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Mi, 27. Juli 2005, 00:00

ApacheCon Europe 2005

Gelungener Neustart der Apache-Konferenz

Konferenz in Stuttgart

Letzten Freitag ging die ApacheCon Europe 2005 zu Ende, die vom 18. bis 22. Juli im Haus der Wirtschaft in Stuttgart stattfand. Die Apache Software Foundation sowie der Software & Support Verlag, der die Konferenz veranstaltete, freuten sich mit mehr als 300 Teilnehmern und einem abwechslungsreichen Programm über einen überaus erfolgreichen Neubeginn. Ein letztes Mal hatte die ApacheCon Europe vor vier Jahren in London stattgefunden, danach hatte die Open-Source-Organisation allein in den Vereinigten Staaten eine jährliche ApacheCon veranstaltet.

Als Austeller waren CAcert.org, das Debian Project, FFII (Foundation for a Free Information Infrastructure), Kernel Concepts, MySQL, PostNuke & PHP-Nuke, thawte, Wikipedia und die Apache Software Foundation selbst vor Ort. Zusätzliche Unterstützung erfuhr die ApacheCon durch die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart und das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg.

In über 70 Seminaren und zahlreichen abendlichen BOF-(Bird of a Feather)-Veranstaltungen, darunter auch eine über das neue Harmony-Projekt, wurden zahlreiche Open-Source-Themen behandelt; vom mittlerweile legendären Apache-HTTP-Server über skalierbare Internet-Architekturen, Web Services, PHP, mod_perl, Java, XML bis hin zu Subversion und SpamAssassin. Unter den Speakern fanden sich so bekannte Namen wie Ken Coar (ASF Director und Vice President), Technology Evangelist Zak Greant, Jim Rivera (Director of Technology bei BEA Systems) und Cocoon-Kopf Carsten Ziegler. Zudem gab es an den ersten beiden Konferenztagen Tutorials, die für einen tiefen Einblick in zahlreiche Apache-Themen sorgten.

Ausgewählte Vorträge

The Origins of the Computer

In der Eröffnungs-Keynote plauderte Dr. Horst Zuse, Sohn des legendären Konrad Zuse, über die Entstehung der Computertechnologie und über die Beiträge, die sein Vater in den 30er- und 40er-Jahren hierzu geleistet hat. Zuse, der in seiner Jugend eher der Zeichenkunst als den Ingenieurwissenschaften zugewandt war (von ihm existieren zahlreiche Aquarelle sowie Werbeplakate für den Autohersteller Ford), zerbrach sich während seines Architekturstudiums darüber den Kopf, wie er die ihm lästigen Rechenaufgaben automatisieren konnte. Diese Überlegungen gingen dann so weit, bis er im elterlichen Wohnzimmer in Berlin-Kreuzberg seine erste Rechenmaschine, die Z1, konstruierte. Die Maschine arbeitete auf Basis mechanischer Relais, was jede Rechenoperation zu einem ohrenbetäubenden Geklapper werden ließ.

Als die Familie vor dem Bombenhagel zu Ende des zweiten Weltkriegs aus Berlin flüchtete, entwickelte er im bayrischen Exil die weltweit erste Programmiersprache, genannt »Plankalkül«. Sie kannte Datenstrukturen, Schleifen, if-then-Konstruktionen sowie Mechanismen zur Fehlerbehandlung. Erster Kunde der 1949 gegründeten Zuse KG war übrigens die Eidgenossenschaftlich-techische Hochschule (ETH) in Zürich.

Während dieser Zeit war ein anderes Unternehmen auf den Newcomer aus Deutschland aufmerksam geworden - und setzte alles daran, ebenso leistungsfähige und noch bessere Rechenmaschinen zu entwickeln. Bereits 1954 hatte es IBM geschafft, von seinem Typ 650 weltweit über 3.000 Stück zu verkaufen, während Zuse von seiner Z5 in Zentraleuropa gerade mal 80 Stück absetzte. Spät, aber dann mit großer Macht bearbeitete IBM den neuen Markt der Rechenmaschinen - nachdem 1944 Big Blue noch davon ausgegangen war, dass ein paar Rechner weltweit ausreichend wären, um alle mathematischen Probleme dieser Welt zu lösen. Bis zum Jahr 1969 lieferte die Zuse KG noch insgesamt 200 Maschinen aus, bevor sie gegenüber der IBM-Konkurrenz die Waffen streckte und das Unternehmen an Siemens ging.

Content Management @ Apache

In der Session »Tools for Content Management and Publishing in Apache« gab Santiago Gala (Vice President der Apache-Portal-Projekte) einen Überblick über die unterschiedlichen CM-Tools, die unter Apache verfügbar sind. Die Palette reicht u.a. von Cocoon und Lenya über Apache Forrest bis hin zu FOP. Auffällig ist dabei, dass zahlreiche Projekte sich mit unterschiedlicher Technik und Architektur teilweise ganz ähnlichen Problemen widmen. Redundanzen innerhalb ihres Projekt-Portfolios stellt für die Apachen indes kein Problem dar, wie Santiago betonte, die beste Technik werde sich am Ende schon durchsetzen.

Mit Apache Forrest (http://forrest.apache.org/) liegt ein Framework vor, das auf Cocoon basierend Entwicklern die Möglichkeit gibt, sog. Single-Source-Publishing-Lösungen zu entwickeln. Per verschiedener Plug-ins für Word, OpenOffice, HTML usw. lassen sich strukturierte Dokumente mit Forrest laden, um dann in beinahe beliebige Zielformate (HTML, XML, PDF, Indesign) konvertiert zu werden. Die Datenhaltung erfolgt dabei in einem Forrest-internen XML-Format, für die Präsentation kommen verschiedene frei konfigurierbare Skins zum Einsatz. Gegen Ende seiner Präsentation gab Ferdinand Soethe, Vortragender und Forrest-Committer, seinen Zuhörern ein paar Leitsätze mit auf den Weg: »Plan to spend some of the license fees saved« und »Don't assume that open source is easier to learn than commercial software«.

Behind the Scenes

Danach konnten die Teilnehmer in dem Vortrag »Behind the Scenes of the Apache Software Foundation (ASF)« von Lars Eilebrecht einen guten Einblick erhalten, wie die ASF funktioniert. So erfuhr man, dass 95.000 Subscriber über 270 Mailing-Listen kommunizieren. Ferner wurde betont, dass die ASF eine Organisation von Freiwilligen ist und keine Firmen, sondern nur Individuen beitreten können.

Software-Patente in Europa

Die letzte Keynote der Veranstaltung hielt Jan Wildeboer von FFII, der in einem amüsant gehaltenen Vortrag »Software Patents in Europe - Where we are, where we are heading« anhand einer historischen Rückschau (vom 15. Jhdt. bis heute) in das Thema einführte, um dann die These aufzustellen, dass in der nahen Zukunft Open-Source- und Free Software in Gefahr seien. Um dem zu entgegnen, müsse man für eine freie Gesellschaft eintreten und dafür, dass die Mega-Unternehmen nicht die Patentgesetze definieren, wie das teilweise in der Vergangenheit bereits geschehen ist.

Community

Hervorgehoben werden muss aber schließlich noch der Community-Aspekt der Veranstaltung. So kamen anlässlich der Konferenz die Köpfe so mancher ASF-Projekte zusammen, um die Richtung der nächsten Monate für ihr jeweiliges Projekt zu bestimmen. Und über die gesamte ApacheCon sah man immer wieder die Beteiligten miteinander in Pausen, nach den Sessions und während der BOFs interessante Themen erörtern und Probleme diskutieren, so dass man resümierend feststellen kann, dass die ApacheCon durchaus stellvertretend für eine lebhafte und gewinnbringende Auseinandersetzung zum Thema Open Source stehen kann.

Referenzen

Dieser Artikel ist auf entwickler.com erschienen; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.

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