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So, 9. September 2007, 00:00

Das freie Desktop-Betriebssystem Syllable

Mit Syllable gibt es nun seit einiger Zeit ein weiteres freies Betriebssystem. Im Gegensatz zu den meisten verbreiteten freien Systemen ist es vollgrafisch, muss also nicht auf zusätzliche Software zurückgreifen, um eine grafische Oberfläche zur Verfügung zu stellen. Grundsätzlich ist auch für den Einsatz auf dem Desktop ausgelegt. Das Projekt steckt zwar weiterhin in den Kinderschuhen, ist aber inzwischen soweit gereift, dass sich ein Blick auf diese vielversprechende Software lohnt.

Zur Geschichte

Zu Atheos' Hochzeiten stand teilweise mehr Software zur Verfügung als heute. Hier sind Lincity und Galaga zu sehen

Jan Niemeyer

Zu Atheos' Hochzeiten stand teilweise mehr Software zur Verfügung als heute. Hier sind Lincity und Galaga zu sehen

Syllable ist ein Fork des Betriebssystems Atheos, das weitestgehend im Alleingang von Kurt Skauen entwickelt wurde. Mit Atheos entwickelte er ein Desktop-Betriebssystem für x86-Prozessoren, das eigentlich als ein Amiga-Klon gedacht war. Diesen Plan verwarf er jedoch nach einiger Zeit. Nichtsdestotrotz blieb der Amiga das Vorbild, wie man es noch an manchen Stellen des Systems sehen kann. Häufig vermuteten auch Benutzer des Multimedia-Betriebsystems BeOS einen Vorbildcharakter »ihres« Systems auf das Projekt.

So ganz falsch ist letzteres nicht, so kannte Skauen BeOS und das Dateisystem AFS ist auch an das Be-Dateisystem angelehnt, dennoch hat Skauen das System selbst nie benutzt und plante auch nicht, Atheos nach jenem zu formen. Durch den Niedergang von Be Incorporated verzeichnete das Projekt Ende der 90er jedoch einen starken Zustrom von ehemaligen BeOS-Entwicklern. Es wurde gar der Versuch unternommen, einen BeOS-Nachfolger auf Basis von Atheos zu schaffen. So schaffte es der Entwickler Bill Hayden, innerhalb kürzester Zeit den BeOS-Klon Cosmoe mittels der Portierung der grafischen Oberfläche von Atheos auf den Linuxkernel zu entwickeln.

Der Browser ABrowse war für damalige Verhältnisse sehr modern

Jan Niemeyer

Der Browser ABrowse war für damalige Verhältnisse sehr modern

Skauen selbst leistete die Portierung mancher bekannter Software auf Atheos. So wurde die Projektseite von einem auf Atheos portierten Apache bereitgestellt. Ebenso schuf er den Webbrowser ABrowse auf Basis von KHTML. Andere bekannte Ports waren EMACS, Mutt oder Lincity, die sowohl von der fortgeschrittenen POSIX-Kompatibilität des Systems profitierten als auch von der Verfügbarkeit der Bash.

Skauen wendete sich nach Fertigstellung von Version 0.3.7 im Jahre 2001 jedoch anderen Dingen zu, sodass die Entwicklung für einen Zeitraum von einigen Monaten stagnierte. Durch seine fehlende Bereitschaft, an dem Projekt weiterzuarbeiten, verloren auch die anderen Entwickler allmählich das Interesse. Das Projekt drohte unterzugehen. Der Entwickler Kristian van der Vliet hatte vergeblich auf ein Eingreifen Skauens gewartet und unternahm deshalb im Juli 2002 einen Fork, der den Namen Syllable trug. Mitte Juli gleichen Jahres erschien die erste Version - 0.4.0 - und inzwischen ist es Van der Vliet gelungen, große Teile der Gemeinschaft wiederzubeleben.

Aufbau und Eigenschaften

Bei dem Kernel handelt es sich um einen monolithischen Kernel, da alle Treiber im Kernel-Space laufen. Dieser Kernel ist aber extrem modular aufgebaut. So gibt es einzelne Module für die PPP- oder Ethernet-Schnittstelle, die Dateisysteme oder für die Bus-Manager (z.B. PCI). Insofern also ein modularer monolithischer Kernel.

Hinzukommen jedoch die Server, wie den App- und den MediaServer. Diese laufen im User-Space, wobei der AppServer vor allem die Grafikhardware anspricht, während der MediaServer sich um Audiogeräte kümmert. Man kann also z.B. sagen, dass 99% der Routinen, die die Grafikhardware ansprechen, im User-Space laufen.

Dieser Aufbau lässt sich also nicht einfach dem Schema eines monolithischen Kernels zuordnen, sondern trägt auch Eigenschaften eines Microkernels. Eine genaue Zuordnung ist also nicht ganz einfach, wobei es kein Fehler ist, diese Konstruktion als einen sehr modularen monolithischen Kernel zu betiteln.

Wegen der hohen Modularität ist eine angepasste Version von GRUB notwendig, die sowohl vom AFS-Dateisystem lesen als auch die Treiber in den Speicher laden kann.

Die Hardwareunterstützung ist im Vergleich zu Atheos, das noch nicht mit CDROM-Laufwerken umgehen konnte, kräftig ausgebaut worden. So wird inzwischen folgendes unterstützt:

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