SuSE 6.3
Die Konfiguration
Durch den Einsatz von YAST2 wurde das System weitgehend gut konfiguriert. Es bedarf nur sehr wenig Arbeit, damit das System perfekt läuft. Nach wenigen Mausklicks findet der User ein sehr gut vorkonfiguriertes System vor. Die Einbindung der Grafikkarte erfolgte ohne manuelle Eingabe im Hintergrund. Nachdem Linux installiert wurde, startet das System sofort in grafischem Gewand.
Was mich aber trotz allem zum Stutzen brachte, war die Tatsache, daß Samba bei einer Standard-Konfiguration installiert wurde und das Programm gleich beim Start schon gestartet wurde. Durch das automatische Starten von Samba wird nicht nur das System durch das unnötige Verbrauchen von Ressourcen gebremst, sondern auch der anfängliche User sehr verwirrt. Kaum ein Anfänger wird Samba gleich einsetzen wollen. Diese wählen aber in der Regel die »Standard-Option« als ihre Startoption aus, was auch das Starten von Samba nach sich zieht.
Die Konfiguration des zweiten Systems stellte sich als schwieriger als die des ersten heraus. YAST bietet z.B. keine Option zur Konfiguration von hosts. Will der User mehrere Virtual-Hosts bei Samba benutzen, so bleibt es ihm nicht erspart, diverse Einträge manuell in die Konfigurationsdateien einzutragen. Leider geht in diesem Punkt YAST sehr diktatorisch vor und löscht ohne Nachfrage und ohne ein Backup der Dateien zu erstellen, alle manuellen Einträge.
Schaltet man dagegen die automatische Konfigurationshilfe aus, so kann es unter Umständen passieren, daß wichtige Parameter bei der Installation eines Programmes nicht korrekt eingetragen werden. Eine Lösung in dieses Hinsicht sollte SuSE in seine nächste Distribution einbauen.
Ansonsten wurde auch hier das System weitgehend gut konfiguriert und bedurfte nur weniger manueller Änderungen. Das Sorgenkind GNOME wurde auch unter SuSE zu einem wirklich stabilen Programm, ohne daß der Benutzer wie in der Vergangenheit mit Abstürzen rechnen muß.
Pakete
SuSE spendierte seiner Distribution eine sehr beachtliche Anzahl von Programmpaketen, was besonders Benutzer exotischer Software erfreuen wird. Die Auswahl dieser Pakete bei der Installation beschränkt sich bei YAST2 lediglich auf das Auswählen einer Kategorie. Eine manuelle Korrektur ist nur noch im installiertem System möglich. YAST1 kommt dagegen mit der bewährt-chaotischen Installationsroutine daher. Die Gliederung der Rubriken erlebte nur sehr wenige Änderungen, was eine sehr lange Suche bei der Installation bestimmter Pakete nach sich zieht. Erwähnenswert ist dagegen die sehr große Anzahl von Programmen, die SuSE seiner Distribution beilegt.
Außer freier Software findet der User Demo-Versionen diverser kommerzieller Spiele (Civilization: Call To Power, Railroad Tycoon II Gold Edition), sowie freie OEM-Versionen diverser Programme. Besonders erfreulich ist die Tatsache, daß SuSE seinem Produkt eine OEM-Version von »Open Sound System« spendierte, mit dessen Hilfe die Einrichtung einer Soundkarte zum Kinderspiel wird. VMware, StarOffice 5.1 und WordPerfect 8 runden das kommerzielle Umfeld ab.
Nicht nur kommerzielle Software fand Platz auf den sechs CDs des Nürnberger Herstellers. Perlen der freien Softwareszene wie Advanced Linux Sound Architecture (ALSA), Gimp 1.1.11, KDE 1.1.2 sowie Gnome 1.0 stellen nur einige der überragenden Programme dar, die Platz auf dieser Distribution fanden. Alle verfügbaren Pakete an dieser Stelle zu erwähnen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. An dieser Stelle stellt SuSE eine wirkliche Spitze aller Distributionen dar. Kaum ein Anbieter beliefert seine Kunden mit so einer großen Paketauswahl.
Allgemeine Bedienung
Das installierte System bedarf nur weniger Änderungen. Will man SuSEs Linux nur zu Test- oder Arbeitszwecken benutzen, so kann die Konfiguration des Systems vollständig unter YAST erledigt werden.
Die Anbindung des eigenes Rechners ans »Netz der Netze« wird ebenfalls unter YAST erledigt. Dabei setzt SuSE in gewohnter Manier auf das Tool »WvDial« in der Version 1.40. Erfreulich an diesem Werkzeug ist die Tatsache, daß außer einem Provider bereits Call-by-Call Provider eingerichtet wurden. So kann der Benutzer einer SuSE 6.3 ohne nennenswerte Schwierigkeiten den Provider innerhalb weniger Augenblicke ändern.
Weniger erfreulich an SuSE ist die Geschwindigkeit. Setzte man in der Vergangenheit andere Produkte ein, so fällt es einem leicht auf, daß SuSEs System in vieler Hinsicht sehr langsam agiert. Eine der Ursachen für diesen Zustand ist die sehr großzügig dimensionierte Boot-Politik. SuSEs Sprößling startet unaufgefordert sehr viele Pakete beim Booten, ohne daß es vom User gewollt ist. Eine Lösung, wie sie bereits unter anderen Distributionen selbstverständlich ist, wäre hier sehr wünschenswert. Zwar besteht die Möglichkeit, einen Einfluß auf den Bootvorgang zu nehmen, indem die Datei rc.config entweder manuell oder vom YAST aus geändert wird; dies scheint aber nicht der vernünftige Weg zu sein. Bei so vielen Einträgen in dieser Datei und einer englischen Erklärung der Parameter wird sich wohl manch einer sehr schnell überfordert fühlen. Das grafische Auswählen der Programme mit deutscher Menüführung wäre das mindeste, was einem User hier geboten werden kann. Ärgerlich ist auch, daß YAST ohne Nachfrage Änderungen der User überschreibt. Hier sollte SuSE auch Abhilfe schaffen.
Fazit
SuSE Linux stellt eine sehr ausgereifte Distribution dar, die den User immer wieder mit neuen Funktionen überrascht. Leider versucht das Paket immer noch das ganze Hardware-Spektrum der Intel-basierten Plattformen abzudecken, was dazu führt, daß User Geschwindigkeitseinbußen in Kauf nehmen müssen. Es ist deshalb um so unverständlicher, warum immer noch Rechner mit einem 386-Prozessor unterstützt werden. Die Zielgruppe, die diese Art von Rechnern benutzt, dürfte angesichts der etwas betagten Technik minimal sein.

