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Mo, 22. November 1999, 00:00

DLD 6.0 Test

Allgemeines

Die Stuttgarter Firma Delix stellt seit geraumer Zeit eine auf Red Hat basierende Distribution zusammen, die sich nicht nur durch Paketauswahl und Konfiguration, sondern auch durch deutsche Manuals besonders für Anfänger eignet.

Ausgestattet mit fünf CDs und einem 408 Seiten starkem Handbuch überrascht DLD 6.01 beim Aufreißen der Verpackung mit themenorientierter Paketauswahl. So findet der Käufer nach dem Öffnen der Kartonverpackung fünf CDs vor, die nach Grundpaket, Updates (Sourcen), Dokumentation, Solution CD und Spielen gegliedert sind.

Installation

Die Installation ist besonders einfach und übersichtlich. Zwar erschlägt diese den anfänglichen User bei der Netzwerkinstallation durch etliche Parameter, die bei einem Home-Netzwerk nicht besonders von Nöten sind. Diese Art der Installation ist aber nicht für User gedacht, die erst angefangen haben, sich mit Linux zu beschäftigen. Aus diesem Grund ist es bestimmt kein Minuspunkt für DLD, sondern eher ein Pluspunkt (worauf ich später noch zurückkommen will).

Besonders erfreulich fand ich die wirklich große Auswahl der Sprachen, die dem Käufer zur Verfügung stehen. Neben den Standardsprachen wie Deutsch und Englisch konnte ich mich noch zwischen 15 weiteren entscheiden, unter anderem Polnisch und Russisch. Somit wird auch gleich klar, daß die "Deutsche Linux Distribution" schon lange nicht mehr so deutsch ist, wie es der Titel suggeriert.

Die eigentliche Installation der Pakete verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Einzig die etwas ungewöhnliche Abbruch-, bzw. Korrekturfunktion bedarf etwas Gewöhnung. So hat der User bei einer falschen Eingabe (z.B. Netzwerk) nicht mehr die Möglichkeit, zu einer vorherigen Maske zurückzukehren, sondern die Installation muß abgebrochen und von vorne begonnen werden. Das wird mit der Zeit etwas nervig. Die Paketauswahl wird mit der Hilfe von Viper zu einem Vergnügen, wie auch die spätere Installation.

Praxis

Beim Start der bereits installierten Distribution wurde ich durch ein (fast) perfekt konfiguriertes System empfangen. Alle Programme waren angepaßt und konnten ohne zusätzliche Arbeit benutzt werden.

Da DLD in ihrer neuesten Version als Bonbon Netscape 4.6, Kernel 2.2.9 und KDE 1.1.1 auf einer Zusatz-CD ausliefert, liegt der Gedanke nicht fern, diese auch zu installieren. Doch da begannen die Probleme.

Netscape ließ sich nicht installieren, weil die Paketrestriktionen nicht erfüllt werden konnten. Beim Versuch, den Browser zu aktualisieren, wurde durch das System bemängelt, daß die Version 2.8 von libstdc++ nicht vorhanden sei. Erst deren Download vom DLD-Server ermöglichte die eigentliche Installation. Ein Fehler, der nicht vorkommen dürfte.

Nach Aussage der Supportmitarbeiter wurde in der kurzen Zeit, in der DLD 6.01 mit neuen Funktionen ausgestattet wurde, einfach vergessen, die Bibliothek mit einzubinden.

Die anderen Pakete zu installieren, versetzten mich auch ins Staunen. So konnte ich die alten Pakete nicht deinstallieren und deren manuelle Löschung mußte von Hand durchgeführt werden.

Viper installierte die neue Pakete, ohne daß die alten deinstalliert wurden - ein Zustand, der mir unerklärlich ist, weil RPM diese Angelegenheit von alleine regelt.

Das Kompilieren von Zusatzpaketen (KDE Applikation) war auf Anhieb auch nicht möglich, weil das System die Qt-Bibliothek zwar installiert, Umgebungsvariablen aber nicht richtig gesetzt hatte. Erst ein manueller Eingriff brachte den gewünschten Effekt.

Ein weiteres Manko, welches mir auffiel, war das Nichtvorhandensein von GNOME, einer alternativen Benutzeroberfläche. Leider konnte ich diese nirgends vorfinden.

Das Überschreiben von manuell geänderten Config-Dateien kennen wir sehr gut von anderen Distributionen. Auch DLD konnte das Problem nicht lösen und überschreibt fleißig alle Änderungen, die im System manuell getätigt wurden.

Zu den Besonderheiten von DLD gehören neben der Aktualität vor allem das perfekt konfigurierte System, das dem Anfänger wirklich jegliches Gewicht von den Schultern nimmt. Neben Apache funktionierten alle Pakete, die DLD standardmäßig ausliefert, ohne daß etwas verändert werden mußte. Neben deutschen Manpages findet der User einen Kernel vor, der beinahe alle Funktionalitäten aufweist und nicht noch einmal kompiliert werden muß.

Ohne den Kernel neu zu kompilieren konnte ich auf Anhieb meine Soundkarte installieren oder die Funktionalität des BIOS ausnutzen (Computer automatisch abschalten).

Eine weitere Besonderheit von DLD stellen die kommerziellen Programme CDV, Motif und AcceleratedX dar, die nach Eingabe einer Seriennummer sofort benutzt werden können. Auf diesem Wege spart man sich die Zeit, die beim Bestellen und Auslieferung der Produkte verstreicht.

Durch den Einsatz von WebLiNK wird Ihnen die Möglichkeit gegeben, das System aus der Ferne zu warten, was besonders Systemadministratoren erfreuen dürfte. Ein weiterer Pluspunkt von DLD stellt die wirklich hilfreiche Support-Hotline dar. In einem Test beantwortete der Supportmitarbeiter alle Fragen, auch als ich zugab, meine Supportnummer nicht zu haben, da sie im Kampfgetümmel mit Linux verlorenging.

Fazit

DLD ist eine sehr gut konfigurierte Distribution, die vor allem durch das perfekt gelöste Administrationstool (dldadmin) glänzt. Mit der Hilfe dieses Werkzeuges werden alle relevanten Optionen bequem und unkompliziert auch durch User mit wenig Linux-Erfahrung konfiguriert.

Leider nahm es Delix mit der Konfiguration von Bibliotheken nicht so ernst, so daß der ohnehin schon komplizierte Compilier-Vorgang noch unnötig erschwert wird. Auch das Fehlen von GNOME finde ich persönlich sehr schade, da diese Applikation zu den Vorzeigeprodukten unter Linux gehört.

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