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Mo, 13. März 2006, 00:00

Interview mit Michael Shiloh von LinuxRobots

Michael Shiloh startete vor kurzem LinuxRobots, wo er die Möglichkeit bietet, einen autonomen Roboter übers Internet zu programmieren und zu steuern, und Informationen zu Linux-Robotern zusammentragen will. Thomas Schönhoff von Pro-Linux fragte nach.

Michael Shiloh erklärt den Roboter

Thomas Schönhoff

Michael Shiloh erklärt den Roboter

Pro-Linux: Könnten Sie etwas zu Ihrer Person und Ihrem Hintergrund für unsere Leser sagen?

Michael Shiloh: Ich interessierte mich eigentlich schon immer für Elektronik und alle Neuheiten aus diesem Bereich seit meiner frühesten Jugend. Ich wuchs in den späten 50ern und den frühen 60er Jahren in Israel auf. Zu dieser Zeit gab es für Kids kaum Möglichkeiten für ein derartiges Hobby, also lernte ich soviel wie möglich aus Büchern und durch das Zerlegen von Sachen. Ein Freund gab mir dann einen alten Heathkit-Katalog, den ich wieder und wieder gelesen habe. (Ich dachte damals, dass in den USA jedes Kind all die im Katalog aufgeführten Dinge tatsächlich besäße).

Als ich neun Jahre alt war, zogen wir in die USA, wo ich dann endlich Zugang zu einer Vielzahl ausgemusterter elektronischer Geräte hatte. Ich baute daraus einfache Dinge wie Verstärker oder Elektro-Fahrzeuge. Ich interessierte mich damals auch schon für Roboter und Computer, aber zu dieser Zeit war das Bauen solcher Geräte nichts als ein bloßer Traum. Ich habe dann aus Lampen und anderen Dingen meine ersten Traum-Roboter zusammengebaut.

Mit 15 Jahren bin ich dann zurück nach Israel, wo ich einen Artikel über Hobby-Roboter in einem Magazin fand, den IMSAI 8080, das war etwa 1974 oder 1975. Das war wirklich aufregend, da die Möglichkeiten zum Experimentieren damit unendlich schienen.

Einige Zeit später bin ich dann nach Kalifornien, um Elektrotechnik und Informatik zu studieren. Da rückte die Möglichkeit zur Realisierung von Robotern und Computern plötzlich ganz nahe, nach Abschluss des Colleges wurden Computer tatsächlich zu meinem ersten Job als Hardware-Ingenieur, später mehr als Programmierer und letztlich spezialisierte ich mich auf den Embedded-Bereich, dann auf die Schnittstelle zwischen Soft- und Hardware. Das brachte mich in Kontakt mit Industrierobotern.

Soweit ich zurückdenke, war ich immer an Robotern interessiert. Ganz besonders haben mich Experimente und Projekte interessiert, die nicht immer einen offensichtlichen Nutzen hatten, mir aber trotzdem interessant erschienen. Ich bin dann 1994 auf SRL gestoßen und und habe mich der Gruppe angeschlossen, die Roboter baute und diese dann in Shows als Hauptdarsteller auftreten ließ. Damals wurde mir klar, dass Roboter nicht unbedingt immer einen praktischen Nutzen haben müssen, um wirklich interessant zu sein. Ich habe bei SRL eine Menge über die verschiedenen Aspekte der Herstellung von Robotern gelernt.

Pro-Linux: Welche Einstellung haben Sie zu Open Source und freier Software (FOSS)?

Michael Shiloh: Ich denke, dass FOSS weit über den Software-Bereich hinaus eine Revolution ist, die auch insgesamt unsere Lebensart beeinflusst. Mein Roboter folgt dieser Philosophie, nicht nur durch den Einsatz von FOSS, sondern indem ich Leuten Anregungen zu dessen Programmierung oder ihnen Anstöße zum Bau ihres eigenen Roboters gebe. Mir gefällt der Gedanke, dass ich anderen Menschen eine Roboter-Plattform zur Verfügung stellen kann, die selbst über keine verfügen. Nochmal zu FOSS, ich benutze es in der Arbeit, ich benutze es zum Spielen, ich würde ohne FOSS viele Dinge gar nicht tun können. Es ist ein Tool, eine Inspiration, eine Motivation. Um es mit den Worten von Newton zu umschreiben: Ich vermag all das zu tun, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe. Ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass die Menschheit mit dem Teilen von Wissen und Kooperation weitaus mehr erreichen kann als durch die Geheimhaltung von Ideen.

Pro-Linux: Können Sie etwas mehr zu Ihrer Motivation für das Projekt Linuxrobots.org sagen?

Michael Shiloh: Ganz einfach. Als ich meinen ersten Linux-Roboter baute, habe ich mich erstmal umgeschaut, um etwas von ähnlichen Projekten zu lernen. Tatsächlich habe ich einige vergleichbare Projekte gefunden, aber ich war erstaunt festzustellen, dass es weder eine Community noch eine Mailingliste als Forum für das Kommunizieren von Ideen gab. Also dachte ich, dann mache ich es eben selbst. Es hat mich dann ziemlich überrascht, dass die Domain linuxrobots.org überhaupt noch zu haben war.

Zur Zeit fokussiert sich die Website noch ausschließlich auf meinen Roboter, aber langfristig soll es nicht so bleiben. Ich möchte auch andere Roboter und ihre Erbauer, Hobbyisten oder Wissenschaftler, alle, die an einem Ideen-Austausch interessiert sind, ansprechen. Ich hoffe, dass sich auch eure Leser davon angesprochen fühlen.

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