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Mi, 26. Oktober 2005, 00:00

SUSE Linux 10

Fast sechs Monate ist es her, dass SUSE mit SUSE Linux Professional 9.3 eine neue Version der Distribution vorstellte. Nun liefert der Nürnberger Distributor das erste Release basierend auf dem neuen OpenSUSE-Projekt aus. Wie immer soll das Produkt das beste SUSE Linux aller Zeiten sein und vor allem durch einfache Installation und Bedienung überzeugen. Pro-Linux schaute sich die Distribution eine Zeitlang an und testete sie in einer produktiven Umgebung.

Multimedia

Auch unter SUSE Linux 10 mag der Player keine DVD- und Windows-Codecs abspielen

Mirko Lindner (demon), Daniel Weigelt

Auch unter SUSE Linux 10 mag der Player keine DVD- und Windows-Codecs abspielen

Beim Einlegen einer Film-DVD startete zwar Kaffeine, es zeigte aber auch sogleich an, welche Codecs alle fehlten. Dass diese nicht vorhanden sind, liegt hier aber nicht an SUSE, sondern an lizenzrechtlichen Gründen. Wer allerdings ein wenig sucht, kann die benötigten Pakete schnell im Internet finden. Das selbe gilt leider auch für andere Videoformate wie .wmv und .mpg. Auch hier müssen die entsprechenden Dateien in Eigenregie vom Netz heruntergeladen und installiert werden.

Ein wenig besser sieht es mit MP3-Dateien aus. Das Abspielen des Formats mittels amaroK funktionierte von Anfang an, obwohl die Unterstützung in früheren Betaversionen und in SUSE 9.3 erst per Online-Update nachgeladen werden musste. SUSE scheint allerdings die Implementierung von MP3 nicht durchgehend eingeschaltet zu haben. Manch eine Applikation, die MP3 beherrscht, will das Format unter SUSE Linux 10 nicht verstehen. So beherrscht das Brennprogramm k3b keine Umwandlung in MP3. Interessant ist auch der Hinweis im Dokumentenverzeichnis, dass die Distribution MP3 wegen der lizenztechnischen Problematik nicht unterstützt.

Die Unterstützung von Multimedia-Formaten im Browser ist vorbildlich für ein Desktop-System. Sowohl Java als auch Flash verrichten ihren Dienst anstandslos. Einzig das Abspielen von typischen Windows-Codecs im Browser ist aus den bereits erwähnten Gründen nicht möglich.

Es muss nicht immer Gnome und KDE sein

Für manche gilt Gnome und KDE als zu bunt und überladen. SUSE wäre keine wirkliche Linuxdistribution, wenn nicht andere Window-Manager mitgeliefert würden. Blackbox, fvwm, IceWM, mwm, Openbox, Windowmaker... Die Auswahl ist groß. Genauso wie die zwei Desktop-Umgebungen präsentieren sie sich aufgeräumt und gut vorkonfiguriert mit vollen, aber übersichtlichen Menüs. Hier gibt es nur wenig zu bemängeln, auch wenn die Konfiguration erfahrungsgemäß nicht optimal ist und von Kennern der Window-Manager sicherlich noch nachgebessert wird.

Fazit

Die Weiterentwicklung von SUSE 9.3 zu OpenSUSE 10.0 und schließlich zu SUSE Linux 10 ist solide. Das System enttäuscht nicht, überrascht aber auch nicht. Revolutionäre Neuerungen sind kaum vorhanden. Hauptsächlich wurde an Details, Aktualisierungen und dem Aussehen gearbeitet. Die Integration von AppArmor und iFolder gefällt und zeigt die zukünftige Ausrichtung von Novell Richtung Enterprise-Desktop und -Server. Hier darf man auf die weiteren Neuerungen gespannt sein.

Wie schon lange bei SUSE gewöhnt, ist die Konfiguration sehr einfach. Selbst als Anfänger sollte es kein Problem sein, sich schnell zurechtzufinden, ein wenig Lernwillen vorausgesetzt. Denn es gibt eine Menge zu entdecken, wenn auch so manches Programm durch den Wegfall einer zweiten DVD nachinstalliert werden muss. So fehlt zum Beispiel Superkaramba im Lieferumfang von SUSE Linux 10 komplett. Hier können aber sicherlich externe Quellen wie das Projekt superSUSE und Suchmaschinen wie RpmSeek Abhilfe schaffen.

Problematisch stellt sich immer noch die Einbindung von Multimedia dar. Weder DVD noch Windows-Codecs funktionieren. Die Integration von MP3 ist immer noch nicht perfekt, aber ein wichtiger Schritt in eine richtige Richtung. Vor allem Anfänger waren mit der Installation der fehlenden Funktionen der letzten SUSE-Versionen überfordert.

SUSE Linux 10 ist und bleibt auf jeden Fall eine sehr gute Einsteigerlösung. Das System ist gut konfiguriert und kann auch problemlos von Windows-Umsteigern genutzt werden. Hinzu kommt eine ausführliche Hilfe im KDE-Hilfe-Zentrum. Die freie Verfügbarkeit von OpenSUSE ermöglicht zudem einen problemlosen Test der Distribution, auch wenn OpenSUSE nicht über den vollen Umfang von SUSE Linux 10 verfügt und ohne kommerzielle Beigaben wie Java oder Flash kommt. Wer auf eine gedruckte Dokumentation Wert legt und auf kommerzielle Beigaben nicht verzichten möchte, kann auch OpenSUSE und die kommerziellen Anwendungen in Form eines 72 Seiten starken Buches beim Millin-Verlag erwerben.

Ganz ohne Bugs läuft es aber aber auch bei der neuen SUSE nicht. Unter https://bugzilla.novell.com/ kann man sich bereits gemeldete Fehler anschauen bzw. neu gefundene melden.

Referenzen

Fakten


Hersteller: Novell
Verfügbarkeit: Mitte Oktober 2005
Lieferumfang: 1 DVD, 5 CDs, 1 Handbuch
Preis: 59 Euro

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