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Mo, 25. September 2000, 00:00

Tagebuch eines Linuxreisenden, Teil 2

oder

Der 7. Internationale Linux-Kongreß in Erlangen

Vorwort

Vom 20. bis 22. September 2000 fand in Erlangen der 7. Internationale Linux-Kongreß statt. Es folgt ein Bericht zu der Veranstaltung. Da dieser notwendigerweise subjektiv und unvollständig bleiben muß, habe ich ihn wie im letzten Jahr in Form eines Tagebuchs geschrieben. Ich kann schon jetzt versprechen, daß es kein langweiliger Aufguß des letztjährigen Berichts sein wird. Denn erstens habe ich diesmal Fotos, und zweitens war alles ganz anders als letztes Jahr...

Leider hält sich die Zahl der Bilder in Grenzen. Ich habe einfach zu viele gute Schnappschüsse verpaßt, weil ich die Kamera nicht bereit hatte, das Bild verwackelte oder die Belichtung nicht stimmte.

Mittwoch, 20.9.2000

Anreise

Idiotischerweise habe ich mir zum Ziel gesetzt, bis 10 Uhr in Erlangen zu sein. Daher kommt nur eine Bahnverbindung für mich in Frage, und die startet um 5:00 Uhr im Karlsruher Hauptbahnhof. Also stehe ich um 3:30 Uhr auf, dusche, schnappe meine in weiser Voraussicht schon gepackte Tasche, hechte ins Auto und starte durch.

Am Bahnhof erlebe ich die erste Überraschung des Tages: Der Fahrkartenschalter hat noch geschlossen. Er öffnet um 5:30 Uhr, meine Reservierung kann ich damit vergessen. Nun, was soll's, das spart mir vielleicht sogar fünf Mark. Die Fahrkarte ziehe ich aus dem Automaten, der erfreulicherweise alle möglichen Karten akzeptiert. Reise mit der Bahn, dann kannst du was erleben!

Leider ist mein Zug kein IC oder ICE, sondern nur ein IR. Als wir im Bruchsaler Hauptbahnhof halten, wird mir bewußt, daß ich später hätte aufstehen können, wenn ich hier erst eingestiegen wäre. Es ist doch immer dasselbe!

Den Rest der Fahrt, die ereignislos verläuft, verbringe ich im Halbschlaf. Die kurze Strecke von Nürnberg über Fürth nach Erlangen fahre ich im ICE, allerdings in der zweiten Klasse. Die erste Klasse ist ganz am anderen Ende des Zuges, so daß sie wegen der kurzen Zeit und dem unhandlichen Gepäck nicht zu erreichen ist.

Der Altstadtplatz unweit des Bahnhofs

hjb

Der Altstadtplatz unweit des Bahnhofs

Erlangen ist eine Kleinstadt. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man am Bahnhof ankommt. Ganze vier Bahnsteige hat der Bahnhof. Später lese ich mit Erstaunen, daß Erlangen 101.000 Einwohner hat. Ohne Siemens und die große Uni wäre hier aber nicht viel los. Fast 20.000 Studenten sind an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg eingeschrieben. Der größere Teil der Uni und drei Viertel der Studenten befinden sich in dem kleinen Erlangen, nur zwei Fakultäten in dem viel größeren Nürnberg.

Eigentlich habe ich ein Zimmer in einem Gasthaus außerhalb Erlangens gebucht. Doch am Busbahnhof muß ich feststellen, daß von der versprochenen "ständigen Busverbindung" nicht die Rede sein kann. Nach kurzem Überlegen ziehe ich die Notbremse, bestellte das Zimmer ab und suche ein anderes. Ich muß nicht weit gehen, denn im Hotel Tirol direkt neben dem Bahnhof ist noch ein Zimmer frei. Eine gute Wahl, wie sich herausstellen sollte.

Mit minimalem Gepäck begebe ich mich zur Bushaltestelle vor dem Bahnhof. Ein Tages-Fahrschein kostet 5,00 DEM, das ist eigentlich OK. Nach kurzer Zeit erreiche ich die Technische Fakultät und den Linux-Kongreß, wo jetzt um 10 Uhr noch nicht viel los ist.

Das Tutorium

Bei der Registrierung bekommt man eine Stofftasche mit Prospektmaterial, den Tutoriums-Unterlagen, einer SuSE-Tasse und Gratisausgaben von iX und Linux-Magazin ausgehändigt. Während das iX jedoch in der aktuellen Ausgabe 10 vorliegt, legte das Linux-Magazin peinlicherweise die veraltete Nummer 8 bei. Diesen Schnitzer macht man am nächsten Tag wett, als die Ausgabe 10 und auch die Erstausgabe der englischen Version ausliegen.

Nach der Registrierung beginnt der übliche Plausch mit "alten" Bekannten und das Schließen neuer Bekanntschaften :-).

Um 12 Uhr geht es dann mit dem Tutorium los. Mein Tutorium zur Kernel-Programmierung, gehalten von Jes Sorensen, ist mit 60-70 Teilnehmern recht gut besucht. Allerdings kommen viele Teilnehmer zu spät. Das ständige Eintreffen neuer Teilnehmer nervt etwas.

Jes Sorensen, ein Hüne, der trotz leichtem Bauchansatz sehr dynamisch wirkt, ist ein sehr guter Tutor. Er ist immer noch offizieller Maintainer des m68k-Ports (Amiga, Atari, Apple u.a) von Linux und durch seine zahlreichen anderen Kernel-Projekte sehr gut mit der Materie vertraut. Inzwischen ist er bei LinuxCare in Lohn und Brot. Interessant ist, daß auch Kernel-Hacker Rik van Riel als Zuhörer teilnimmt. Ich hätte ihn gerne gefragt, ob er dabei etwas gelernt hat ;-)

Die beiden anderen Tutorien - Jos Vos mit seinem schon mehrfach gehaltenen "Firewall Technologies" und Olaf Kirch mit "Security for Programmers" sind nicht ganz so gut besucht, aber man ist zufrieden.

Da ich schon seit Sonntag unter leichten Magenbeschwerden und allgemeiner Müdigkeit leide, begebe ich mich bald nach dem Tutorium ins Hotel, wo ich noch lange diverse Zeitschriften lese und dann gut und lange schlafe.

Donnerstag, 21.9.2000

Der erste Kongreß-Tag

Bei strömendem Regen mache ich mich auf zum Kongreß. (Mentale Note: Nächstes Mal Regenzeug bzw. Schirm mitnehmen.) Zu nachtschlafender Zeit (aus Hacker-Sicht), um 10 Uhr, geht es los mit der Keynote von Theodore "Ted" T'so zum Thema Dateisysteme. Der Vortrag ist nicht sehr technisch, gibt aber einen guten Überblick über einige der in Linux vorhandenen Dateisysteme und ist zudem noch unterhaltsam. Beispiel: Die Microsoft-Bezeichnung CIFS (Common Internet File System) für das SMB-Dateisystem ist eigentlich drei Lügen in einem Namen: es ist nicht "Common", es taugt nicht fürs Internet, ... Witze auf Kosten von Microsoft sind ohnehin populär an diesen drei Tagen, es gibt ja auch jede Menge Anlaß dazu. Teds Rede wird mit kräftigem Beifall bedacht.

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