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Mi, 17. März 2004, 00:00

Interview mit MirOS-Entwickler

In diesem Frage- und Antwort-Spiel verrät uns Thorsten Glaser, Gründer und Entwickler des MirOS-Projektes, was MirOS so in sich hat.

Von dkg

Wie kam es zu MirOS?

Wie auch auf bsdadvocacy.org beschrieben, war ich unzufrieden mit dem gegenwärtigen Zustand des Betriebssystems, das ich gerade liebgewonnen hatte - OpenBSD. Ich habe versucht, es zu verbessern, und bin gegen eine Wand namens Theo de Raadt gelaufen. Da er auch sehr politisch ist, habe ich dann, nachdem als Stein des Anstoßes mein Port von wtf(6) von NetBSD abgelehnt wurde und Theo klarifiziert hat, daß ich nie in sein Team kommen würde, geforkt - zunächst als Patchkit (unified diffs, heute noch verfügbar, leider nicht die ältesten), dann mit eigenem CVS, als sich abzeichnete, daß die Kluft zu groß werden würde, und es via CVS einfacher zu warten war. Ich hatte auch OpenCM in Erwägung gezogen, da Todd Fries, OpenBSD-, OpenCM- und IPv6-Advokat, mir davon erzählt hatte und ein weiterer Ent- wickler erwähnt hat, daß OpenBSD in 5-6 Jahren darauf umstellen werde, aber nach dem Angucken und dem Kommentar von Todd (with what you are doing, you would need like 6-8 GB of RAM - und damals hatte ich gcc 3 und XFree86 noch nicht im- portiert) dann doch das abgehangene CVS genutzt, da ich damit auch seit längerem meine persönliche Homepage verwaltete und es intuitiv und die Texinfo-Doku recht gut war.

Später sind dann Leute, die erst gemeckert hatten (i386-only, kein NLS? bah!), dazugestoßen, und es ist auch zu einem Sparc-Port gekommen.

Was macht MirOS so besonders und was hebt es von den anderen ab?

Da MirOS auf OpenBSD basiert, hat es im wesentlichen dieselbe Codequalität, und damit auch die Sicherheit. Außerdem wurden Unmengen von wenig genutztem und schlecht oder gar nicht gewartetem Code (iBCS2, SunOS-, Ultrix-Emulation; Kerberos, AFS, YP/NIS+) entfernt, wodurch schon ein lokaler Root-Exploit weniger vorhanden war. Zusätzlich bieten wir IPv6-Support im Apache und an einigen anderen wichtigen Stellen wie dem Installer, und schon früher als OpenBSD das ELF executable format (allerdings mit Hilfe der Open- und NetBSD- Entwickler) und den GCC 3 - mittlerweile mit allen Sprachen, sogar Ada, und zusätzlich noch Pascal.

Zusätzlich arbeiten wir daran, existierenden Code zu verbessern oder, wo er eklig ist, neu zu schreiben (siehe unten), um das Betriebssystem, was optimal im Serverumfeld und trotzdem benutzbar im Desktop-Umfeld (Entwicklerdesktop, kein Klickibunti - KDE und GNU GNOME funktionieren trotzdem) ist, noch besser zu machen. Wir übernehmen auch viel Code von NetBSD und (recht wenig) von FreeBSD an Stellen, wo wir denken, daß die Kollegen es besser gemacht haben - mit dem Ergebnis, daß der WineX funktionieren "sollte". Eine weitere Annäherung an Net- oder FreeBSD ist wegen vieler Unterschiede und auch Geschmacksfragen (/etc/rc.d - nur über meine Leiche) allerdings nicht erwünscht.

Wir führen an einigen Stellen die Verbesserungsprozeduren von OpenBSD konsequent fort (Lizenzen: GNU FDL entfernen; unsichere Stringfunktionen entfernen: auch in den GNU-Tools, wo möglich; Codesauberkeit und -einfachheit: Entfernen von Bloat), sind aber im Gegenzug nicht so politisch. Auch helfen wir anderen Projekten (ekkoBSD beim Einrichten von deren CVS; der FFII durch Spenden).

Was sind die Nachteile bei MirBSD?

Wir haben nur zwei Hauptentwickler, Student bzw. Azubi, und daher sind wir in Zeit-, Personal- und Geldmangel (was sich auch auf die Downloadmöglichkeiten auswirkt). Daran wird allerdings gearbeitet - einige der User sind fähig genug, bei dem MirPorts-Framework mitzuhelfen, wir selber lernen dazu und arbeiten für drei, und ein Dedicated Server ist bestellt, von dem aus dann drei statt wie bisher nur ein Mirror bedient wird (gwdg.de und 42h.de kommen hinzu). Außerdem planen wir, neue Versionen und Snapshots auch als Torrents herauszugeben.

Die Zielgruppe kann auch als Nachteil gewertet werden - so ist die BSD-Politik "use the right tool for the job" zwar kein Hindernis für mich, den WineX ans Laufen zu bringen (bzw. es zu versuchen...), aber für Computerspiele ist Microsoft Windows doch empfehlenswerter. Auch sind Sachen wie NLS (national language support) als unnötig angesehen - wer also gerne Meldungen wie "Kein Weltraum links auf dem Gerät", "Pfeife zerbrochen" und "ping: Zeitüberschreitung der Anforderung" haben will, ist mit FreeBSD, AIX, Windows oder GNU besser bedient. Schließlich ist MirOS ein System, das auch die Zielsysteme einschränkt - SMP ist weder vorhanden noch gewünscht, und Clustering auch nicht verfügbar (AFAIK), wir sehen mehr Chancen im Bereich "kompakte Kommunikationsserver/-router" und eben Entwicklerdesktops (die ohne viel Bloat und bunte Animationen). SMP würde bedeuten, 90% des nicht-Treibercodes im Kernel komplett neuzuschreiben - danach wäre es kein BSD mehr, voll von Fehlerquellen und instabiler. Im Gegenzug bringt SMP nicht genug, um das rechtfertigen zu können. Anime gucken geht aber ;-)

Die Festplattenperformance. (Wer mehr haben will, kann den Festplattenschreibcache wieder einschalten, softdep aus und async an, und noatime an. Aber dann ist die Datensicherheit nicht mehr garantiert, und somit wäre es nicht (viel) besser als GNU/Linux.)

Was bietet die neue MirBSD Ver. 7?

Hehe, die "neue" Version #7 ist im Dezember herausgekommen, und seither hat sich (siehe unten) eine Menge getan. Im Wesentlichen ist die Version #7 die erste, die auf Sparc läuft und eine Codequalität hat, mit der ich mich traue, MirOS-basierte Systeme (Server/Router) Leuten zu verkaufen; daher wurde auch ein -stable branch ähnlich OpenBSD eingerichtet. Im wesentlichen sind zwar auch aktuelle Entwicklerversionen (-current) recht stabil, aber #7-stable ist ein gutes Fundament, auf dem auch die gängige Standardsoftware läuft. Zwischen #6 (LinuxTag Special Edition) und #7 gab es eigentlich sehr wenig nennenswerte Änderungen, aber dafür um so mehr Verbesserungen im Detail. So wurden zum Beispiel Änderungen gegenüber OpenBSD an einer Stelle auch auf andere Stellen übertragen, um ein in API, Verhalten und Usability einheitlicheres System zu haben. Außerdem wurde die ISDN-Codebase erneuert.

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