereitstellen kann, wenn man einen hat, oder von Hand wie üblich einrichtet. Das funktioniert problemlos. Vorteil ist auch, daß die VM so sofort als Server dienen kann. Läuft ein SSH-Server in der VM, kann man sich vom Hostsystem, aber auch von jedem anderen Rechner im Netz aus, auf der VM einloggen.

Der andere Modus »Host-Only Network« stellt ein virtuelles Netz bereit, das nur für den Host und die virtuellen Maschinen sichtbar ist. Parallels legt dafür auf dem Host eine neue Netzwerkschnittstelle vnic0 an. Die VMs können entweder mit einem eingebauten DHCP-Server ihre Adressen erhalten oder von Hand konfiguriert werden. Der Adreßbereich des DHCP-Servers kann im Konfigurationsdialog von Parallels festgelegt werden. Die Adresse, die an vnic0 gebunden wird, läßt sich auch einstellen - wie, ist in der Online-Hilfe beschrieben.

Um ein Gastsystem, das im »Host-Only«-Modus läuft, von anderen Rechnern aus zu erreichen, kann man auf dem Gastsystem entsprechende Proxys installieren. Dieses Thema liegt aber außerhalb des Stoffs für den Artikel und wird von Parallels (im Gegensatz zu Qemu) auch nicht direkt unterstützt.

Audio

Parallels emuliert einen Intel AC97-Audiocontroller. Die Ausgabe scheint über ein OSS-Device des Hostsystems zu erfolgen, wobei man wenig Einstellungsmöglichkeiten hat. Zumindest eine direkte Ausgabe an ALSA-Devices wäre wünschenswert. Dennoch funktioniert das gleichzeitige Abspielen von Audio in Host und Gast. Einmal stellte ich jedoch das Problem fest, daß die Ausgabe des Hostsystems beim Start des Gastes stummgeschaltet wurde. Abhilfe schafft es möglicherweise, wenn man als Mixer-Device nicht /dev/mixer, sondern Loopback konfiguriert. Bei mir zumindest half es, vermutlich läßt Parallels dann das echte Mixer-Device in Ruhe.

Tools

Wer VMWare kennt, weiß daß sich da die sog. VMWare-Tools im Gast installieren lassen, die das Verhalten und die Interaktion mit dem Host verbessern. Ähnliches gibt es auch für Parallels. Die Tools stehen jedoch leider nur für Windows und OS/2 zur Verfügung. Man kommt aber auch ohne sie gut zurecht, unter Linux zumindest.

Disk-Images

Leider bietet Parallels zur Zeit keine Möglichkeit, Images anderer VMs wie VMWare einzulesen oder gar in diesem Format zu speichern. Man kann also lediglich selbst erstellte Images verwenden.

Performance

Die Festplatten-Performance in der VM liegt nach einfachen Messungen mit hdparm -t bei etwa 50% der realen Festplattengeschwindigkeit. Durch Caching steigt die Geschwindigkeit bei wiederholtem Aufruf bis annähernd zur realen Geschwindigkeit der Platte.

Als weitere Tests verwendete ich hdparm -T zur Messung der Geschwindigkeit der Speicher-Performance und eine Folge von Faktorisierungen bzw. Primalitätstests (mit einem eigenen Programm) zur Ermittlung der reinen CPU-Geschwindigkeit.

  hdparm -T /dev/hda numerische Berechnung
real 372 MB/s 61.4s
in Parallels 332 MB/s 71.4s

Fazit

Der Artikel hat Parallels Workstation 2.0 mit ihren wichtigsten Features vorgestellt. Er konnte keinen vollständigen Einblick in alle Aspekte des Programms geben und läßt sicher viele Fragen offen. Sofern sich diese nicht durch Lesen der Dokumentation oder Ausprobieren beantworten lassen, kann man als registrierter Benutzer den technischen Support von Parallels in Anspruch nehmen, ansonsten auf der Parallels-Homepage oder in Suchmaschinen suchen.

Parallels Workstation 2.0 macht den Eindruck eines ausgereiften Produktes, das bemüht ist, den Benutzern keine Hürden in den Weg zu stellen. Die Bedienoberfläche gefällt ebenso wie der Funktionsumfang und die Leistung. Nachteile sind sicherlich der geringe Funktionsumfang und die Tatsache, daß das Programm effektiv als Root läuft. Qemu hat mehr Funktionen, und muß nicht als Root laufen, ist aber komplizierter einzurichten und weniger performant. Nutzt man den Evaluierungsschlüssel für Parallels und stellt fest, daß das Programm den eigenen Anforderungen genügt, dann sind die 49 US-Dollar mit Sicherheit gut angelegt. So gesehen kann man mit Parallels Workstation 2.0 nichts falsch machen und darf auf die kommenden Produkte »Parallels Server« und »Parallels Enterprise Server« gespannt sein.

  • Dieses Werk wurde unter der Commons Attribution-Share Alike Lizenz veröffentlicht. Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der Commons Attribution-Share Alike, veröffentlicht von der Creative Commons.

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