Mandriva Linux 2010
Die neue Französin im Test
Am 3. November 2009 hat Mandriva die neue Version 2010 freigegeben. Im Artikel sollen die Neuerungen vorgestellt werden.
Ausblick auf GNOME3
GNOME kommt in der aktuellen Version 2.28. Auch wenn in diesem Artikel der Fokus auf KDE liegt, soll GNOME nicht vergessen werden. Mandriva wird oftmals als KDE-Distribution bezeichnet. Das liegt zum einen an der sehr guten Integration von KDE und zum anderen an den Nutzern. Laut Umfrage im offiziellen Mandriva-Forum nutzen ca. 75% aller Nutzer Mandriva mit KDE. Dennoch gibt sich Mandriva jedesmal viel Mühe, GNOME mit Erfolg auf einen gleichwertigen Level zu bringen. Fensterdekoration und Hintergrund sind der gleiche wie in KDE. Die Menüs sind aufgeräumt und gut sortiert. Lediglich das verwendete Icon-Theme ist wenig gefällig.
In GNOME 2.28 ist mit Zeitgeist und Gnome-Shell ein Ausblick auf GNOME 3 dabei. Durch den Aufruf des Befehls »gnome-shell --replace« wird die Gnome-Shell gestartet. Über das Konzept hinter der Gnome-Shell mit den Aktivitäten wurde in letzter Zeit genug geschrieben. Im Test hat es gut funktioniert, war leicht zu verstehen und die Effekte liefen flüssig. Lediglich beim ersten Öffnen des Programm-Menüs gab es ein paar Sekunden Verzögerung.
Insgesamt war der Eindruck sehr positiv und man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein, schließlich vergeht bis GNOME 3 noch fast ein Jahr.
Weitere Oberflächen
Neben GNOME und KDE kommt Mandriva mit vielen weiteren Oberflächen. XFCE und LXDE gehören ja schon zum guten Ton. Daneben gibt es noch für alle Netbook-Besitzer Sugar und Moblin. Mit dem jeweiligen Meta-Paket (»task-sugar« bzw. »task-moblin«) sind die Umgebungen schnell installiert. Dabei beißen sich allerdings die Pakete von »mutter« und »moblin-mutter«, so dass man die Gnome-Shell nicht parallel zu Moblin installiert haben kann.
Moblin selbst bietet eine ansprechende und leicht verständliche Oberfläche. Auch das Netzwerk-Center funktionierte im Test problemlos, so dass mit wenigen Klicks eine WLAN-Verbindung erstellt werden konnte. Allerdings stellt einen das Verlassen der Oberfläche vor eine Herausforderung. Es gab keine Möglichkeit, sich abzumelden, auch die Tastenkombination zum Neustarten des X-Servers brachte keinen Erfolg. Der Wechsel auf die Konsole per Tastenkombination klappte jedoch.
Mandriva hat angekündigt, dass nach dem Erscheinen von Moblin 2.1 auch wieder eine Mandriva-Moblin-Live-CD erscheinen wird, doch bis jetzt ist das nicht geschehen.
Der Härtetest
Wie bereits angekündigt, wurde für den Test Mandriva Linux 2010 mit der KDE-Live-CD auf einem Desktop-PC mit 512 MB Arbeitsspeicher installiert. Die Installation selbst war, wie zu erwarten, sehr zähflüssig. Der Bootvorgang dauerte bereits mehrere Minuten und endete auf der Konsole. Die verbaute GeForce-4-Grafikkarte wurde zwar korrekt erkannt und mit dem proprietären Treiber eingerichtet, doch dieser scheint hier Probleme zu verursachen. Nach dem Wechseln zum freien Treiber über das Tool »XFdrake« startete KDE problemlos, wenngleich auch das weitere Minuten brauchte. Nach dem Start wurden nicht benötigte Hintergrund-Programme wie »draksnapshot« beendet, um den Platz im Arbeitsspeicher frei zu machen.
Anschließend ließ sich die Installation starten und verlief reibungslos. Nach der Installation ließ sich mit dem Rechner überraschend gut arbeiten. Der Startvorgang in KDE4 mit allen Hintergrundprogrammen dauerte ziemlich genau 60 Sekunden. Nach dem Start waren dabei etwa 30% des Arbeitsspeichers belegt, also etwa 180 MB. Nach dem Start von Amarok, Firefox und OpenOffice waren jedoch auch schon über 45% des Arbeitsspeichers belegt. Das Navigieren mit Dolphin auch in Ordnern mit vielen Dateien verlief zügig. Programme wie OpenOffice und Firefox brauchten für den Erststart wenige Sekunden.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass 512 MB Arbeitsspeicher genug ist für eine volle Installation mit KDE4. Als Installationsweg empfiehlt sich jedoch eher die Free-DVD und weniger die Live-CD.
Die Community
Die Gemeinschaft der Mandriva-Nutzer ist im deutschsprachigen Raum eher etwas kleiner, aber dafür an einer Stelle zentriert. Dort findet sich neben einem aktiven Forum, ein Wiki, Newsportal, Spiegel-Server und ein eigenes Paket-Repositorium. Zu dem Angebot haben sich vor wenigen Wochen auch eine Netbook-Edition und eine LXDE-Edition gesellt.
Fazit
Mandriva Linux 2010 hat sich innerhalb der letzten Wochen als gut durchdachtes und leicht zu bedienendes System erwiesen. Das System arbeitet schnell und wirkt trotz KDE4 leicht und spritzig. Es hat wirklich Freude bereitet, das System zu nutzen, und negative Punkte müssen wirklich gesucht werden, aber es gibt sie. Dazu zählen die falsche Upgrade-Meldung (was aber mit einem Update behoben wurde) und die eine oder andere fehlende Übersetzung. Alles in allem ist Mandriva Linux 2010 aber eine rundum gelungene Version, die ich jedem nur empfehlen kann. Die Berichte über Mandriva 2010, die bisher veröffentlicht wurden, sind ähnlich positiv, so dass jeder, der gerade auf der Suche nach einer neuen Distribution ist, sich Mandriva ansehen sollte.
Seit Mandriva Linux 2009.0 hat sich somit Mandriva mit jeder Version deutlich gesteigert. Man darf also gespannt sein, wo die Reise noch hingeht.
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- 1. Mandriva Linux 2010
- 2. Installation
- 3. Der smarte Desktop
- 4. Fazit




