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So, 6. April 2008, 00:00

OpenStreetMap

Vorwort

Cover von OpenStreetMap

Hans-Joachim Baader (hjb)

Cover von OpenStreetMap

In »OpenStreetMap. Die freie Weltkarte nutzen und mitgestalten« stellen die Autoren Frederik Ramm und Jochen Topf, die beide im Projekt engagiert sind, die Konzepte, Nutzung und Pläne von OpenStreetMap vor. OpenStreetMap ist ein Projekt, das nach eigenen Angaben zum »Wikipedia der Kartografie« werden soll. Es hat sich zum Ziel gesetzt, eine frei nutzbare und erweiterbare Karte der gesamten Welt zu erstellen, nicht mehr (vielleicht) und nicht weniger. Dass dies eine gigantische Aufgabe ist, ist angesichts der Größe der Erde klar.

Es liegt aber auch auf der Hand, dass das Sammeln und Verarbeiten von Geodaten zur Zeit ein heißes Thema ist. Man kann es am Boom der Navigationsgeräte (»Navis«) ebenso sehen wie an der Beliebtheit von Online-Satellitenbildern, Karten und Routenplanern, seien es Google Earth/Maps oder konkurrierende Dienste und Programme.

Das Buch

»OpenStreetMap. Die freie Weltkarte nutzen und mitgestalten« ist mit 288 Seiten nicht allzu umfangreich ausgefallen. Es besitzt in der Mitte 32 Seiten mit Farbtafeln, die natürlich eine sehr viel bessere Darstellung von verschiedenen Sachverhalten ermöglichen als die Schwarz-Weiß-Abbildungen, auf die man sich im restlichen Teil des Buchs beschränken musste.

Sicher hätte man das Buch durchgehend farbig gestalten können, dadurch wäre es aber meiner Schätzung nach etwa 10 Euro teurer geworden. Gegenüber dem auf rein weißem Papier gedruckten Farbteil kommt mir das Papier im Rest des Buchs ziemlich gelbstichig vor, doch vielleicht ist das eine optische Täuschung.

Im Vorwort bezeichnen die Autoren das Vorhaben, ein Buch über OpenStreetMap (OSM) zu schreiben, als genauso unmöglich wie das Projekt selbst. Diesen Pessimismus halte ich für übertrieben, schließlich ist ja etwas Vernünftiges dabei herausgekommen. Sicher ist OpenStreetMap ein Projekt, das stark im Fluss ist und sich noch lange nicht gefestigt hat, so dass einige Informationen des Buchs in einem Jahr veraltet sein dürften. Das ändert aber nichts daran, dass es den aktuellen Zustand des Projekts korrekt beschreibt.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert: Einführung, OpenStreetMap für Mitmacher, OpenStreetMap-Karten und Hacking OpenStreetMap. Der erste Teil ist mit den Kapiteln »Auf dem Weg zur freien Weltkarte« und »Die OpenStreetMap-Community« kurz. Der zweite Teil beschreibt auf 90 Seiten, wie man beim Erstellen und Bearbeiten von Karten in der Praxis vorgeht. Er beginnt mit Informationen zu GPS und warum man mit GPS trotz der Auflösung von zehn Metern ausreichend genaue Ergebnisse erhält. Die Aufzeichnung von Daten wird geschildert, der aber einige Nachbearbeitungsschritte folgen müssen, damit daraus brauchbare Daten für OSM werden. Zu diesem Zweck stellen die Autoren das OSM-Datenmodell, die Darstellung von Karten und diverse Editoren vor und gehen auch auf lizenzrechtliche Fragen ein, ohne diese jedoch endgültig klären zu können. Im Zweifelsfall kann eben nur ein Jurist weiterhelfen.

Im Teil 3 werden die OSM-Karten im Detail vorgestellt. Die Autoren beschreiben, wie sie auf den Servern gespeichert werden und wie die Generierung von Grafikdateien durch eine Anfrage übers Web angestoßen wird. Wie man Zugriff auf die Daten erhält, ist das nächste Thema. Danach werden die beiden derzeit wichtigsten Rendering-Methoden (Generierung der Grafiken aus den Daten) im Einzelnen beschrieben, so dass man durch Anpassung der Regeln in die Lage versetzt wird, auch eigene, spezialisierte Karten generieren zu können.

Einige GPS-Geräte erlauben das Installieren von eigenem Kartenmaterial. Für eines dieser Geräte wird beschrieben, wie man das benötigte Format generiert, so dass die OSM-Daten von diesem Gerät genutzt werden können. Dies bildet fast schon eine Überleitung in den Teil 4, in dem Software-Entwickler und Server-Betreiber auf ihre Kosten kommen. Vor allem beschreibt dieser Teil, wie man Code zu OSM selbst beiträgt, aber auch, wie man die OSM-APIs zur Entwicklung eigener Software nutzen kann. Mögliche Anwendungen können so im Bereich der Navigation und Routenplanung, aber auch als Webdienste entstehen. Ein Anhang mit einer kurzen Einführung in die Geodäsie und einer Liste von Software, die für OSM relevant ist, rundet das Buch ab. Der Index ist relativ ausführlich ausgefallen und lässt die Leser zu jedem Stichwort schnell die gewünschte Information finden.

Es ist sicher kein Zufall, dass das Buchcover einen Ausschnitt aus der Karte von Karlsruhe zeigt, mit Schloss und Universität im Zentrum und Rheinhafen auf der Rückseite. Beide Autoren haben ihre Heimat in Karlsruhe und außerdem ist die Stadt eine der ersten in Deutschland, die vollständig in OSM kartiert ist. Inwieweit die Autoren selbst an der Kartierung beteiligt waren, könnte man in den Kartendaten nachsehen; ich vermute allerdings eher einen Zusammenhang mit der hohen Zahl von Studenten in der Verwaltungs- und Universitätsstadt.

Fazit

»OpenStreetMap. Die freie Weltkarte nutzen und mitgestalten« ist eine gelungene Einführung in das OpenStreetMap-Projekt. Neben Hintergrundinformationen über das Projekt, die man sich natürlich auch über die Webseite selbst zusammensuchen kann, bietet es auch einen praktischen Leitfaden für die Erstellung oder Bearbeitung von Karten. Alles ist ausführlich und schön übersichtlich geschildert und dürfte den einen oder anderen Leser dazu anregen, gleich einmal selbst auf Tour zu gehen und mit dem Beisteuern von Daten anzufangen.

Zur praktischen Nutzung der Karten und Geodaten ist OpenStreetMap hierzulande, zumindest in großen Teilen, noch nicht weit genug. Aber das wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit ändern, und dann ergeben sich faszinierende neue Möglichkeiten: Routenplaner auf der Basis von freien Daten (die Algorithmen sind ohnehin bekannt, so dass eine Implementierung als freie Software kein Problem darstellt), Karten zu nahezu beliebigen Themen und vieles mehr.

Je größer das Projekt wird, desto mehr wird es sich natürlich auch organisatorischen Problemen widmen müssen, ähnlich wie Wikipedia. Man kann dem Projekt nur wünschen, dass es diese Herausforderungen erfolgreich bewältigt, und wenn das Buch von Frederik Ramm und Jochen Topf dazu beitragen kann, umso besser.

Fakten

Jahr: 2008
Autor: Frederik Ramm, Jochen Topf
Preis: 29,95 Euro
Umfang: 288 Seiten
Verlag: Lehmanns Media
Homepage
ISBN: 3-86541-262-9

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