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Mo, 9. Juni 2003, 00:00

Slackware 9.0 Distributionstest

Einleitung

Die »älteste überlebende Distribution« der Welt ist, wie die »Major Player« SuSE, Red Hat und Mandrake, mittlerweile auch bei Version 9 angekommen. Die Aktualität der Grundausstattung entspricht im Wesentlichen der der Mitbewerber: Kernel 2.4.20 , KDE 3.1, GNOME 2.2, XFree 4.3.0 und Mozilla 1.3. Slackware kann man entweder paketweise oder als ein einziges ISO von den Mirrors herunterladen.

Lieferumfang

Slackware kommt mit einem einzigen ISO-Image aus, besser gesagt, kam damit aus. Denn auch ein GNU/Linux-System wird mit der Zeit nicht schlanker. So ist Patrick Volkerding gezwungen, mehr oder weniger wichtige Pakete weg zu lassen. Auf dem ISO der Version 9.0 fehlt die aus vorigen Slackware-Versionen bekannte Serie k, in der die Kernel-Quellen lagen. Schon seit Version 8.1 gibt es keine KDE-I18 Pakete mehr auf der CD. Aber selbstverständlich können diese Pakete von den Slackware-Mirrors nachträglich gezogen werden.

Einige Pakete erscheinen mir angesichts des Platzmangels jedoch überflüssig, wie die uralten bsd-games. Auch ist mir nicht ganz schlüssig, wieso Mozilla und Netscape Communicator beide im ISO enthalten sein müssen. DSL-User wird es dagegen freuen, dass nun rp-pppoe mitgeliefert wird.

Installation

Setup von Slackware 9.0

Henry Jensen

Setup von Slackware 9.0

Freunde der Hardware-Autoerkennung und graphischer Installationen werden hier mächtig enttäuscht werden. Wenn man von CD bootet, sollte man erstmal mit fdisk, oder besser mit der benutzerfreundlichen Variante cfdisk, Partitionen anlegen. Erst danach läßt sich Slackware mittels der Eingabe von setup am Prompt installieren. Mittels Textmenüs wird man durch die Installation geführt, wobei, sofern man die entsprechende Option expert ausgewählt hat, serienweise die Pakete präsentiert bekommt, die zur Installation angeboten werden. Linux-Kenner werden hier keine Schwierigkeiten haben, Newbies sollten vorsichtig sein, denn Slackware kennt keine Paket-Abhängigkeiten. Es ist unter Slackware durchaus möglich, z. B. die kdegames ohne KDE zu installieren, wobei die Programme natürlich spätestens beim Start sich über fehlende Bibliotheken beschweren werden. Nach der Installation findet man ein relativ schlankes und aufgeräumtes System auf der Festplatte vor. Eine Vollinstallation benötigt etwa 2 Gigabyte.

Sonderfall Update

Um's gleich vorweg zu sagen: Wenn es irgendwie geht, sollte man eine Neuinstallation durchführen. Eine neue glibc und die Umstellung auf gcc 3.2 beschwören Kompatibilitätsprobleme geradezu herauf. Wenn eine Neuinstallation absolut nicht in Frage kommt, kann man folgendes probieren:

  1. In den Single User Mode schalten (init 1)
  2. glibc updaten: upgradepkg /root/slackware/a/glibc-solibs-*.tgz
  3. pkgtools updaten: upgradepkg /root/slackware/a/pkgtools-*.tgz
  4. sed installieren (wird von den pkgtools benötigt): installpkg /root/slackware/a/sed-*.tgz
  5. den Rest installieren
  6. LILO konfigurieren
  7. Im Verzeichnis /etc nachschauen, ob man noch irgendwas verändern muss.

Konfiguration

Slackware-User benutzen Slackware, weil sich alles wunderbar von Hand administrieren läßt. Das BSD-ähnliche Init mit einer Hand voll Skripte in /etc/rc.d ist eine wahre Freude für jeden, der sich schon mal durch die scheinbar endlos verlinkten Skripte einer anderen Distribution gekämpft hat. Für elementare Konfigurationsarbeit gibt es auch eine Reihe nützlicher Skripte unter /var/log/setup, wobei sich schon eine Menge, von LILO bis zur Netzwerkkonfiguration, menügeführt einstellen läßt. Ansonsten finden erfahrene Linux-Admins ein aufgeräumtes /etc-Verzeichnis vor.

X läßt sich über das X-eigene xf86cfg konfigurieren. Zwei vorgefertigte XF86Config-Dateien, je eine für VESA- und Framebuffer-Modus, befinden sich bereits im Verzeichnis /etc/X11. Das Drucksystem kann man, wenn man apsfilter installiert hat, mit /usr/share/apsfilter/SETUP zum Laufen bringen.

Slackware in der Praxis

Slackware ist ein System für Leute, die gerne am System basteln, neudeutsch »tunen«. Fast alle Programme werden mit Default-Werten, wie sie der Entwickler vorgesehen hat, installiert. So präsentiert sich z.B. der KDE-Desktop recht karg und LILO kommt mit dem normalen roten Boot-Fenster daher. Dies heißt aber nicht, dass Slack instabil wäre. Keine andere größere Linux-Distribution läßt sich so schnell installieren und in einen stabilen, funktionsfähigen Zustand versetzen.

Ein Paketsystem, wie man es von RPM oder Debian her kennt, gibt es unter Slack nicht. Dafür befindet sich in /var/log/packages eine Auflistung aller installierten Pakete. Diese lassen sich bei Bedarf ganz einfach mit removepkg wieder entfernen. Neue Pakete installieren kann man mit installpkg.

Aktualisierte Pakete findet man auf den Slackware-Mirrors unter slackware-current. Normalerweise muss man von Hand checken, welche Pakete aktualisiert wurden. Aber mittlerweile gibt es auch Tools von Drittanbietern, die ein automatisches Update a la apt-get möglich machen.

Slackware ist ein schlankes System, dies bedeutet aber auch, dass nicht alles als Binärpaket vorhanden ist, was man sich wünscht. Um das Selbst-Kompilieren kommt man auf lange Sicht nicht herum. Das Kompilieren mit ./configure && make && make install verläuft meist unkompliziert, da Slack die zur Kompilation nötigen Header-Dateien mit den entsprechenden Libs mitinstalliert. Ausgenommen sind hier die glibc und die X-Development-Files.

Damit man die selbstkompilierten Pakete später auch wieder deinstallieren kann, empfehle ich die Benutzung von checkinstall, welches hervorragend mit Slack zusammenarbeitet. Es gibt aber auch zusätzliche Pakete, die Slack-User vorkompiliert auf linuxpackages.net zum Download bereitstellen.

Fazit

Slackware zeigt, dass eine Distribution mit aktuellen Applikationen nicht unbedingt mit grafischer Installation und Konfigurations-Wizards daherkommen muss. Linux-Neulinge werden daher erstmal nur Bahnhof verstehen, während Slackware für erfahrene Linuxer etliche Vorteile bietet. Das einfach gestrickte Init und die überschaubare Anzahl an Konfigurationsdateien in /etc macht Slackware einfacher administrierbar als manch andere »moderne« Distribution. Zielgruppe sind zwei Typen von Linux-Benutzer: Diejenigen, die sowieso alles lieber »zu Fuß« machen und Linuxer, die gerne am System basteln, z. B. solche, die sich gerne ein »Linux from Scratch« aufbauen möchten, aber die langen Kompilierungszeiten scheuen. Das schlanke System ist auch für diejenigen attraktiv, die nicht die neuesten Gigahertz-Rechner zu Hause stehen haben. Nicht umsonst basieren unzählige Mini-Distributionen auf Slackware.

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