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Di, 17. Juli 2001, 00:00

Vortrag: »Freie Software für eine Freie Gesellschaft«

Vortrag von Stefan Merten, Projekt Oekonux

Wie sieht eine GPL-Gesellschaft aus? Wie lebt man in ihr und was ist in einer solchen Gesellschaft alles möglich? Diese Fragen hat uns Merten von seinem Standpunkt aus näher gebracht. Er erklärte auch als kleine Einführung, was Freie Software überhaupt ist und was für Besonderheiten sie hat. Danach zeigte er den Weg in die GPL-Gesellschaft und ihre Perspektiven.

Nun, aber was ist jetzt Freie Software? Freie Software heißt vor allem FREIHEIT und nicht nur kostenlos erhältlich. Es gibt da die 4 Freiheiten, an denen man Freie Software erkennen kann.

  1. Benutzung zu jedem Zweck, das heißt, daß ich das Programm zu jedem erdenklichen Zweck verwenden kann, und nicht nur für den Zweck, für den es eigentlich programmiert worden ist.
  2. Studieren und Anpassen der Software. Ich kann sie anpassen, sie mir ganz genau anschauen und mir den Quelltext reinziehen. Alles das darf ich.
  3. Kopieren und weitergeben an Freunde, Bekannte und anderen, ohne Angst zu haben, dass mich Anwälte und hohe Bußgelder davon zurückhalten.
  4. Verbessern und zum allgemeinen Wohl weitergeben.

Die Besonderheiten daran sind, daß sich die Entwickler/innen hier ganz persönlich um ihre eigenen Probleme kümmern und dafür auch ihre eigenen Lösungen finden und diese auch an andere weitergeben. Sie verwirklichen sich dadurch selber.

Wir befinden uns gerade auf einem Weg in eine GPL-Gesellschaft, so Merten. Die kommerziellen Einflüsse, die auf Linux einwirken, werden immer mehr. Gerade große Firmen (Distributionen wie SuSE oder Red Hat) und Hardware-Hersteller (wie NVIDIA, Siemens, IBM) engagieren sich im diesem Bereich immer mehr. Dabei schützen verschiedene Lizenzen die Freie Software so, daß man sie auf keinen Fall kommerziell machen kann. Allen voran ist da die GPL. Und Merten sagt auch, das Lohnarbeit und Selbstverwirklichung sich total wiedersprechen. Er zieht da eine ganz klare und harte Grenze. Freie Software kann nur geldfrei entstehen. Und Freie Software wird immer wichtiger. Gerade auf Linux-Desktops, Embedded Systems und High End Systemen ist in der letzten Zeit eine stürmische Entwicklung zu beobachten. Dabei ist Freie Software kein einfaches Hobby. Man steht immer in direkter Konkurrenz zu Waren, sie hat einen hohen gesellschaftlichen Nutzen und es sind moderne Produkte. Nicht zu vergessen ist, daß sie international entstehen, womit einige Firmen ein Problem haben, das auch alles zu koordinieren.

Merten sieht Freie Software genauso wertlos an wie die Luft zum Atmen. Sie hat einfach keinen Wert. Sie ist da, sie wird eingeatmet. Hier herrscht Kooperation statt Konkurrenz.

In einer Utopie stellte er uns seine Variante der GPL-Gesellschaft vor. Die Arbeitsgesellschaft wird überwunden und es gibt keine Arbeit und kein Geld mehr. Kein Tausch und auch kein Geld und keine Entfremdung. Informationen und Güter stehen frei zur Verfügung. Und die Idee der Freien Informationsgesellschaft bekommt immer Zulauf. Und in dieser Gesellschaft wird die materielle Produktion nur ein Anhängsel der Informationsgesellschaft sein. Als Informationsgesellschaft versteht er die GPL-Gesellschaft.

In einer Vorlesung aus dem Stück "Das utopische Klo" erklärte er die Entwicklung einer Toilette, die jede Bedürfnisse befriedigen soll. So hat er uns ein Beispiel gegeben, wie man in einer solchen Gesellschaft arbeiten und entwickeln wird. Der Text stammt von Annette Schlemm und ist auch auf der Oekonux-Homepage nachzulesen.

Zum Abschuß rief Merten noch dazu auf, den Gedanken der Freien Software weiterzutragen und ihn zu pflegen, indem wir sie selber nutzen, Bug-Reports schreiben, es weiter empfehlen oder selber mitentwickeln. Vielleicht würden wir selber auch mal ein freies Projekt gründen und auch eines Tages auf dem LinuxTag einen Vortrag halten.

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