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So, 7. November 2004, 00:00

SUSE Linux Professional 9.2

Die neue Linux - pardon, SUSE Linux Professional - in der Version 9.2 will wieder mal noch besser, leichter, stabiler und überhaupt das modernste Linux aller Zeiten sein. Chris Schläger, Vice President für Forschung und Entwicklung bei SUSE, verspricht den Kunden der Nürnberger Business Unit von Novell, die »neueste und beste Linux-Technologie, die es je gab«, zu liefern. Pro-Linux schaute sich das Betriebssystem an und testete die neuste SUSE mehrere Wochen lang.

Änderungen im Konfigurationstool YaST

Die neue Version von YaST (unteres Bild) unterstützt auch RPM-Delta-Patches. Man beachte die zu herunterladende Dateigröße gegenüber von YaST aus SUSE 9.1 (oberes Bild)

Mirko Lindner (demon)

Die neue Version von YaST (unteres Bild) unterstützt auch RPM-Delta-Patches. Man beachte die zu herunterladende Dateigröße gegenüber von YaST aus SUSE 9.1 (oberes Bild)

Das bereits in der Vorgängerversion der Distribution unter der GPL freigegebene Tool wurde unter SUSE 9.2 weiter überarbeitet und um zusätzliche Funktionen erweitert. Eine der wohl wichtigsten Änderungen, nicht nur für Modem-Benutzer, ist die Unterstützung von RPM-Delta-Patches. Statt wie bisher die kompletten RPM-Dateien vom Server herunterzuladen, bezieht die Software-Update-Funktion von YaST nur eine Differenz der installierten Pakete. Diese Vorgehensweise spart nicht nur Bandbreite beim Distributor, sondern schont auch den Geldbeutel von Modem- oder ISDN-Benutzern, die keine Flatrate ihr Eigen nennen. Statt zum Beispiel wie bisher für eine Kernel-Erneuerung über 20 MByte an Daten zu beziehen, muss der Benutzer unter SUSE 9.2 nicht mal 5 MByte über die Leitung jagen.

Eine weitere Neuerung von YaST stellt neben dem bereits erwähnten Bluetooth-Modul, das die selbe Funktionalität wie bei der Installation bietet, ein neues Modul für die Einrichtung der IrDA-Unterstützung dar. Ferner vereinfachten die Autoren des Administrations- und Konfigurationstools die Einrichtung der Firewall und die Einbindung eines NTP-Servers in das eigene System. Mit dem Network Time Protocol (NTP) ist es jedem Rechner möglich, exakte Zeitinformationen von einem Server zu erhalten. Verstellte Uhren sind mittels NTP endlich passee.

Zu guter Letzt bietet SUSE allen Interessenten noch ein kleines Schmankerl an. Per Default nicht installiert finden alle Benutzer ein neues YaST-Modul Namens »YaST-uml«. Der kleine Helfer ermöglicht, eine SUSE-Installation unter dem von Jeff Dike entwickelten UML (User-Mode Linux) durchzuführen, ohne einen ganzen Hardware-Pool zur Verfügung zu haben. User-Mode Linux bietet einen sicheren Weg an, verschiedene Linux-Versionen auf einen und den selben Rechner zu installieren. Im Gegensatz zu virtuellen Maschinen wie VMWare oder Plex86 bildet die Software nicht eine komplette Maschine, sondern lediglich einen Teil der Hardware nach.

Fazit

Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass mit dem Fortschreiten der Haupt-Version einer Distribution auch die Kinderkrankheiten des Produktes verschwinden. So auch bei SUSE 9.2. Der Distributor schaffte es, mit SUSE 9.2 Professional ein durchaus rundes System zu liefern, das kaum Wünsche offen lässt. Teilweise zumindest.

Die Konfiguration der KDE-Umgebung ist vorbildlich. Vor allem die wirklich gelungene Integration von GNOME-Anwendungen in KDE steht anderen Lösungen, wie zum Beispiel Blue Curve, in nichts nach und überzeugt. Die Menüstruktur der Installation ist übersichtlich und enthält nur die wirklich wichtigen Applikationen. Ferner kann man SUSE bei der Umstellung des Default-Players auf Amarok ebenfalls Recht geben.

Eine eher enttäuschende Partie liefert SUSE allerdings mit GNOME ab. Wer unter der Umgebung auch KDE- oder QT-Anwendungen nutzen möchte, muss nachkonfigurieren. Vor allem die englische Sprache dürfte für viele Nutzer ein Ärgernis sein. Alle Hilfen des Herstellers basieren auf dem KDE Help Center, das auch unter GNOME seine Verwendung findet und nun in der englischen Sprache erscheint. Die Menüstruktur ist bei weitem nicht so ausgereift wie die unter KDE. Während unter dem »K Desktop Environment« nur eine Applikation jeder Sorte zu finden ist, liefert SUSE bei GNOME schon mal zwei Lautstärkeregler mit. Der Fairness halber muss man natürlich erwähnen, dass jeder Distributor eine Umgebung präferiert und diese auch optimal einrichtet. Ob eine Fehlkonfiguration allerdings als »nicht optimal« bezeichnet werden kann, bleibt offen.

Wie immer liefert der Hersteller den SUSE-üblichen Maximalumfang, der jeden Wunsch erfüllen sollte und dank der der bereits in der Vorgängerversion vorgestellten Unterstützung für x86_64-Architekturen auch Benutzer eines Athlon 64 oder Intel EMT64 zufriedenstellt. Für viele Normalanwender sind allerdings viele der Pakete überflüssig. Vor allem Linux-Neulinge werden von der schier unbegrenzten Anzahl an Applikationen, Tools und Servern erschlagen sein. Hier hat früher die Personal-Version diese Lücke geschlossen. Eine Lücke, die nun auch preislich zu spüren sein wird.

Die neue Version, die nur noch in einer professionellen Variante erhältlich ist, ist keinesfalls ein Schnäppchen zum Ausprobieren. Der vom Hersteller empfohlene Preis von SUSE Linux Professional Professional 9.2 liegt bei 89,95 Euro. Eine Update-Edition für Anwender, die bereits SUSE Linux Professional Software einsetzen, oder eine Version für Studenten schlägt immer noch mit 59,95 Euro zu Buche. Hier lohnt es sich für all jene, die SUSE nur kurz ausprobieren wollen, ein Blick auf die Live-CD zu werfen.

Fakten:

Titel: SUSE Linux Professional 9.2
Verfügbarkeit: Anfang November 2004
Lieferumfang: 2 DVDs, 5CD-ROMs, 2 Handbücher
Preis: EUR 89,95 (Update EUR 59,95)

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