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So, 10. Oktober 2004, 00:00

OpenSuSE?

Novell hat vor einiger Zeit durch die Übernahme der SUSE AG den größten europäischen Linux-Distributor erworben. Dazu gehört nicht nur die über zehnjährige Erfahrung der Linux Entwickler, sondern mittlerweile eine eingeschworene Kunden- und »Fan«-Gemeinde. Novell selbst bringt einen breiten Stamm treuer Netware-Kunden mit. Durch die Integration der Netware Services in SUSE Linux versucht Novell nun einen gewagten Schritt zu gehen: Novell-Nutzer mit einer Linux-Basis vertraut zu machen und Linux-Anwendern Netware Services schmackhaft zu machen. Ebenso soll das in SUSE als Standard Desktop Environment eingesetzte KDE durch den NLD (Novell Linux Desktop) ersetzt werden. Dieser wird »wahrscheinlich« wahlweise auf KDE oder Gnome basieren (siehe Red Hat) und dem Novell-Design folgen. Diese Informationen gehen allerdings überwiegend aus Gerüchten oder spartanischen Ankündigungen einiger Novell-Entwickler hervor (z.B. Nat Friedman).

Solcherlei Unsicherheiten lassen Anwender beider Seiten, Linux und Netware, ins Grübeln kommen, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist.

Im folgenden versuche ich die Sicht der Dinge aus der Perspektive der jeweiligen Anwendergruppe darzustellen. Vielleicht findest du dich ja in einer wieder :)

Der eingefleischte Linux-Administrator

...hat in der Vergangenheit viel Überzeugungsarbeit geleistet, um ehemalige Netware- oder Windows-Benutzer auf das offene Betriebssystem zu migrieren. Oft war auch eine bestehende Unzufriedenheit mit dem vorher eingesetztem Produkt der Grund für den Umstieg auf Linux. Auch die Unabhängigkeit von einem großen Softwarehersteller spielt dabei eine große Rolle.

Der eingefleischte Linux-Administrator möchte, daß SUSE Linux als eingeständiges Produkt weiter verfügbar ist. Dazu gehört auch die Enterprise-Serie, die oft in Unternehmen zum Einsatz kommt. Proprietäre Novell Services sind für ihn eher uninteressant. Er wünscht sich die Weiterentwicklung bestehender und bewährter Open-Source-Technologien.

Der überzeugbare Linux Administrator

...hat schon mal von Netware Services gehört und findet sie interessant. In der Integration von Netware in Linux sieht er eine Chance für das freie Betriebssystem, sich gegen Microsoft zu behaupten. Daß Novell möglicherweise ein Großkonzern mit rein finanziellem Interesse ist, tangiert ihn eher peripher.

Der eingefleischte Novell Administrator

...hasst Linux. Vielleicht sogar noch mehr als Microsoft, weil da ja wenigstens ein vernünftiger Netware-Client drauf läuft. Er wird sich im kommenden OES (Open Enterprise Server) die reine Netware-Installation wählen und hoffen, daß sich Linux nicht durchsetzt, weil er da gar keinen Draht zu hat. Jetzt hat er in den letzten Jahren so viele teure Zertifizierungen und Lehrgänge besucht, um zu erfahren, daß sich mit Linux wieder alles ändert. Grummel...

Der überzeugbare Novell Administrator

...hat früher schon Netware eingesetzt, ist aber etwas wehmütig, daß es sich nie richtig gegen Microsoft durchgesetzt hat. Er weiß nicht so recht, was er mit Linux anfangen soll. Unter Open Source kann er sich gar nichts vorstellen und denkt, daß Linux Linus Torvalds alleine gehört und der so reich ist wie Bill Gates. Ihm ist es aber egal, ob Netware nun unter DOS oder Linux läuft, Hauptsache er kann seine NLMs laden.

Daneben gibt es noch die Desktop-Anwender, die Linux im Privatbereich oder auch im Betrieb anwenden. Sie sehen in SUSE Linux eine Alternative zu Windows XP. Sie werden es (hoffentlich) gar nicht merken, daß in der kommenden SUSE-Version »A Novell Company« unter dem Logo steht und daß das Startmenü-Chamäleon durch ein knallrotes »N« ersetzt worden ist.

Novell wird es in Zukunft allerdings nicht leicht haben, alle Seiten zufriedenzustellen. Etwas mehr Transparenz bei der Umsetzung der Linux-Strategie wäre auf jeden Fall für alle Beteiligten beruhigender. Dabei sollte nicht vergessen werden, daß besonders die SUSE Professional-Serie einen hohen Beliebtheitsgrad in Europa genießt, die auf schwerwiegende Veränderungen (und Novell-Brandings) gerne verzichtet.

Wenn dort nicht mit etwas mehr Sensibilität vorgegangen wird, ist es wahrscheinlich bald Zeit für ein OpenSuSE.

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