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So, 23. Juli 2006, 00:00

FreeWRT

Linux klein und fein

Der Artikel beschreibt FreeWRT, ein vollwertiges Linux für Embedded-Systeme in der Preisregion unter 100 Euro.

Motivation

Wer wollte nicht schon immer mal einen eigenen Linux-Server betreiben? Leider sind einige Hürden zu nehmen, bis das System installiert ist, und auch während des Betriebs verlangt ein Server einiges an Aufmerksamkeit und verursacht zudem noch Kosten.

Hat man erst einmal eine eigene DSL-Leitung, ist der Gedanke, einen eigenen Server daran zu betreiben, nicht weit weg. Damit fangen die Probleme aber meist auch schon an. Welche Hardware soll es denn sein, was darf diese kosten, gibt es nicht irgendwo noch einen ausgedienten Rechner, der als Server herhalten kann? Wo kann dieser aufgestellt werden? Wie steht es mit dem Stromverbrauch und Lärmentwicklung? Ein Rechner mit 60 Watt Leistungsaufnahme beschert einem eine jährliche Stromrechnung von etwa 80 Euro. Wie sieht es mit der Haltbarkeit der Hardware aus, sind die Lüfter und Festplatten des Systems wirklich für den Dauerbetrieb zu gebrauchen und werden diese noch eine Weile durchhalten? Was passiert, wenn doch mal die Festplatte ausfällt und alle Daten verloren gehen? Braucht es für den Minimal-Heimserver zu allem Überfluss noch ein Backupkonzept? Müssen eventuell noch regelmäßig Backupdatenträger gewechselt werden? Na dann Prost! Da kann einem die Lust schnell genommen werden, aber es gibt auch eine Lösung für fast alle diese Probleme.

Die Hardware

Die Lösung findet sich im Embedded-Bereich. Bei Embedded-Systemen handelt es sich um Hardware, die einem ganz normalen Computer gleichkommt, sehr kompakt aufgebaut ist, etwas weniger Speicher, Rechenleistung und Erweiterungsmöglichkeiten als ein Standardcomputer besitzt und auf Langlebigkeit sowie geringen Stromverbrauch optimiert ist. Embedded-Systeme gibt es in vielen Ausprägungen, sie werden z.B. von der Firma Soekris angeboten. Der Preis bewegt sich oberhalb von 180 Euro. Allerdings gibt es noch eine Menge Embedded-Systeme, die auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen sind. Hierbei handelt es sich um DSL-Router, Access-Points und ähnliches. Diese sollen hier genauer beleuchtet werden, da sie ein sehr attraktives Preis/Leistungsverhältnis bieten.

Die Projekte FreeWRT und OpenWrt haben sich zur Aufgabe gemacht, die (teilweise ebenfalls Linux-basierte) Original-Firmware von solchen Geräten zu entfernen und stattdessen ein Linux samt Paketmanagement zu installieren, so dass diese Geräte als Mini-Linux-Server genutzt werden können. Als Hardware werden einige recht gut ausgestattete DSL/WLAN Router, die allesamt zu einem Preis von weniger als 100 Euro zu haben sind, genutzt. Leider wurde der WRT54GS V1.0 und V1.1 in der Ausstattung mit 8 MB Flash und 32 MB RAM von Linksys abgekündigt. Momentan wird als einigermaßen gut ausgestattetes Gerät nur der ASUS Wl-500g deluxe unterstützt.

Dieses Gerät gleicht dem WRT54GS in vielen Punkten. Es verfügt zwar nur über 4 MB Flash-Speicher, hat dafür aber einen USB-Port, an den sich z.B. ein Memorystick anschließen lässt. Ein besonderes Feature ist die Möglichkeit, nach dem Booten des ASUS-Routers das Root-Dateisystem mittels eines kleinen Skriptes und des Kommandos pivot_root komplett auf den USB-Stick zu verlegen. Dadurch lässt sich der Speicher des ASUS gigantisch erweitern. Wer möchte, kann aus seinem Router sogar einen Mini-Dateiserver bauen. Sicher sind das im Vergleich zu einem »großen« Server eher bescheidene Leistungsdaten. Dafür sind Stromverbrauch, Lärmentwicklung und die Defektanfälligkeit der Hardware sehr weit im stressfreien Bereich.

Als Alternative gibt es von Linksys den WRT54GL. Allerdings besitzt der WRT54GL nur 4 MB Flash und nur 16 MB RAM, was für größere Experimente schon recht knapp ist! Mit dem Asus WL-500g Deluxe gab es bisher keine Probleme mit der Hardwarerevision, daher ist der ASUS-Router meine Empfehlung für die Zukunft. Da das Projekt den ständigen Änderungen des Hardwaremarktes folgt, kommt auch immer wieder neue Hardware hinzu, die früher oder später recht gut unterstützt wird. Linksys plant derzeit ein Produkt mit 8 MB Flash, 32 MB RAM, 5-Port-Switch, WLAN und USB auf den Markt zu bringen, dieses soll regulär als DSL/WLAN-Router mit Storagemöglichkeit angeboten werden. Die FreeWRT-Entwicklergemeinde hat diese Delikatesse natürlich bereits für ihre Firmware entdeckt.

Leistungsfähigkeit

Und was bietet einem die 100-Euro-Minimallösung? Doch mehr, als man denkt! Die Homepage des OpenWrt-Projektes ist unter openwrt.org zu erreichen. Dort findet man eine sehr ausführliche Dokumentation, die einem die Installation und die ersten Schritte erleichtert.

Unter downloads.OpenWrt.org findet man alle nötigen Downloads. Die dort veröffentlichten Pakete werden vom OpenWrt-Projekt unterstützt und jeweils an den neuesten Release-Kandidaten angepasst. Im Internet, z.B. unter OpenWrt.alphacore.net, findet man sehr viele weitere Pakete. Diese gehören nicht zum Kern des OpenWrt-Projekts und funktionieren möglicherweise nur eingeschränkt. Ich habe einige dieser dort angebotenen Pakete unter der Whiterussian RC4 getestet und bis auf wenige Ausnahmen recht gute Erfahrungen gemacht. Mit der Whiterussian RC5 könnte sich das ändern, da durch eine Änderung am Compiler diese nicht zum Kern der OpenWrt-Distribution gehörenden Pakete eventuell ohne Neukompilieren nicht mehr funktionieren.

Neben den Standardanwendungen eines Routers wie DSL (PPPoE), Firewalling, Dynamisches DNS, DHCP und WLAN, gibt es auch weiterführende Anwendungen, die man auf gewöhnlichen DSL-Routern dieser Preisklasse vergeblich sucht. Hierzu zählen z.B. Traffic Accounting, Traffic Shaping, fortgeschrittenes Routing, OpenVPN, Intrusion-Detection-Systeme wie z.B. Snort oder Webserver mit eingebettetem PHP wie z.B. das Paket thttpd-php oder auch der Cron-Daemon. Die VoIP-Software Asterisk lässt sich ebenfalls auf einem WRT54GS installieren und verwandelt den Router in eine Mini-VoIP Telefonanlage. Die Funktionalität ist momentan noch etwas eingeschränkt es lässt sich z.B. noch kein Voicemail nutzen, dies wird aber bald behoben. Wenn es in Zukunft brauchbare VoIP-WLAN-Telefone gibt, wird die Nutzung des WRT54GS als Telefonanlage noch deutlich attraktiver.

Wie Sie sehen können, gibt es einige attraktive Anwendungen, die über den gewöhnlichen Funktionsumfang eines DSL-Routers weit hinausgehen. In Zukunft werden noch wesentlich mehr Pakete in den Kern der OpenWrt-Distribution aufgenommen, dann bleibt fast kein Wunsch mehr offen.

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