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Do, 8. März 2001, 00:00

Linux in der Schule

Freie Software

Hier kommt nun freie Software ins Spiel. Freie Software bedeutet eben nicht nur, daß der Quellcode offenliegt und der Benutzer das Recht hat, kostenlosen Tester und Verbesserer für den Hersteller zu spielen, sondern, daß das Wissen, was in der Software steckt, voll und ganz an den Nutzer weitergegeben wird. Ob dieser etwas damit anfangen kann, ist etwas anderes, aber er hat die Chance dazu.

Weiterhin ist wichtig, daß der Nutzer alle Rechte an der Software erhält. Er bekommt nur eine einzige Auflage, er muß diese Rechte ebenfalls weitergeben, wenn er das Programm, verändert oder unverändert, weitergibt. Damit ist sichergestellt, daß niemand unberechtigten Profit aus der Leistung eines anderen zieht. Außerdem ist sichergestellt, daß jeder Benutzer das Programm ansehen, kopieren, verändern oder als Vorlage für eigene Werke nehmen kann.

Diese Wissensweitergabe ist ein enorm wichtiger Aspekt. Sicherlich kann nur ein kleiner Kreis der Empfänger etwas direkt damit anfangen. Doch auch dies trägt zum allgemeinen Fortschritt bei. Wer interessiert ist, kann sehen, wie andere bstimmte Probleme gelöst haben, Vielleicht läßt sich diese Lösung noch verbessern oder auf ähnliche Problemstellungen übertragen.

Freie Software versus Open Source

Ich halte die Weitergabe von Wissen für den wichtigsten Aspekt an freier Software, nicht nur die reine Information, sondern eben auch die Erlaubnis, etwas mit dieser Information anfangen zu dürfen. Hier liegt auch der fundamentale Unterschied zu Open Source, der gerne übersehen wird. Bei Open Source darf ich mir den Quellcode ansehen, aber wenn ich eine Verbesserung habe, dann darf ich sie nur an den Hersteller schicken, vielleicht baut er sie ein, vielleicht auch nicht. Mit freier Software ist das anders. Wenn der Hersteller das nicht einbaut, gebe ich eine eigene Version heraus, oder jemand anders sammelt die verschiedenen Verbesserungen und entwickelt so das Programm weiter, wenn es der ursprüngliche Hersteller nicht mehr tut.

Freie Software ist eben nicht nur der Kostenaspekt (das »frei« ist nicht das gleiche »frei« wie in Freibier), sondern die Erlaubnis, selbst zu handeln und sich nicht in die Vormundschaft einzelner Hersteller bringen zu lassen.

(Jetzt kann ich mir den kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: Diese Abhängigkeit ist natürlich besonders unangenehm, wenn der Hersteller der Programme ständig Gerichtsverfahren wegen, hm, unschöner Geschäftspraktiken am Hals hat. Wenn dieser dann noch auf Grund seiner Fast-Monopolstellung über vierzig Prozent Gewinn vom Umsatz einfährt, zeigt das, daß hier der Markt doch nicht so gut alleine funktioniert.)

Wenn ich mit kommerzieller Software arbeite, weiß ich nicht, was mit den Daten passiert, ob ich sie morgen noch verarbeiten kann. (Wer schon einmal versucht hat, längere Word-Dokumente zwischen verschiedenen Versionen auszutauschen, wird offene Standards zu schätzen gelernt haben.)

Positive Effekte beim Einsatz freier Software

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein kleines Beispiel aus meiner Erfahrung. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Internetzugang, bei dem die Telefonkosten nach Zeit abgerechnet wurden. Um die Kosten nicht ins Unendliche anwachsen zu lassen und vor allem die sehr lange andauernden Gebührenimpulse (sechs Minuten) gut ausnützen zu können, verwendete ich das Programm pppcosts, das mir alle Informationen anzeigte und vor dem nächsten Impuls eine kleine Warnung ausgab. Nun änderte die österreichische Post das Gebührenmodell. Hm, blöd, was mach ich jetzt mit dem Programm? Normalerweise hätte ich darauf warten müssen, bis der Hersteller sich dazu bequemt, die Gebührenimpulse anzupassen. Eventuell wäre das auch mit einem kostenpflichtigen Versionswechsel verbunden gewesen. (Ich komme einfach doch immer wieder zu den Kosten!) Da das Programm unter der GPL steht, habe ich mir den Quellcode geholt und mal angesehen. Die Codierung der Gebühreninformation war sogar mit meinen sehr beschränkten C-Kenntnissen sofort durchschaubar und leicht zu ändern. Am nächsten Abend lief das Programm mit den neuen Gebühreninformationen. Damit auch andere etwas davon haben, habe ich die neuen Teile an den Autor nach Deutschland geschickt. Einige Zeit später bekam ich eine Mail aus der Schweiz. Der Absender hatte die Weiterpflege des Programms übernommen, ich möchte bitte die Gebühren für Österreich überprüfen, bevor er die nächste offizielle Version rausbringe. Diese Mail ging aber nicht nur an mich, sondern in fast alle Länder Europas. Irgendwo in Irland, Kroatien und anderen Ländern saßen also auch Leute, die das Gleiche wie ich gemacht hatten und nicht abgewartet hatten, bis irgendjemand einem Mißstand abhilft, sondern die selbst etwas getan hatten, und in der Schweiz saß jemand, der noch etwas mehr Zeit investieren wollte und das ein wenig koordiniert hat.

Da ich inzwischen einen Pauschalpreis für meinen Internetzugang habe, weiß ich nicht, wie sich dieses Programm weiterentwickelt.

Ich finde, diese Beispiel zeigt sehr schön, wie freie Software funktioniert. (Open source hätte übrigens nicht gereicht, da die Übernahme eines verwaisten oder nur noch schlecht betreuten Programms nicht so einfach möglich wäre.)

Schlußfolgerungen

Was man zum einen an diesem Beispiel sehen kann, ist, wie ein bißchen Engagement eines Einzelnen zum Gelingen eines größeren Projekts beiträgt, und dieses Projekt trägt wiederum zu größerer Attraktivität des Projektes GNU bei. Zum anderen kann man die internationale Zusammenarbeit sehen. Es spielt keine Rolle, wo jemand herkommt, welchem Geschlecht, welcher Altersgruppe oder Rasse er angehört. Jeder trägt das bei, was er kann, und ist sich der Anerkennung aller Beteiligten sicher. Durch die geschickte Lizenz, die GPL, kann auch niemand ausgeschlossen werden, was in der Szene sowieso undenkbar wäre.

Nun kann man einwenden: »Ja, aber die wenigsten können C-Programme schreiben. Das Mitmachen beschränkt sich auf doch sehr wenige.« Es ist aber keineswegs erforderlich, daß programmiert werden muß. Es muß getestet werden, es muß Dokumentation geschrieben und übersetzt werden. Die Programmierer brauchen auch eine Rückkopplung zu den Anwendern, gerade von Computerlaien, die sich eben nicht sofort zurechtfinden. Die Dokumentation muß auf Verständlichkeit geprüft werden. Das kann nur der Laie machen, für den Ersteller eines Programms sind die Lücken in der Dokumentation verschmerzbar, für den Anfänger nicht.

Ich finde, dieser Aspekt, ich kann etwas tun, ich muß nicht darauf warten, daß sich jemand bequemt, mein Geld entgegenzunehmen, ist etwas, was unbedingt berücksichtigt werden muß.

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