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So, 8. Januar 2006, 00:00

Parallels Workstation

Virtuelle Maschine für Linux

Wem VMWare zu teuer und der kostenlose VMWare Player oder Qemu nicht ausreichend sind, der hat mit Parallels Workstation nun eine weitere Alternative. Ich schaute mir Version 2.0 des Produkts einmal an.

Vorwort

Parallels Workstation ist eine virtuelle Maschine, ein Programm, das auf dem Linux-System läuft und einen kompletten virtuellen PC bereitstellt. Man kann darin z.B. ein Linux-System installieren und starten. Jedes andere Betriebssystem, das auf PCs läuft, kann ebenfalls benutzt werden.

Nach Herstellerangaben ist Parallels Workstation 2.0 die erste Virtuelle Maschine (VM) für den Desktop, die einen (einfachen) Hypervisor enthält. Dieser soll die Stabilität und Performanz der VM drastisch erhöhen.

Installation

Download und Registrierung

Parallels Workstation ist zur Zeit das einzige Produkt des Herstellers und kostet in der Vollversion 49 US-Dollar. Man kann es sich zunächst kostenlos von der Seite von Parallels herunterladen, um es zu nutzen, benötigt man jedoch einen Registrierungsschlüssel. Einen kostenlosen Schlüssel zum Ausprobieren für 45 Tage erhält man nach Registrierung.

Beim Download hat man die Wahl zwischen der Windows-Version (13,7 MB) und Linux-Binärpaketen in drei Formaten: RPM-Paket, DEB-Paket und tgz-Archiv mit jeweils etwa 9,7 MB. Das DEB-Paket Parallels-2.0.1514-Lin.deb ließ sich auf meinem Debian Unstable/Experimental-System problemlos installieren und ausführen.

Um einen Registrierungsschlüssel zu bekommen, legt man sich unter http://www.parallels.com/en/download/authorization/ einen Account an und bekommt dann einen Schlüssel per Email. Diesen trägt man unter HelpRegistration in das englischsprachige Programm ein.

Installierte Komponenten

Es wird ein Verzeichnis /usr/lib/Parallels angelegt, in dem die eigentliche VM als ausführbare Datei mit setuid-Bit liegt. Parallels läuft also effektiv als Root, egal von welchem Benutzer es gestartet wird. Zusätzlich werden Kernel-Module installiert, näheres dazu später.

Parallels Workstation in der Praxis

Anforderungen

Parallels sollte auf jedem Linux-System starten, das die Bibliothek Qt 3.0.5 (Multithread-Version) oder neuer installiert hat. Bei mir ist es Qt 3.3.4. An Hardware wird eigentlich gar nichts vorausgesetzt. Es werden ein Prozessor mit 1,5 GHz oder mehr und mindestens 1 GB RAM empfohlen, aber es geht auch mit deutlich weniger. Wer Virtualisierung ernsthaft betreibt, sollte aber auf jeden Fall in viel RAM investieren.

Das Programm läuft auf SMP-Systemen problemlos, nutzt dabei aber nur einen Prozessor und simuliert auch nur einen einzelnen Prozessor. Spätere Versionen sollen mehr bieten.

Bedienung

Der New Virtual Machine Wizard führt durch die Einrichtung

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Der New Virtual Machine Wizard führt durch die Einrichtung

Parallels wird mit dem Kommando »Parallels« gestartet. Ist noch keine VM gespeichert, wird ein Auswahlfenster gezeigt, in dem man eine VM auswählen oder eine neue anlegen kann. Wenn man eine neue anlegt, erscheint der New Virtual Machine Wizard, der komfortabel durch das Einrichten einer VM führt. Er erinnert stark an VMWare, wie übrigens auch vieles andere an Parallels.

So werden beim Start auch vier Kernel-Module geladen, deren Namen teilweise an VMWare erinnern: vmvirtualnic, vm_bridge, vm_main und hypervisor. Es bereitete keine Probleme, gleichzeitig das Modul kqemu der freien VM Qemu geladen zu haben.

Der Wizard erlaubt das Anlegen eines Disk-Images, das standardmäßig im Verzeichnis parallels-vm des Home-Verzeichnisses angelegt wird. Man kann aber das gewünschte Verzeichnis auswählen oder gleich in den Einstellungen ein anderes Verzeichnis vorgeben. Natürlich benötigt man kein Image, wenn man nur eine Live-CD wie Knoppix mal starten will. Wenn man aber eins benötigt, kann man es wahlweise mit minimaler Größe anlegen, dann wächst es mit dem benötigten Platz, oder gleich in voller Größe, was die Geschwindigkeit der VM etwas erhöhen soll. Hier würden andere VMs eventuell ein Image mit Löchern (»sparse«) anlegen, was praktisch keine Zeit erfordert. Parallels jedoch füllt das Image bis zur angegebenen Größe mit Nullen, was einige Minuten dauern kann.

Hier ein kleiner Tip, falls man Backups des VM-Images machen will: Wenn man seine Images kleiner als 4,4 GB macht, kann man sie ohne Kompression und ohne Aufsplittung auf DVDs brennen, was sicher eine der schnellsten und bequemsten Sicherungsarten darstellt.

Die Online-Hilfe startet einen Webbrowser. Dies ist unter EditPreferences konfigurierbar, so daß man für die Benutzung der ausführlichen Hilfe auch ein Programm verwenden kann, das schneller startet als das voreingestellte Mozilla. Ich fand Dillo für diesen Zweck gut geeignet.

Die VM

Parallels erlaubt anders als VMWare noch keine Tabbed-Ansicht von VMs, es kann nur eine VM pro Fenster geladen sein. Offenbar ist es jedoch problemlos möglich, Parallels mehrfach zu starten. Muß ja auch so sein, da andernfalls viele Anwendungsfälle nicht möglich wären.

Eine VM kann gestartet, gestoppt, rebootet und angehalten bzw. fortgesetzt werden. Wenn nach dem Start eine Dialogbox meldet, daß /dev/rtc nicht geöffnet werden konnte, bedeutet das, daß die Zugriffsrechte auf /dev/rtc nicht ausreichen. Das kann man durch Änderung der Permissions oder Gruppenzugehörigkeit von /dev/rtc oder des Benutzers beheben.

Das BIOS der VM besitzt keine Einstellmöglichkeiten. Die Bootreihenfolge läßt sich in der Konfiguration der VM einstellen, wobei man eine zusätzliche Einflußmöglichkeit auf das Bootmedium durch das »Verbinden« und »Abklemmen« von Geräten hat.

Die VM braucht im laufenden Betrieb nur wenig mehr an CPU-Zeit als das Gastsystem. Wenn das Gastsystem untätig ist, benötigt Parallels ein paar Prozent der CPU-Leistung. Ist allerdings der Timer /dev/rtc nicht verfügbar, erhöht sich das auf 100%.

Um das Gastsystem zu bedienen, muß man in das Fenster klicken oder STRG-I drücken. Dann werden Tastatur- und Mauseingaben an das Gastsystem geleitet. Um wieder herauszukommen, muß man STRG+ALT drücken (das ist konfigurierbar, ich stelle es normalerweise auf SHIFT+STRG+ALT ein, da STRG+ALT unter Linux zusammen mit den Funktionstasten und anderen genutzt wird).

Das Ausschalten einer VM dauert relativ lange. Man sollte einfach warten und nicht gleich die Geduld verlieren und versuchen, das Programm zu killen.

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