Tausend Tage Tux in Treuchtlingen
Informationsveranstaltung zum Linux-Einsatz
Warum soll freie Software eingesetzt werden? Welche Wege kann ich bei der Umstellung gehen? Wo bekomme ich weitere Informationen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Manuel Schneider, Informatiker und Mitarbeiter der Internet-Plattform Open-Government.org. Er begründete die Entscheidung für freie Software weniger mit der Kostenersparnis als mit Flexibilität, Sicherheit und der freien Wahl von Soft- und Hardware. Proprietäre Software setzt bestimmte Hardware voraus, Linux dagegen läuft auch allen üblichen Plattformen. Da eine IT-Infrastruktur eine durchschnittliche Lebensdauer von fünf Jahren hat, stehen die Verantwortlichen regelmäßig vor der Entscheidung, neue Technologien einzuführen - dies ist der passende Moment, Open-Source-Software für den Einsatzzweck zu prüfen. Schneider extrahierte drei mögliche Stufen, wie freie Software eingeführt werden kann. Dabei wird unnötiger Schulungs- und Konfigurationsaufwand vermieden, indem zuerst freie Software auf dem herkömmlichen Desktop eingesetzt wird. Serverseitig können fast alle Umstellungen für den Benutzer transparent durchgeführt werden, da UNIX-Systeme alle existierende Netzwerkdienste zur Verfügung stellen können. Bei einer späteren Migration der Arbeitsplätze auf ein freies Betriebssystem kann dann die Konfiguration der vorher genutzten freien Software einfach übernommen werden, eine weitere Schulung ist dann nur noch für das Betriebssystem notwendig. Informationsplattformen versuchen zur Zeit, verschiedene Hersteller zu etablieren, wie Novell und HP mit Linux-Kommunale oder IBM mit OSEG. Aus den Erfahrungen der Stadt Treuchtlingen ging die freie und unkommerzielle Plattform Open-Government.org hervor, auf der man nun versucht, weitere Städte zum Informationsaustausch zu gewinnen. Zusätzlich bietet der Linux-Verband seinen Mitgliedern den Arbeitskreis Public Sector an.
Ist Linux für den Endanwender geeignet? Eva Brucherseifer, Geschäftsführerin der Firma basyskom, beschäftigt sich mit der Usability des Linux-Desktops. Sie sprach hier im Speziellen von der Desktop-Plattform KDE. Dieser Linux-Desktop, welcher auch in der Stadt Treuchtlingen eingesetzt wird, wird ständig auf Usability und Konsistenz geprüft. Die Ergebnisse fließen dann direkt in das Projekt ein. Auch weitere freie Software wie OpenOffice.org und GTK-basierende Software wird angepasst, um diese besser in den Kdesktop zu integrieren. Wichtig, so Brucherseifer, sei es, dass von der Benennung der Funktionen und Menüs, über das Aussehen (Look) bis zu den Arbeitsabläufen (Feel) alles einheitlich gestaltet ist. Nur damit kann ein Anwender zufrieden gestellt und ihm ein Werkzeug zu effizienteren Arbeit gegeben werden.
Andreas Koch, Sales Manager der Firma SUN, stellte den neuen Java Desktop vor, ein Bundle aus Betriebssystem, Desktop, Office- und Internet-Applikationen. Als Betriebssystem kann der Kunde zwischen SuSE Linux oder Solaris wählen, während die Desktop-Oberfläche mit Gnome vorgegeben wird. Als Office-Applikation kommt das eigene Produkt StarOffice zum Einsatz. Mailen und browsen kann der Kunde mit Evolution und Firefox. SUN bietet zusätzlich zum Produkt außerdem eine Indemnification Policy an - sofern der Kunde sowohl Hardware als auch Software und Support von SUN bezieht deckt, die Firma SUN alle Ansprüche aus Klagen von SCO gegen Linux-Nutzer in Höhe von 2 Mio. US-Dollar ab.
Rechtliche Aspekte rund um das Surfen und E-Mailen am Arbeitsplatz und die daraus entstehenden Fallstricke für Administratoren und Firmen zeigte Michael Sopart der Firma SurfControl auf. SurfControl bietet ein Firewall-System an, welches Contentfiltering, Spam- und Virenschutz vereint. Seiner Aussage nach ist nach der aktuellen EU-Richtlinie jede Firma dazu verpflichtet, geeignete Maßnahmen zur Absicherung der eigenen IT-Infrastruktur zu ergreifen. In der Formulierung »geeignete Maßnahmen« stecken bereits viele Probleme - selbst Price-Waterhouse-Coopers, so Sopart, konnten nicht sagen, wie diese auszusehen haben oder nach welchen Kriterien diese ausgewählt werden. Gleichzeitig, stellen Datenschutz und der Schutz der Privatsphäre Anforderungen, die mit dieser EU-Richtlinie nicht vereinbar sind. Es ist also zwingend notwendig, Richtlinien zur Benutzung von Internet und E-Mail zu verfassen, um hier schwerwiegenderen Problemen seitens der Belegschaft aus dem Weg zu gehen und für Klarheit zu sorgen. SurfControl bietet im Zusammenhang mit der Firma R-zwo-R an, rechtliche Unklarheiten in diesem Bereich kostenlos von einem Rechtsanwalt klären zu lassen.
Zuletzt präsentierte Dominic Schmidl von der Firma Astaro die gleichnamige Firewall, welche auch in der Stadt Treuchtlingen zur Absicherung des Internetzugangs eingesetzt wird. Diese Appliance verbindet Paket-Filter, Intrusion Detection, Spam- und Virenschutz in einem Produkt und ist vollständig aus freier Software entwickelt worden. Dazu sponsert die Firma Astaro nach eigener Aussage das netfilter-Projekt.
Die Vortragsmaterialien sowie weitere Informationen zur Stadt Treuchtlingen und dem Open-Government-Projekt findet man unter www.ogov.de.

